Provinz Daraa in Syrien Friedensgespräche zwischen Russen und Rebellen gescheitert

Im Südwesten Syriens haben sich die Rebellen geweigert, Bedingungen der russischen Militärs für ein Ende der Kämpfe zu akzeptieren. Die Armee von Machthaber Baschar al-Assad rückt weiter vor.

Großstadt Daraa nach Luftangriffen der syrischen Armee
AFP

Großstadt Daraa nach Luftangriffen der syrischen Armee


Die Verhandlungen des russischen Militärs mit den Rebellen im Südwesten Syriens über ein Ende der Kämpfe in der Provinz Daraa sind vorerst gescheitert. Die Bedingungen der russischen Seite seien "erniedrigend" gewesen und deshalb zurückgewiesen worden, teilte ein Sprecher der Regierungsgegner am Samstag mit.

Ein Unterhändler hatte zuvor berichtet, Russland habe nach dem Vorbild anderer Abkommen gefordert, dass die Rebellen mit ihren Familien entweder in ein von der Opposition gehaltenes Gebiet im Nordwesten Syriens abziehen oder die Rückkehr der Staatsmacht akzeptieren. Die Rebellen hätten aber die Rückkehr der syrischen Armee abgelehnt und stattdessen angeboten, russischen Militärpolizisten Zugang zu gewähren und zivilstaatliche Institutionen wiedereinzusetzen. Die Verhandlungen waren vom Nachbarland Jordanien vermittelt worden.

Aufständische verlieren weitere Gebiete

Unterdessen rückte die syrische Armee in weitere Städte im Südwesten des Landes vor. Auch die Luftangriffe wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fortgesetzt. Kampfflugzeuge flogen demnach in der Nacht 32 Einsätze. Dabei seien neun Städte in der Provinz Daraa getroffen worden. In den vergangenen knapp zwei Wochen seien durch den Vorstoß etwa 100 Zivilisten getötet worden. Den Vereinten Nationen zufolge hat sich die Zahl der Kriegsflüchtlinge in der Region durch die Offensive auf rund 160.000 erhöht.

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In der Stadt Dael, nordwestlich der Großstadt Daraa, gaben die Rebellen dem Staatsfernsehen zufolge nach dem Abschluss einer Vereinbarung auf. In vier nahegelegenen Städten hätten die Aufständischen ebenfalls ihre Waffen niedergelegt und die Staatsmacht akzeptiert. Der Beobachtungsstelle zufolge zog russische Militärpolizei in mehrere weitere Städte und Dörfer ein. Grundlage waren Abkommen, den Widerstand gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad aufzugeben. Zuvor hatte im Libanon der Chef der mit Assad verbündeten Hisbollah erklärt, ein "sehr großer Sieg" stehe im Südwesten Syriens kurz bevor.

Der Südwesten und eine Region im Nordwesten des Bürgerkriegslandes sind die beiden einzigen Gebiete, die teilweise noch von Rebellen kontrolliert werden. Seit Mitte Juni haben Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe ihre Offensive insbesondere im Bereich der Großstadt Daraa verstärkt. Das hat eine Massenflucht der Bevölkerung ausgelöst.

pbe/Reuters



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