Proteste in Syrien: Regierungssoldaten erschießen Demonstranten

Tausende Syrer gingen am Freitag nach dem Mittagsgebet erneut auf die Straßen, um Demokratie zu fordern. Die Sicherheitskräfte des Regimes von Staatschef Baschar al-Assad schossen in die Menge - und töteten mehrere Demonstranten. Die EU beschloss Sanktionen, jedoch nicht gegen den Präsidenten.

Demonstranten in Banias (Archivbild): Schüsse in die MengeZur Großansicht
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Demonstranten in Banias (Archivbild): Schüsse in die Menge

Daraa - "Wir haben gesungen, friedlich, friedlich, und wir haben nicht mal einen Stein auf die Sicherheitskräfte geworfen", berichtete ein Demonstrant aus der Stadt Homs in Syrien. "Aber sie haben gewartet, bis wir den zentralen Platz erreichten und dann das Feuer auf uns eröffnet."

Trotz der angespannten Sicherheitslage und eines Verbots des Innenministeriums gingen am Freitag nach den Mittagsgebeten Tausende Syrer in mehreren Städten des Landes auf die Straßen, um Demokratie und einen Regimewechsel zu fordern. Gegner von Staatschef Baschar al-Assad hatten zu einem "Tag des Trotzes" aufgerufen. Die Sicherheitskräfte antworteten brutal: Menschenrechtlern zufolge wurden 22 Menschen von Regierungssoldaten getötet, 15 davon in der Stadt Homs.

Ein im Internet auf YouTube veröffentlichtes Video zeigte, wie in der Stadt Hama Demonstranten verzweifelt versuchen, einen blutend auf der Straße liegenden Mann wiederzubeleben. Schüsse fielen Augenzeugen zufolge auch in einem Außenbezirk der Hauptstadt Damaskus. Einer der wichtigsten Oppositionsführer, Riad Seif, sowie der prominente Geistliche Muas al-Chatib seien dort nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten nach dem Freitagsgebet festgenommen worden.

Weitere Kundgebungen mit Hunderten Teilnehmern gab es offenbar auch im Zentrum von Damaskus und in der nordöstlichen Stadt Kamischli. Aus der Küstenstadt Banias wurde von bis zu 5000 Demonstranten berichtet. In der südlichen Stadt Daraa, der bisherigen Hochburg der syrischen Protestbewegung, blieben die meisten Menschen aus Angst vor weiterer Polizeigewalt in ihren Häusern. "An jeder Ecke steht in Daraa ein Panzer, es gibt keine Möglichkeit, heute eine Demonstration abzuhalten", sagte ein Anwohner. Daraa mache eine Pause, da ansonsten nur mit weiteren Todesopfern zu rechnen sei.

Die heftigsten Proteste hatte es in den vergangenen Wochen jeweils nach den Freitagsgebeten gegeben. Einige Außenbezirke von Damaskus, die zuletzt besonders stark betroffen waren, wurden am Freitag von den Soldaten des Regimes weiträumig abgeriegelt. Ein Augenzeuge aus dem Vorort Duma sagte, er habe am Donnerstag einen mit etwa 15 Panzern beladenen Zug gesehen, der in Richtung Norden gefahren war.

Uno sendet internationale Beobachter nach Syrien

Unterdessen erhielt erstmals ein medizinisches Team des Roten Kreuzes Zugang zu Daraa. Die Ärzte und freiwilligen Helfer seien am Donnerstag mit Fahrzeugen voller Hilfsgüter und medizinischer Vorräte dort angekommen, teilte die Hilfsorganisation mit. Den Menschen in Daraa zu helfen habe oberste Priorität, weil es die Stadt sei, die am schwersten unter der anhaltenden Gewalt gelitten habe, sagte die Delegationsleiterin Marianne Gasser in Damaskus. Seit Beginn der Belagerung Daraas war den Helfern der Zugang bisher verweigert worden. Die Armee hatte am Donnerstag ihren Abzug aus der südsyrischen Protesthochburg begonnen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte am Freitag außerdem die Entsendung von internationalen Beobachtern zur Untersuchung der humanitären Lage in Syrien an. Assad habe der Einreise von Teams der Vereinten Nationen in einem Telefongespräch zugestimmt, sagte Ban während eines Aufenthalts in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.

In Daraa hatten die Demonstrationen gegen die Regierung Mitte März begonnen und sich im ganzen Land ausgebreitet. Hunderttausende Menschen verlangen politische Reformen, Demokratie und zuletzt auch einen Regimewechsel. Die Sicherheitskräfte sollen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bei der blutigen Unterdrückung der Protestbewegung rund 600 Menschen getötet haben.

Die EU-Länder haben sich unterdessen auf ein Sanktionspaket gegen Syrien geeinigt. Dazu gehören gezielte Strafmaßnahmen gegen 14 Vertreter der Regierung in Damaskus, nicht jedoch gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, sagte ein EU-Diplomat am Freitag in Brüssel der Nachrichtenagentur AFP. Weitere Schritte gegen Assad sollen demnach in der kommenden Woche gesondert diskutiert werden.

Gegen 14 bereits gelistete Führungsvertreter wurden Einreiseverbote verhängt. Sofern diese Personen Vermögen in der EU haben, wird dieses Geld eingefroren. Außerdem verhängte die EU ein Waffenembargo. Die EU-Länder hatten sich am vergangenen Freitag auf Botschafterebene grundsätzlich auf Sanktionen gegen die Führung in Damaskus geeinigt. Damit die Sanktionen in Kraft treten können, muss noch ein abschließender Beschluss der EU-Mitgliedsstaaten folgen. Damit wird Anfang der kommenden Woche gerechnet.

Proteste auch im Jemen: "Geh weg, Ali"

Auch im Jemen gegen derweil die Proteste weiter. Hunderttausende Menschen haben am Freitag erneut den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Salih gefordert. Die Demonstranten versammelten sich auf einer Straße am westlichen Rand der Hauptstadt Sanaa und ließen tausende rote, schwarze und weiße Luftballons steigen, auf denen "Geh weg, Ali" stand.

Die Protestaktion am Freitag stand unter dem Motto "Tag der Dankbarkeit an den Süden" und sollte die Teilnehmer eines Aufstands gegen Salih im Süden des Landes 2007 ehren. Gleichzeitig versammelten sich vor dem Präsidentenpalast in Sanaa Zehntausende Anhänger Salihs.

Die Proteste gegen den seit 32 Jahren regierenden Präsidenten dauern schon seit fast drei Monaten an. Salih hat einen Rücktritt abgelehnt. Er wies auch Vermittlungsbemühungen der Golfstaaten zurück. Danach hätte er im Gegenzug für einen Rücktritt Immunität vor Strafverfolgung erhalten.

lgr/dpa/AFP/dapd

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insgesamt 8 Beiträge
Braunschweiger77 06.05.2011
Genau wie in Lybien sind viele Radikalislamisten unter den Demonstranten. Trotzdem werden diese von unseren Medien als Engel dargestellt zugleich ist auch hier die gleiche einseitige Darstellung (Behauptungen der Demonstranten [...]
Genau wie in Lybien sind viele Radikalislamisten unter den Demonstranten. Trotzdem werden diese von unseren Medien als Engel dargestellt zugleich ist auch hier die gleiche einseitige Darstellung (Behauptungen der Demonstranten werden 1: 1 übernommen, die Gegenseite wird nicht gehört) wie im Lybien-Konflikt festzustellen. Ein besonderes Geschmäckle hat da die Wikileaks-Enthüllung demzufolge die syrische Opposition von den USA finanziert wurde.
steinaug 06.05.2011
Ich bin mal gespannt, ob sich unsere Gutmenschenmedien über diese Toten auch die Mäuler zerreißen, oder ob nuir um Terroristenführer getrauert wird.
Ich bin mal gespannt, ob sich unsere Gutmenschenmedien über diese Toten auch die Mäuler zerreißen, oder ob nuir um Terroristenführer getrauert wird.
Hermes75 06.05.2011
Friedliche Demonstranten sich doch schon mal per se verdächtig. Im Zweifel sind das Islamisten oder amerikanische Agenten - oder vielleicht auch beides? (Sie vorheriger Beitrag) Es ist wirklich erschreckend wieviele Leute hier [...]
Zitat von steinaugIch bin mal gespannt, ob sich unsere Gutmenschenmedien über diese Toten auch die Mäuler zerreißen, oder ob nuir um Terroristenführer getrauert wird.
Friedliche Demonstranten sich doch schon mal per se verdächtig. Im Zweifel sind das Islamisten oder amerikanische Agenten - oder vielleicht auch beides? (Sie vorheriger Beitrag) Es ist wirklich erschreckend wieviele Leute hier mit Mördern und Tyrannen sympathisieren solange diese nur gegen den Westen, Freiheit und Demokratie sind.
mardas 06.05.2011
So sehe ich das auch. Es ist eine Zeit des politischen Analphabetismus.
Zitat von Hermes75Friedliche Demonstranten sich doch schon mal per se verdächtig. Im Zweifel sind das Islamisten oder amerikanische Agenten - oder vielleicht auch beides? (Siehe vorheriger Beitrag) Es ist wirklich erschreckend wieviele Leute hier mit Mördern und Tyrannen sympathisieren solange diese nur gegen den Westen, Freiheit und Demokratie sind.
So sehe ich das auch. Es ist eine Zeit des politischen Analphabetismus.
R.Koch 06.05.2011
Dem kann ich nur zustimmen. Mir scheint die ganze Entwicklung in Syrien wie ein Déjà-vu. In Libyen lief es nicht viel anders ab, nur viel schneller. Auch in Syrien wird es eine Eskalation geben, vermutlich laufen demnächst [...]
Zitat von Hermes75Friedliche Demonstranten sich doch schon mal per se verdächtig. Im Zweifel sind das Islamisten oder amerikanische Agenten - oder vielleicht auch beides? (Sie vorheriger Beitrag) Es ist wirklich erschreckend wieviele Leute hier mit Mördern und Tyrannen sympathisieren solange diese nur gegen den Westen, Freiheit und Demokratie sind.
Dem kann ich nur zustimmen. Mir scheint die ganze Entwicklung in Syrien wie ein Déjà-vu. In Libyen lief es nicht viel anders ab, nur viel schneller. Auch in Syrien wird es eine Eskalation geben, vermutlich laufen demnächst auch Soldaten über und dann werden nach und nach die Aufständischen Waffen einsetzen (müssen??), wenn kein Wunder passiert. Alle "Experten" zum Thema "brutale Rebellen in Libyen" können sich nun nochmal schön langsam anschauen, wie ein bewaffneter Konflikt entsteht. Vermutlich wird dann in vier oder sechs Wochen hier in den Foren auch wieder alles auf den Kopf gestellt, dann werden Al Kaida-Terroristen und die Handlanger der CIA in Syrien die rechtmäßige Regierungsarmee angreifen, die legitime Staatsgewalt hat dann natürlich das Recht auf Verteidigung und jedes weitere Blutbad wurde von den Aufständischen verschuldet! Mir wird jetzt schon übel...
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  • Freitag, 06.05.2011 – 16:25 Uhr
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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Fläche: 536.869 km²

Bevölkerung: 24,053 Mio.

Hauptstadt: Sanaa

Staatsoberhaupt:
Abd Rabbuh Mansur al-Hadi

Regierungschef: Mohammed Basindawa

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