Prozess gegen Punkband: Pussy Riot haben Angst um ihre Kinder

Ihnen droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe - jetzt müssen die Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot auch um ihre kleinen Kinder fürchten. Um zu verhindern, dass die Behörden die Kinder in Pflegefamilien bringen, haben die Anwälte der Putin-Kritikerinnen das Sorgerecht beantragt.

Pussy-Riot-Musikerinnen im Gericht: Was passiert mit ihren Kindern? Zur Großansicht
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Pussy-Riot-Musikerinnen im Gericht: Was passiert mit ihren Kindern?

Moskau - Zwei der drei inhaftierten Aktivistinnen der russischen Punkband Pussy Riot fürchten um das Wohl ihrer kleinen Kinder. Um die vierjährige Gera und den fünfjährigen Filipp vor dem Zugriff der Behörden zu retten, beantragten die Verteidiger das Sorgerecht.

Damit wollen sie vermeiden, dass die Kinder nach dem am Freitag erwarteten Urteil gegen ihre Mütter zu Pflegefamilien müssen, sagten die Anwälte dem Magazin "The New Times". So sei etwa Maria Aljochina gedroht worden, dass ihr die Tochter weggenommen werde. Den Frauen drohen wegen einer Protestaktion gegen Kreml-Chef Wladimir Putin in einer Kirche lange Haftstrafen.

Das Urteil gegen die russische Punkband Pussy Riot wird für Freitag erwartet. Das Verfahren sei eine "politische Unterdrückungsanordnung", sagte Sängerin Nadeschda Tolokonnikowa in der vergangenen Woche. "Während des gesamten Verfahrens wurde uns nicht zugehört", klagte die 22-jährige Tolokonnikowa aus einem Glaskasten heraus, in dem die Frauen im Gerichtssaal eingesperrt werden. Der Prozess sei vergleichbar mit den berüchtigten Schnellverfahren zur Zeit des sowjetischen Diktators Josef Stalin. "Unser Platz ist in Freiheit und nicht hinter Gittern", sagte sie.

Einen Einblick, wie die Kinder der Pussy-Riot-Musikerinnen das Schicksal ihrer Mütter erleben, gibt Tolokonnikowas Ehemann, Pjotr Wersilow, im SPIEGEL. Die gemeinsame Tochter sage jedem, "dass Putin ihre Mutter in einen Käfig gesperrt hat und dass wir einen Weg finden müssen, sie zu befreien". Das Mädchen male Pläne, wie die Befreiung mit Baggern und Bussen organisiert werden könne, "indem wir erst die Gefängnismauern einreißen und dann den Käfig aufbrechen", so Wersilow im Interview.

Deutsche Künstler setzen sich für Freilassung der Musikerinnen ein

Tolokonnikowa sowie der 24-jährigen Aljochina und der 29-jährigen Jekaterina Samuzewitsch wird "Rowdytum" vorgeworfen. Sie waren im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale zum Altar gestürmt und hatten ein "Punkgebet" gerufen: "Jungfrau Maria, Mutter Gottes, räume Putin aus dem Weg." Mit ihrem Auftritt kurz vor der Präsidentenwahl protestierten sie gegen Russlands heutigen Staatschef Wladimir Putin und kritisierten dessen Beziehungen zur mächtigen russisch-orthodoxen Kirche.

Auf "Rowdytum" stehen in Russland bis zu sieben Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils drei Jahre gefordert und den Frauen auch "Anstachelung zu religiösem Hass" vorgeworfen. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Richterin Marina Syrowa kündigte an, das Urteil werde am Nachmittag des 17. August verlesen.

Eine Anwältin der Angeklagten, Violetta Wolkowa, sagte vor Gericht, wenn ihre Mandantinnen wirklich zu Haftstrafen verurteilt würden, dann hätten die russischen Behörden "ihre Entscheidung gefällt". "Das würde bedeuten, dass sich die Behörden für den Weg der Diktatur entschieden haben."

Deutsche Künstler haben im SPIEGEL Freiheit für die Pussy-Riot-Musikerinnen gefordert, darunter der Sänger Udo Lindenberg, der Regisseur Leander Haußmann und die Schriftstellerin Juli Zeh.

lgr/anr/dpa

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insgesamt 104 Beiträge
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1. Teueres Tänzchen
Lemmi42 13.08.2012
ich hoffe nur,daß es so gut bezahlt wurde,daß es sich gelohnt hat. Putin ist jedenfalls noch Jahre an der Macht.
2. Sperrt sie mal schön ein...
privado 13.08.2012
Zitat von sysopAPIhnen droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe - jetzt müssen die Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot auch um ihre kleinen Kinder fürchten. Um zu verhindern, dass die Behörden die Kinder in Pflegefamilien bringen, haben die Anwälte der Putin-Kritikerinnen das Sorgerecht beantragt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849760,00.html
Wenn man in einer Diktatur, und dies ist Russland nun mal, eine solche Aktion durchführt, muss man eben mit einer Verurteilung rechnen. Ich verstehe das Theater um die Mädels überhaupt nicht. Sicher, für die Kinder ist es unschön, aber das hätten sich die Damen mal vorher überlegen müssen.
3. Fehlbesetzung in UN-Sicherheitsrat
luc2000 13.08.2012
Was sind solche Staatssysteme in UN-Sicherheitsrat? Wegen Größe, Atommacht, Wirtschaft usw., oder was? Global sollen alle Staaten in die UNO, aber nicht jeder in UN-Sicherheitsrat. Bisher blockieren Russland(UDSSR), China u.a. gravierende Schritte, gegen Stabilisierung und Schutz Bevölkerung. Viele Völker/Menschen zermahlen in Mühlen der UN bzw. Machtdemonstrationen zwischen West und Ost. UNO braucht dringend Reformen! Mitglieder in UN-Sicherheitsrat sollen global von Menschen gewählt werden statt von UN-Vertreter.
4. Als Mutter hätte ich mir...
deuterius 13.08.2012
...mal vor dieser naiven Promotion-Aktion Sorgen um meine Kinder gemacht. Wochen danach ist das ziemlich unglaubwürdig und kaum mehr als eine Strategie der Verteidigung,
5.
c.coolman 13.08.2012
Was spielt es für die Bewertung dieses Falles für eine Rolle, ob diese Pussy-Ladies Mütter sind? Die Anzahl der Kinder der Opfer von Drohnenangriffen interessiert doch auch niemanden. Und das wäre - im Gegensatz zu o.g. Quatsch - wirklich mal ein Thema.
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