Prozess wegen Kriegsverbrechen Charles Taylors Anwalt stürmt aus Gerichtssaal

Vor den Schlussplädoyers gab es einen Eklat: Im Kriegsverbrecherprozess gegen Liberias Ex-Präsident Charles Taylor lieferte sich sein Anwalt einen hitzigen Wortwechsel mit den Richtern, dann stürmte er aus dem Raum. Taylor wird vorgeworfen, am Bürgerkrieg in Sierra Leone Millionen verdient zu haben.

dpa

Leidschendam - Seit drei Jahren läuft der Prozess gegen den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor. Nun hat die Schlussphase begonnen - mit einer aufsehenerregenden Auseinandersetzung. Taylors Verteidiger Courtenay Griffiths stürmte am Dienstag aus dem Gerichtssaal im Den Haager Vorort Leidschendam, nachdem die Richter ein von ihm verspätet eingereichtes Dokument nicht zugelassen hatten.

Nach einer kurzen Pause blieb auch der Angeklagte selbst der Verhandlung fern. Auf die Frage der Richterin Teresa Doherty nach dem Verbleib Taylors, sagte eine Angestellte des Gerichts, dieser sei sehr aufgebracht gewesen und hätte "etwas Ruhe" gebraucht. Doherty erklärte daraufhin, Taylor habe bewusst gegen die Anweisung verstoßen, im Gericht zu verbleiben, und ordnete die Fortsetzung der Sitzung an.

Auf der Tagesordnung vom Dienstag stand das Schlussplädoyer der Anklage, am Mittwoch soll dann die Verteidigung ihr Schlussplädoyer halten.

Taylor ist der erste frühere afrikanische Staatschef, der sich vor einem internationalen Gericht verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen, während des Bürgerkriegs in Sierra Leone Rebellen mit Waffen versorgt zu haben, die ihn mit Diamanten bezahlten. Bei dem Bürgerkrieg in Sierra Leone wurden zwischen 1991 und 2001 etwa 120.000 Menschen getötet.

Taylor hat sich in allen elf Anklagepunkten, darunter Mord, Vergewaltigung und die Rekrutierung von Kindersoldaten, für nicht schuldig erklärt. Das Urteil wird für Mitte des Jahres erwartet.

"Sie haben über Leben und Tod entschieden"

Anklägerin Brenda Hollis machte Taylor in ihrem Plädoyer direkt für die Grausamkeiten in Sierra Leone verantwortlich. Sie warf ihm vor, blutrünstige Rebellen "erschaffen und kontrolliert" zu haben. Für Waffenlieferungen habe er sich von den Mörderbanden der Revolutionären Vereinigten Front (RUF) mit geraubten Rohdiamanten bezahlen lassen.

Mit Taylors Billigung habe die RUF Dorfbewohner terrorisiert, unzähligen Menschen Gliedmaßen abgehackt, junge Mädchen zu Sexsklavinnen gemacht und Teenager zwangsweise und mit Hilfe von Drogen als Kämpfer eingesetzt.

"Charles Taylor, dieser intelligente, charismatische Manipulator, hatte seine Handlanger, die diese Verbrechen gegen wehrlose Opfer in Sierra Leone begingen", sagte Harris. All das Leid und die Grausamkeiten hätten nur dazu gedient, Taylors Machtwillen zu befriedigen, erklärte sie - und schilderte noch einmal einige der furchtbarsten Verbrechen. Taylor und seine Rebellen hätten sich " wie Götter" aufgeführt, sagte Hollis. "Sie haben über Leben und Tod entschieden."

Taylor hat die Anklage als "Sammlung teuflischer Lügen" bezeichnet. Der Ex-Präsident wies zuvor auch Angaben zurück, wonach er dem britischen Supermodel Naomi Campbell Rohdiamanten geschenkt haben soll. Campbell hatte im vergangenen Sommer bei einem stark beachteten Auftritt vor dem Tribunal erklärt, ihr sei 1997 nach einem Gala-Dinner in Kapstadt von einem Boten ein Päckchen mit Rohdiamanten übergeben worden. Sie könne aber nicht mit Sicherheit sagen, ob es der damalige Präsident Liberias geschickt habe.

kgp/dpa/dapd/AFP



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cochon 27.04.2012
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Zitat von sysopVor den Schlussplädoyers gab es einen Eklat: Im Kriegsverbrecherprozess gegen Liberias Ex-Präsident Charles Taylor lieferte sich sein Anwalt einen hitzigen Wortwechsel mit den Richtern, dann stürmte er aus dem Raum. Taylor wird vorgeworfen, am Bürgerkrieg in Sierra Leone Millionen verdient zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744314,00.html
Dieser Artikel ist vom 08.02.2011 !!!!! Wie kann der am 27.4.2012 bei "Gelesen" Top 1 sein???
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