Kriegsverbrechertribunal Prozess gegen Serben-General Mladic ausgesetzt

Der Kriegsverbrecherprozess gegen den früheren bosnisch-serbischen Militärführer Ratko Mladic ist nach nur einem Tag unterbrochen worden. Das Uno-Tribunal in Den Haag vertagte die Beweisaufnahme auf unbestimmte Zeit - wegen Fehlern der Ankläger.

Mladic im Gerichtssaal: Unbeugsam, unbelehrbar, manchmal sogar arrogant
DPA

Mladic im Gerichtssaal: Unbeugsam, unbelehrbar, manchmal sogar arrogant


Den Haag - Wann es weitergeht, ist völlig offen. Der Prozess gegen den früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic wurde bis auf Weiteres ausgesetzt. Als Grund nannte Richter Alphons Orie am Donnerstag "Unregelmäßigkeiten" auf Seiten der Staatsanwaltschaft. Die Ankläger hätten der Verteidigung Dokumente vorenthalten und damit die Vorbereitung der Gegenseite auf den Prozess behindert. Um was für Dokumente es sich handelt, ist bisher nicht bekannt. Ein Termin für die Fortsetzung des Verfahrens gegen den 70-Jährigen soll demnach so schnell wie möglich bekanntgegeben werden.

Der Prozess gegen den als "Schlächter vom Balkan" berüchtigten Mladic hatte erst am Mittwoch begonnen. Ursprünglich sollte am 29. Mai der erste Zeuge der Anklage gehört werden. Dieser Termin ist nun aber hinfällig. Die Anwälte von Mladic hatten am Montag eine Verschiebung des Prozesses um ein halbes Jahr gefordert. Die Staatsanwaltschaft erklärte am Mittwoch, keine Einwände gegen eine spätere Anhörung ihrer Zeugen zu haben.

Hohn für die Opfer

Mladic werden Völkermord sowie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges (1992-1995) zur Last gelegt. Insgesamt liegen elf Anklagepunkte gegen ihn vor. Der Ex-General wird vor allem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht, bei dem 1995 rund 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden. Zudem wird ihm die Verantwortung für die 44-monatige Belagerung von Sarajevo zugeschrieben, bei der 10.000 Zivilisten getötet wurden.

Am ersten Prozesstag, Mittwoch, hatte sich Mladic unbeugsam, unbelehrbar, manchmal sogar arrogant gezeigt. Mit Gesten verhöhnte er seine Opfer, verächtlich lachte er über die ihm vorgehaltenen unfassbaren Verbrechen. Er hatte schon bei Anhörungen vor Prozessbeginn die Anklage "monströs und ekelhaft" genannt. Und auch jetzt zum Beginn seines Prozesses ist sich der einst mächtige Militärchef der bosnischen Serben nach wie vor seiner "gerechten nationalen Sache" sicher und keiner Schuld bewusst.

ler/AFP/dpa

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kontreros 17.05.2012
1. Vereinfachter Prozess bei klarer Sachlage
In meiner Welt, würden die geschätzten Prozesskosten den Hinterbliebenen seiner Opfer zugute kommen. Für solche Verbrechen kann und darf es nur die Höchststrafe geben!
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