Ex-US-Präsidentschaftsbewerber: Saubermann Edwards kommt davon

Von Sebastian Fischer, Washington

Was für eine Verhandlung! Ex-Obama-Konkurrent John Edwards war angeklagt, seine Geliebte mit Wahlkampfgeld ruhiggestellt zu haben. Weil sich die Jury nicht einigen konnte, ist der Prozess jetzt geplatzt. Und der einstige Präsidentschaftsbewerber frei - vorerst.

Ex-Präsidentschaftsbewerber Edwards (mit Tochter, Eltern): "Meine Sünden"Zur Großansicht
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Ex-Präsidentschaftsbewerber Edwards (mit Tochter, Eltern): "Meine Sünden"

Neun Tage haben die Geschworenen beraten - und sich am Ende doch nicht auf ein Urteil im Prozess gegen den ehemaligen Präsidentschaftsbewerber John Edwards einigen können. Fazit: Die Jury gescheitert, der Prozess geplatzt, Edwards vorerst frei.

Der 58-Jährige stand in Greensboro im Bundesstaat North Carolina vor Gericht, weil er während des Demokraten-Vorwahlkampfs 2008 insgesamt fast eine Million Dollar von zwei Gönnern erhalten haben soll, um eine Sex-Affäre und sein uneheliches Kind zu verschleiern. So der Vorwurf der Anklage.

Die damals erlaubte Maximal-Spende von 2300 Dollar pro Person wäre damit weit übertroffen. Edwards drohten bis zu 30 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 1,5 Millionen Dollar. Edwards' Gegenargumentation: Es habe sich nicht um Wahlkampfspenden gehandelt, sondern einfach um Geschenke von Freunden.

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John Edwards: Sturz eines Saubermanns

In einem von sechs Anklagepunkten sprachen die Geschworenen den einstigen Konkurrenten des heutigen US-Präsidenten Barack Obama nun für unschuldig, in weiteren fünf kamen sie zu keinem Ergebnis. Richterin Catherine Eagles erklärte daraufhin den Prozess in diesen Punkten für gescheitert. Eine Neuaufnahme gilt allerdings Experten zufolge als weniger wahrscheinlich; Eagles selbst bemerkte, dass sie vor September ohnehin keine Zeit für eine Wiederaufnahme des Verfahrens habe.

Edwards zeigte sich nach dem gescheiterten Prozess vorm Gerichtsgebäude, gemeinsam mit seiner Tochter sowie den Eltern. "Ich habe schrecklich, schrecklich viel getan, das falsch war", gestand er ein: "Niemand außer mir trägt die Verantwortung für meine Sünden." Der Mann vergaß aber auch nicht zu beteuern, dass er nie das Gesetz gebrochen habe.

Edwards deutete sogar an, dass er sich weiterhin politisch zu engagieren gedenke: "Ich glaube nicht, dass Gott schon mit mir durch ist. Ich denke, dass er annimmt, ich könne noch ein paar gute Dinge bewirken." Edwards erwähnte in diesem Zusammenhang das Schicksal armer Kinder.

Dennoch: Der geplatzte Prozess ist kein Freispruch, das einstige Saubermann-Image dahin. Als Edwards sich 2008 unter anderem gegen Barack Obama, Hillary Clinton und den heutigen Vizepräsidenten Joe Biden um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bewarb, inszenierte er sich als aalglatt. Politik für die kleinen Leute wollte er machen, das arme und das reiche Amerika versöhnen. Und stets trat er mit seiner krebskranken Frau Elizabeth auf. Die Botschaft: Zusammenhalt, Ehrlichkeit - und Treue. Das Privatleben von Kandidaten sage "etwas darüber aus, was für eine Art Mensch sie sind" und "was für eine Art Präsident sie wären". Seit 30 Jahren liebe er seine Frau.

Wie sich später herausstellte, hatte er da schon die Affäre mit Rielle Hunter, der Video-Filmerin seines Wahlkampfteams. Und nicht nur das. Er schwängerte sie, anschließend bekannte sich einer seiner Gehilfen zur Vaterschaft - um den Kandidaten aus der Schusslinie zu nehmen. Der Geliebten finanzierte Edwards Flüge in Privatjets, Einkaufstrips nach Los Angeles, Übernachtungen in Luxushotels oder die Miete eines Hauses im kalifornischen Santa Barbara. Das Geld dafür stammte von besagten Gönnern: 725.000 Dollar kamen von Rachel Mellon, einer reichen Erbin. Den Rest steuerten Fred und Lisa Blue Baron bei, enge Freunde der Familie Edwards - wohlgemerkt auch Freunde der Ehefrau.

"Edwards wusste, die öffentliche Enthüllung der Affäre und der Schwangerschaft seiner Geliebten würde seine Kandidatur unter anderem dadurch zerstören, dass sie das von ihm vermittelte Bild als Familienmensch in Frage gestellt hätte", hieß es in der Anklageschrift von Greensboro.

Der einstige Vorzeigepolitiker und Ex-Vizepräsidentschaftskandidat 2004 ist tief gefallen. In seiner Partei wollen sie mit ihm nichts mehr zu tun haben. In der Bevölkerung kreiden sie ihm die Sexaffäre an - die Sympathien sind klar auf Seiten seiner früheren Frau.

Die ist vor zwei Jahren ihrem Krebsleiden erlegen, noch kurz vor dem Tod hat sie die Affäre ihres Mannes in einem Buch verarbeitet: "Ich hatte immer gedacht, dass ich diese Sorte Frau war, der ein Ehemann treu sein müsse", schrieb sie. Bis zum Dezember 2006. Da habe John ihr sein Fremdgehen gestanden, und da habe sie "geweint, gebrüllt, und dann ging ich ins Badezimmer und übergab mich".

Mit Material von AFP, dpa

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insgesamt 12 Beiträge
findetnemo 01.06.2012
"Ich glaube nicht, dass Gott schon mit mir durch ist..." Keine Ahnung, habe ihn noch nicht gefragt. Was mir Angst macht, ist dieser religiöse Wahn in den USA, wo sich offenbar so mancher republikanischer Politiker von [...]
"Ich glaube nicht, dass Gott schon mit mir durch ist..." Keine Ahnung, habe ihn noch nicht gefragt. Was mir Angst macht, ist dieser religiöse Wahn in den USA, wo sich offenbar so mancher republikanischer Politiker von Gott auserwählt fühlt, seine Ideen umzusetzen. Ich kann da jetzt auf den ersten Blick gar keinen großen Unterschied zum islamischen Fanatismus erkennen. OK, man lässt sich in den USA immerhin erst noch wählen, bevor man im Auftrag "Gottes" auf den Kriegspfad geht.
h.hass 01.06.2012
Hehe, ist doch immer wieder erfrischend, über fremdpimperende amerikanische Präsidentschaftskandidaten oder TV-Prediger zu lesen. Merken die Amis eigentlich wirklich nicht, wie bigott und skrupellos diese ganzen Saubermänner sind?
Hehe, ist doch immer wieder erfrischend, über fremdpimperende amerikanische Präsidentschaftskandidaten oder TV-Prediger zu lesen. Merken die Amis eigentlich wirklich nicht, wie bigott und skrupellos diese ganzen Saubermänner sind?
Maria-Galeria 01.06.2012
Hatte der Mann kein eigenes Einkommen? und ist zur Finanzierung seiner Geliebten auf Hilfe angewiesen gewesen, ah ja verstecken. Keiner ist perfekt, so hat ihm sein Saubermannimage die Kandidatur gekostet, hätte er nicht so [...]
Hatte der Mann kein eigenes Einkommen? und ist zur Finanzierung seiner Geliebten auf Hilfe angewiesen gewesen, ah ja verstecken. Keiner ist perfekt, so hat ihm sein Saubermannimage die Kandidatur gekostet, hätte er nicht so übertrieben wäre ihm dies wahrscheinlich von seinen Wählern verziehen worden. Wer hoch hinaus will kann bei einem Fehltritt auch tief fallen. Übrigens hat man mit Aufdeckung dieses Falles einen Präsidentschaftskandidaten aus dem Feld geschlagen, wie praktisch.
taggert 01.06.2012
---Zitat--- "Ich glaube nicht, dass Gott schon mit mir durch ist..." ---Zitatende--- Ich persönlich glaube nicht an Gott - gestehe aber jedem Menschen den Glauben an selbigen zu... immerhin kann auch ich nichts [...]
---Zitat--- "Ich glaube nicht, dass Gott schon mit mir durch ist..." ---Zitatende--- Ich persönlich glaube nicht an Gott - gestehe aber jedem Menschen den Glauben an selbigen zu... immerhin kann auch ich nichts 100% tig ausschließen. Allerdings: WENN Man an WIRKLICH Gott glaubt, sollte man damit aufpassen ob man sich hinstellt und sich erdreistet / anmaßt in seinem Namen und oder Auftrag zu handeln! Stellen Sie sich vor - die Gläubigen haben Recht! Es gibt Gott... nun stell ich mir die Frage, ob er es so gut finden wird und Gnade walten lässt, wenn ein jedermann sich Anmaßt in seinem Namen zu handeln! ... wenn es Ihn wirklich gibt, so hoffe ich, wird er diese Personen für diese Anmaßung und Arroganz richten, wenn es soweit ist! Und dann werden diese verdorbenen Seelen zusammen mit der Kirche und anderen Glaubensrichtungen für die größte Anmaßung des Universums aller Zeiten - allesamt - zur Hölle fahren!
huberwin 01.06.2012
der einem dann weiterhilft? Ich glaube nicht, das Gott schon mit mir durch ist....typischer Allgemeinplatz...läßt er doch offen wohin er denn durchflutschen will. Ja wofür doch ein gedachter Gott so alles gut ist!!!!
der einem dann weiterhilft? Ich glaube nicht, das Gott schon mit mir durch ist....typischer Allgemeinplatz...läßt er doch offen wohin er denn durchflutschen will. Ja wofür doch ein gedachter Gott so alles gut ist!!!!
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  • Freitag, 01.06.2012 – 07:00 Uhr
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Barack Obama

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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