US-Medien "Trump kommt jetzt direkt ins Feuer"

Während Fox News nichts Strafbares an angeblichen Schweigegeldzahlungen Trumps findet, ist sich die US-Presse einig: Der Präsident ist der Verlierer der jüngsten Runde in seinem Kampf mit der Justiz.

Donald Trump
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Donald Trump


Donald Trump gerät durch zwei Gerichtsverfahren gegen ehemalige Unterstützer zunehmend unter Druck: Sein früherer Anwalt Michael Cohen bekannte sich am Dienstag schuldig. Der 51-Jährige räumte in New York unter anderem ein, gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen zu haben und machte einen Deal mit der Staatsanwaltschaft. Sein Verteidiger sagte, der jetzige Präsident habe Cohen angestiftet.

Eine Geschworenenjury sprach in einem anderen Fall den wegen Banken- und Steuerbetrugs angeklagten Ex-Wahlkampfleiter von Trump, Paul Manafort, schuldig. Seine Strafe steht noch aus.

Und so kommentierten die US-Medien die Ereignisse um die einst engen Vertrauten von Trump:

Die "Washington Post" schreibt, "Trumps größte Angst ist wahr geworden". Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen stehe "an der Verbindung von mindestens drei möglicherweise desaströsen Justizfällen", analysiert Kommentatorin Jennifer Rubin. Gemeint sind das angebliche Schweigegeld für mutmaßliche Affären Trumps, ein gescheiterter Bau eines Trump Tower in Moskau und das ominöse Treffen von Wahlkämpfern Trumps mit russischen Vertretern im New Yorker Trump-Hauptquartier im Juni 2016. Mit einem in den USA geläufigen Sprachbild schließt Rubin: "Schnallt euch an, Trump kommt jetzt von der Bratpfanne direkt ins Feuer."

Die "New York Times" hebt darauf ab, dass Trumps bisherige Verteidigungsstrategie nun in sich zusammenfalle. Seit Beginn der Ermittlungen habe der US-Präsident Sonderermittler Mueller diskreditiert und immer beteuert, er habe nichts falsch gemacht und immer nur die besten Leute eingestellt. "Dabei lobte er Männer, die offenkundig Schwindler, Betrüger und Gauner sind."

"Lassen Sie es wirken: Trumps eigener Anwalt hat ihn nun unter Eid beschuldigt, eine Straftat begangen zu haben. Nur ein ausgewachsener Fantast - also, Trump und seine Jünger - können nun weiter behaupten, die Ermittlung über ausländische Einmischung in eine US-Wahl sei ein Hoax, ein Betrug oder eine Hexenjagd."

Dass Trump den nun verurteilten Betrüger Manafort weiter als "guten Menschen" lobe, zeige, dass Trump "konsequent ist, konsequent in seiner Verachtung für Ehrlichkeit und Moral, weil er sich in seiner ganzen Karriere mit charakterschwachen, wenn nicht kriminellen Charakteren umgeben hat". Passend dazu heißt die Überschrift in Anlehnung an den Watergate-Film über den Fall von US-Präsident Richard Nixon: "All the President's Crooks" ("Alles die Gauner des Präsidenten").

Für den Nachrichtensender CNN ist der Kampf Rechtsstaat gegen die Handlanger des US-Präsidenten einem Boxkampf ähnlich. Es sei ein "Doppelschlag auf dem Kiefer Donald Trumps gelandet, mit der beinahe zeitgleichen Bekanntgabe der Verurteilung Paul Manaforts und dem Schuldbekenntnis Michael Cohens. Zusammengenommen sind die Entwicklungen eine donnernde Widerlegung der Strafjustiz im Namen des Rechtsstaats und gegen die Versuche des Präsidenten, die Justizbehörden und das FBI zu verteufeln." Der Präsident trage nun "ein Fadenkreuz auf dem Rücken", meint CNN-Kommentator Harry Litman.

Der konservative TV-Sender Fox News bietet den rechten Rechtsexperten Mark Levin auf, der argumentiert, an Cohens Schuldeingeständnis zum Schweigegeld sei tatsächlich nichts Strafbares dran.

Nach Levins Ansicht sind die Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin und ein Playboy-Model legal, weshalb es egal sei, ob Trump sie beauftragt habe. Und Wahlkampffinanzierung sei das alles nicht. Auf den Cohen-Fall geht der Sender selbst kaum ein.

John Yoo, Kommentator des Senders, schreibt zum Urteil gegen Manafort wegen Steuerhinterziehung, darin sei es zwar um groß angelegten Steuerbetrug, aber "überhaupt nicht um russische Wahleinmischung" gegangen. Der Kommentar schließt mit einer Bitte an Trump: Auch wenn der Präsident glaube, dass "Muellers Ermittlungen zu weit gehen, soll er nicht auf eine Begnadigung zurückgreifen, um das auszugleichen". Der Rat des Fox-Kommentators: Trump solle lieber "Mueller befehlen, die Ermittlungen zu beenden, oder den Sonderermittler entlassen und ersetzen". Eine Begnadigung Manaforts würde hingegen "nur politisch motiviert" aussehen.

cht

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