Sparkurs in Spanien: Demonstranten marschieren nach Madrid
Die Proteste gegen den Sparkurs in Spanien reißen nicht ab. Auch am Samstag gingen wieder Tausende auf die Straße. Demonstranten aus allen Teilen des Landes sind in einem Sternmarsch nach Madrid gekommen - manche von ihnen haben mehrere hundert Kilometer zu Fuß zurückgelegt.
Madrid - Die überwiegend jugendlichen Demonstranten hielten Plakate hoch, pfiffen und riefen Protestslogans, während sie durch die Prachtstraßen der Hauptstadt marschierten. Die beliebtesten Slogans: "Hände hoch, das ist ein Überfall" oder "Steh auf und kämpfe!" Zum Klang von Trommeln und Trompeten ging es vom Prado-Museum friedlich zur Kundgebung auf dem zentralen Platz Puerta del Sol. Dort setzten sich die Demonstranten auf den Boden und hielten eine "Volksversammlung" ab.
"Ich bin sehr enttäuscht und wütend", sagt die 25-jährige Alba Sánchez, die mit dem Bus aus Katalonien nach Madrid kam. "Diese ganzen Kürzungen seitens der Regierung, die uns hasst, dürfen wir nicht hinnehmen."
Das Sparpaket von Ministerpräsident Mariano Rajoy sieht bis 2015 Kürzungen um 65 Milliarden Euro vor. Im Verwaltungssektor sollen 3,5 Milliarden Euro eingespart werden. Den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst wird das Weihnachtsgeld gestrichen, die Mehrwertsteuer soll steigen und das Arbeitslosengeld sinken. Für neu arbeitslos Gewordene gibt es dann nach sechs Monaten nur noch die Hälfte des Grundgehalts. "Das ist der Todesstoß: Sie kürzen bei denen, die keine Arbeit haben und erhöhen die Mehrwertsteuer für die, die arbeiten", sagt Rafel Ledo. Er war von der nördlichen Region Asturien aus 500 Kilometer zu Fuß nach Madrid unterwegs.
Spanien steckt seit dem Platzen einer Immobilienblase im Jahr 2008 in der Krise. Fast ein Viertel der Spanier ist arbeitslos, bei den jungen Leuten unter 25 Jahren hat sogar mehr als jeder Zweite keine Arbeit. Zuletzt hatten am Donnerstag landesweit Hunderttausende Menschen gegen die Sparpolitik der Regierung protestiert. Die Proteste endeten in der Nacht zum Freitag in Madrid mit Gewalt und Festnahmen. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Schlagstöcke gegen kleinere Gruppen von Demonstranten ein.
Am Freitag hatten die Euro-Finanzminister Hilfskredite für Spaniens angeschlagene Banken von bis zu hundert Milliarden Euro beschlossen. Zuvor hatte am Donnerstag auch der Bundestag zugestimmt. Nach dem offiziellen Beschluss der Euro-Gruppe stürzte die Börse in Madrid um 5,8 Prozent ab, wobei besonders Bankenaktien nachgaben. Die Behörden von Valencia kündigten zudem an, dass sie Finanzhilfe von der Zentralregierung in Madrid benötigten - aus einem Sonderfonds in Höhe von 18 Milliarden Euro für strukturschwache und überschuldete Regionen.
Die Zinsen auf zehnjährige spanische Staatsanleihen stiegen unterdessen über die gefährliche Marke von sieben Prozent. Ein solcher Wert gilt über einen längeren Zeitraum als nicht tragbar. Investoren befürchten offenbar, dass auch der spanische Staat trotz der Unterstützung für seine Banken selbst zum Kandidaten für Hilfe aus dem Euro-Stabilitätsfonds wird.
ric/afp/apd
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- Sonntag, 22.07.2012 – 08:09 Uhr
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Bevölkerung: 46,196 Mio.
Fläche: 505.988 km²
Hauptstadt: Madrid
Staatsoberhaupt: König Juan Carlos I.
Regierungschef: Mariano Rajoy
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