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Prozess: Israels Ex-Präsident Katsav wegen Vergewaltigung verurteilt 

Der ehemalige israelische Präsident Mosche Katsav ist wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen worden. Ein Bezirksrichter verkündete in Tel Aviv das Urteil - der 65-Jährige zeigte sich entsetzt.

Tel Aviv - Israels früherer Präsident Mosche Katzav ist im gegen ihn laufenden Vergewaltigungsprozess schuldig gesprochen worden. Das Bezirksgericht in Tel Aviv sprach ihn am Donnerstag der Vergewaltigung einer Mitarbeiterin in zwei Fällen sowie der sexuellen Belästigung einer weiteren Mitarbeiterin schuldig. Ihm drohen mindestens acht Jahre Haft. Das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden.

Die Sexualstraftaten gegen drei Frauen beging er demnach während seiner Amtszeit als Tourismusminister von 1996 bis 1999 sowie während seiner Präsidentschaft von 2000 bis 2007. Wegen der Vorwürfe war Katsav im Jahr 2007 als Staatschef zurückgetreten, hatte aber stets seine Unschuld beteuert.

Eine Klägerin, über die nur mit dem Kürzel A. berichtet wurde, hatte dem ehemaligen Staatsoberhaupt vorgeworfen, er habe sie 1998 in seinem Büro in Tel Aviv und zwei Monate später erneut in einem Hotel in Jerusalem vergewaltigt. Die beiden anderen Frauen berichteten, er habe sie unter anderem gegen ihren Willen umarmt und seinen Körper an sie gedrückt.

Katsav reagierte fassungslos auf das Urteil

Der Richter betonte, die Klägerin, die Katsav Vergewaltigung in zwei Fällen vorwarf, habe die Wahrheit gesagt. Katsav habe sich hingegen in Lügen verstrickt. "Es ist bewiesen, dass es keine Einwilligung gab", hieß es in dem Urteil. "Er hat Gewalt eingesetzt." Die Zeugen der Verteidigung hätten sich als "brüchige Stütze" erwiesen.

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Mosche Katsav: Gericht verurteilt Ex-Präsidenten
Der Ex-Präsident war nach Medienberichten fassungslos, als er die Urteilsverkündung hörte. "Nein, nein", habe er gemurmelt. Vertraute Katsavs riefen im Gericht, das Urteil sei unrecht. Der erste Prozess gegen einen israelischen Präsidenten hatte im vergangenen Jahr begonnen. Vor dem Gericht demonstrierten Frauenorganisationen und forderten eine harte Strafe für Katsav.

Erste Berichte über die Vergewaltigungen gab es im Juli 2006. Damals hatte sich Katsav öffentlich über angebliche Erpressungsvorwürfe wegen sexueller Belästigung beschwert. Der Generalstaatsanwalt ordnete eine Untersuchung an. Auf den Druck von Abgeordneten hin musste Katsav auf die traditionelle Eröffnungsrede zur Wintersession der Knesset verzichten. Angesichts stärker werdender Kritik ließ er sein Amt im Januar 2007 ruhen, lehnte einen Rücktritt aber vehement ab.

Deal mit der Staatsanwaltschaft abgesagt

Seine Kritiker bezichtigte Katsav einer Kampagne, die Vorwürfe gegen ihn seien "Lynchjustiz". Journalisten hätten seine Wahl als das "Ende des Zionismus" empfunden, weil seine Familie aus Iran stamme, polterte Katsav. Nachdem im Juni Schimon Peres als neuer Präsident gewählt worden war, trat Katsav schließlich zurück. Mit der Staatsanwaltschaft hatte er zuvor einen Deal ausgehandelt. Er wollte Fälle sexueller Belästigung zugeben, dafür sollten Vergewaltigungs- und Korruptionsvorwürfe fallengelassen werden.

Der Generalstaatsanwalt verteidigte den Deal, weil die damals vorliegenden Beweise für die Vergewaltigungen womöglich nicht für eine Verurteilung ausgereicht hätten. Ein Jahr später kündigte Katsav jedoch an, seinen "guten Namen" wiederherstellen zu wollen, der Prozess gegen ihn platzte. Nach neuen Ermittlungen hatte der Generalstaatsanwalt im März 2009 wieder Anklage erhoben.

Die Staatsanwältin Ronit Amiel sagte nach dem Urteil: "Dies ist kein freudiger oder leichter Tag, aber er beweist die Stärke der israelischen Demokratie."

jul/ore/dpa/Reuters

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