Prozess in Frankreich: Staatsanwaltschaft will Scientology verbieten

Schwere Geschütze gegen Scientology: Die französische Staatsanwaltschaft fordern ein Verbot der in Frankreich als Sekte eingestuften Organisation. Die spricht von "Ketzerei", "einer regelrechten Inquisition" - und wehrt sich gegen massive Betrugsvorwürfe.

Paris - Im Betrugsprozess gegen Scientology in Frankreich hat die Staatsanwaltschaft die Auflösung der umstrittenen Organisation gefordert. Die Gesellschaft habe mit "einer ganzen Reihe betrügerischer Manöver" neue Mitglieder angeworben und finanziell ausgenommen, erklärte die Anklagebehörde am Montagabend in Paris.

Es gehe um einen "bewussten und geplanten Betrug". Deshalb müssten die Organisation und ihre Buchhandlung jeweils zwei Millionen Euro Strafe zahlen, forderte die Staatsanwaltschaft. Für den Gründer von Scientology in Frankreich, Alain Rosenberg, verlangt die Behörde vier Jahre Gefängnis auf Bewährung sowie eine Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro.

Die Scientology-Organisation steht in Frankreich seit Ende Mai wegen "organisierten gemeinschaftlichen Betruges" vor Gericht, nachdem vier ehemalige Mitglieder sie angezeigt hatten. Neben der Organisation und ihrer Buchhandlung müssen sich sechs Scientologen vor Gericht verantworten.

Die Bewegung, die in einem Bericht des französischen Parlaments 1995 als Sekte eingestuft wurde, muss sich gegen den Vorwurf wehren, dass sie ihre Anhänger psychisch unter Druck setzt, um sich an ihnen zu bereichern. Das Verfahren geht unter anderem auf die Klage einer ehemaligen Anhängerin der Organisation zurück. Die Frau fühlt sich genötigt. Sie habe mehr als 21.000 Euro für Bücher, Medikamente und Kurse ausgeben müssen und sei durch erschöpfende Saunakuren und Sitzungen zur Unterwerfung getrieben worden.

Scientology nannte die Forderung der Staatsanwaltschaft "ketzerisch" und warf der Anklage "eine regelrechte Inquisition" vor. Die Bewegung, die 1954 vom Science-Fiction-Autor Ron Hubbard in den Vereinigten Staaten gegründet wurde, zählt berühmte Hollywoodstars wie Tom Cruise und John Travolta zu ihren Mitgliedern. Das Verfahren endet am Mittwoch, das Urteil soll im Herbst fallen.

beb/AFP/dpa

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