Proteste in Tibet China droht mit Kampf auf Leben und Tod

Martialische Drohungen aus Peking: China hat den Anhängern des Dalai Lama ein hartes Vorgehen angekündigt. Es gebe einen "Kampf auf Leben und Tod". In Provinzen des Landes seien mehrere Rebellen getötet worden, melden Exil-Tibeter.


Peking/Lhasa - China hat den Ton im Tibet-Konflikt deutlich verschärft. "Wir befinden uns mitten in einem heftigen Kampf aus Blut und Feuer, einem Kampf auf Leben und Tod mit der Clique des Dalai", sagte der Sekretär der Kommunistischen Partei in Tibet, Zhang Qingli, laut einem Online-Bericht der "China Tibet News". Zhang sprach sich zugleich für eine schärfere politische Kontrolle in Tibet aus.

Protest gegen Chinas Tibet-Politik (in Thailand): Peking verschärft die Tonlage
AP

Protest gegen Chinas Tibet-Politik (in Thailand): Peking verschärft die Tonlage

Ministerpräsident Wen Jiabao hatte bereits am Vortag dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter vorgeworfen, die Unruhen angezettelt zu haben. Der Dalai Lama und seine Anhänger wollten mit ihren Aktionen die Olympischen Spiele in Peking im Sommer sabotieren.

Die Gewaltwelle nahm in der vergangenen Woche ihren Anfang anlässlich des 49. Jahrestages des fehlgeschlagenen Aufstands gegen die chinesische Besetzung.

Bei den Protesten der Tibeter gegen die chinesische Fremdherrschaft sind nach exil-tibetischen Angaben in dem Hochland weitere Menschen ums Leben gekommen. In Kardze in der chinesischen Provinz Sichuan hätten chinesische Sicherheitskräfte am Dienstag das Feuer auf eine Gruppe von Demonstranten eröffnet und mindestens drei Teilnehmer getötet, berichtete das exil-tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) aus Indien. Bereits am Dienstag hatte die Organisation von mindestens 39 Opfern durch Schüsse von chinesischen Truppen in Aba in Sichuan und Machu in Gansu berichtet. Free Tibet Campaign veröffentlichte Fotos von Toten mit Schusswunden, die vom Kirti-Kloster in Aba stammten.

Weitere Proteste gab es am Dienstag nicht nur in Kardze in Sichuan, sondern auch in Gannan und Sangchu in der Provinz Gansu, berichtete TCHRD. Mönche und Tibeter hätten sich an beiden Orten für die Unabhängigkeit Tibets und die Rückkehr des Dalai Lama ausgesprochen sowie die tibetische Flagge gehisst. Die chinesischen Sicherheitskräfte hätten zum Teil Tränengas eingesetzt. 20.000 Angehörige der paramilitärischen bewaffneten Polizei (Wujing) seien von der Provinzhauptstadt Lanzhou an fünf Orte in den tibetischen Regionen von Gansu entsandt worden, berichtete Free Tibet Campaign. Augenzeugen hätten in Gannan 102 Lastwagen mit Polizeikräften gezählt, die mit Waffen und Tränengas ausgerüstet gewesen seien.

China teilte derweil mit, 105 Teilnehmer an den Protesten hätten sich der Polizei gestellt. Sie hätten sich an gewaltsamen Ausschreitungen beteiligt, geplündert oder Gebäude in Brand gesetzt, hieß es am Mittwoch in einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Gegen sie werde jetzt juristisch vorgegangen.

als/AFP/dpa/Reuters

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