Prozess gegen WikiLeaks-Informant Manning soll Leben von Soldaten gefährdet haben

Zum Prozessauftakt um das größte Datenleck in der US-Geschichte hat der Staatsanwalt dem Beschuldigten schwere Vorwürfe gemacht. Bradley Manning habe das Leben seiner Kameraden gefährdet und aus Arroganz gehandelt. Die Verteidigung nennt ihren heute 25-jährigen Mandanten "jung und naiv".

Angeklagter Manning (rechts, Bild vom 21. Mai): "Dem Feind Informationen zugespielt"
REUTERS

Angeklagter Manning (rechts, Bild vom 21. Mai): "Dem Feind Informationen zugespielt"


Fort Meade - Zu Beginn des Prozesses gegen den mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning vor einem Militärgericht hat ihn die Staatsanwaltschaft schwerer Vergehen bezichtigt. Der US-Obergefreite habe systematisch militärische Informationen gesammelt und über das Internet dem Feind zugespielt. Zudem habe er mit dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange direkten Kontakt gehabt. "Manning kannte die Folgen seines Handelns und hat sie missachtet", sagte Militärstaatsanwalt Joe Morrow am Montag.

Er habe wissen müssen, dass er damit das Leben seiner Kameraden gefährde. Manning habe gewusst, dass al-Qaida Zugriff auf WikiLeaks habe. Hier sei Arroganz mit dem Zugang zu geschützten Informationen zusammengetroffen, so Morrow. Manning droht lebenslange Haft.

Der heute 25-Jährige hatte bereits vor Prozessbeginn gestanden, während seiner Stationierung im Irak der Enthüllungsplattform WikiLeaks Hunderttausende vertrauliche Dokumente aus der Datenbank des US-Geheimdienstes zugespielt zu haben. Die Enthüllungen hatten 2010 weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Präsident Barack Obama hat immer wieder angekündigt, mit aller Härte gegen jede Art militärischer Enthüllungen vorzugehen.

"Jung, naiv, aber mit guten Absichten"

Die Verteidigung hielt Manning zugute, er habe die Informationen gesammelt, weil er meinte, diese müssten an die Öffentlichkeit gelangen. Zudem sei er damals erst 22 Jahre alt gewesen. "Er war jung, naiv, aber mit guten Absichten." Der Obergefreite habe seine Haltung zum Irak-Krieg geändert, als er während seines Einsatzes die Explosion eines Autos voller Zivilisten durch einen versteckten Sprengsatz miterlebt habe. Außerdem habe der schwule Manning unter einem Gewissenskonflikt gelitten, weil er seine sexuelle Orientierung nach den Regeln der Armee geheimhalten musste.

Der Angeklagte verfolgte die Verhandlung auf dem Militärgelände von Fort Meade bei Washington ruhig und aufmerksam. Er trug seine Uniform.

Die Veröffentlichungen hatten schreckliche Details der Kriege im Irak und in Afghanistan dokumentiert sowie Gräueltaten gezeigt. Die Veröffentlichung der rund 490.000 Dokumente machte 2010 weltweit Schlagzeilen. Außerdem erschienen rund 250.000 Diplomaten-Depeschen aus US-Botschaften Ende 2010 im Internet.

Manning betont, seine Absicht sei es keineswegs gewesen, dem Feind zu helfen. Es sei ihm allein darum gegangen, die Wahrheit über die Kriege ans Licht zu bringen.

Manning droht lebenslänglich

Schwer wiegt vor allem der Vorwurf der "Unterstützung des Feindes" - ein Verbrechen, auf das die Todesstrafe steht. Angesichts des Geständnisses hat die Staatsanwaltschaft allerdings beschlossen, keine Todesstrafe zu fordern. Manning muss aber mit lebenslänglich rechnen. Der Prozess dürfte etwa drei Monate dauern.

Strittig ist der streckenweise Ausschluss der Öffentlichkeit von dem Verfahren. Die Richterin, Oberst Denise Lind, kündigte bereits vor Prozessbeginn an, 24 Zeugen hinter verschlossenen Türen zu befragen. Dabei handele es sich etwa um Botschafter oder ranghohe Militärs, die über geheime Informationen verfügten. Die Aussagen sollen zwar nachträglich veröffentlicht werden, kritische Stellen werden aber geschwärzt. Bürgerrechtsgruppen hatten gegen dieses Verfahren protestiert.

Friedensaktivisten und Bürgerrechtler nennen den Angeklagten einen Helden. Vor der Militärbasis protestierten etwa 50 Demonstranten. Sie forderten "Freiheit für Manning". Auf anderen Spruchbändern hieß es: "Die Wahrheit vor Gericht".

fab/AFP/dpa

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insgesamt 106 Beiträge
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Seite 1
sir wilfried 03.06.2013
1. Demokratie zu ernst genommen
Zitat von sysopREUTERSZum Prozessauftakt um das größte Datenleck in der US-Geschichte hat der Staatsanwalt dem Beschuldigten schwere Vorwürfe gemacht. Bradley Manning habe das Leben seiner Kameraden gefährdet und aus Arroganz gehandelt. Die Verteidigung nennt ihren heute 25-jährigen Mandaten "jung und naiv". http://www.spiegel.de/politik/ausland/prozessauftakt-gegen-wikileaks-informant-bradley-manning-a-903583.html
Der gute Mannings glaubte wohl, Wahrheiten in einer Demokratie äußern zu dürfen. Nun erfährt er schmerzvoll, daß diese Demokratie sich nur Demokratie nennt.
joG 03.06.2013
2. Wenn er die Infos heraus....
....gab, hat er ganz sicher das leben von Soldaten und Agenten gefährdet. Da besteht nun gar keine Frage, wenn man in den Unterlagen ein wenig gestöbert hat.
sunspirit1 03.06.2013
3. Vielleicht sollte man ...
auch mal berechnen wieviel Leben er gerettet hat, oder wieviel Leben für politische Entscheidungen herhalten müssen..??
LorenzSTR 03.06.2013
4.
Eigentlich sollte dem Mann ein Denkmal gebaut werden, aber vlt. geschieht das dann erst in 100, 200 Jahren. Soll ja schon öfter so oder so ähnlich vorgekommen sein.
funme 03.06.2013
5. wieso?
Demokratie? Der typ is Soldat und hat sich somit an die Vorschriften zu halten. wer mit Tod und Gewalt nix zu tun haben will, sollte sich vorher mal Gedanken machen und nicht zum Militär gehn. Hoffentlichbgeht der in den Bau.
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