Russische Aktivistinnen Pussy Riot will Kooperation mit Chodorkowski und Nawalny

Kritik am Justizsystem, am Kreml, an der russisch-orthodoxen Kirche: Die Pussy-Riot-Aktivistinnen Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa haben sich viel vorgenommen für ihr Leben in Freiheit. Weil ihnen das Geld fehlt, wollen sie finanzkräftige Mitstreiter gewinnen.

Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa bei der Pressekonferenz in Moskau
DPA

Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa bei der Pressekonferenz in Moskau


Moskau - Frisch geschminkt und mit neuer Frisur sitzen die Pussy-Riot-Musikerinnen Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa in dem kleinen Fernsehstudio des TV-Senders Doschd, mitten in der Moskauer Innenstadt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt die Christi-Erlöser-Kathedrale, dort hatten die zwei jungen Frauen im Februar 2012 mit einem Punklied gegen die Regierung des Präsidenten Wladimir Putin protestiert.

Auch am Freitagnachmittag bekräftigten die Frauen, dass sie Russlands Führung weiter kritisch begleiten wollen. Sie schmieden Pläne für neue Projekte. Diesmal sollen die Ungerechtigkeiten in den russischen Straflagern das große Thema werden. Beide haben die Zustände in Sibirien und in Nischni Nowgorod, einer Stadt 450 Kilometer von Moskau entfernt, am eigenen Leib erfahren.

"Die Transparenz in den Gefangenenlagern, die Kommunikation nach außen, das sollen unsere Projekte sein", sagte Tolokonnikowa den Journalisten, die sich in dem kleinen Fernsehstudio versammelten. "Unser Ziel ist es, dass in Zukunft mehr Kontrolle über die Behörden ausgeübt wird. Es wird viel vertuscht, was in den Straflagern passiert. Es soll bekannt werden, was für Gewalttaten auch von den Wärtern begangen werden. Davon spricht niemand", erklärte Aljochina. "In Russlands Straflagern gibt es Menschen, die sich am Rande des Todes befinden."

Kritik an der russisch-orthodoxen Kirche

"Aber wir wollen nicht unseren Namen vermarkten, wir sind schließlich kein Business. Wir wollen ja etwas bewegen", ergänzte Tolokonnikowa. Ihre neue Organisation Sona Prawa ("Rechtszone") wolle eine "Stimme der Gefangenen" sein.

Ihre Freilassung sehen sie in Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi, dies sei "Putins Lieblingsprojekt". Dass sie nun auf freiem Fuß seien, solle das Image des Kreml verbessern. Kritik übten die Aktivistinnen auch an der russisch-orthodoxen Kirche. Diese sei mitverantwortlich für ihre Verhaftung nach der Aktion.

Doch bei der Realisierung dieser Projekte fehle es den Aktivistinnen einfach an Geld, deshalb sei eine Zusammenarbeit mit dem Moskauer Oppositionspolitiker Alexej Nawalny durchaus denkbar, wie die beiden Pussy-Riot-Mitglieder den Journalisten bestätigten. Auch eine Kooperation mit dem Ex-Milliardär Michail Chodorkowski sei möglich, doch, so Aljochina, "nicht weil er Geld hat, sondern aus ideologischen Gründen".

cth/Reuters/dpa

insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mischamai 27.12.2013
1. Mut und Sachverstand
Soviel Mut und Sachverstand,da wünsche ich den Beiden immer den richtigen Weg und starke Partner.Hoffentlich nehmen sich dieser Haltung im neuen Jahr mehr Menschen an,Waschlappen gibt es leider ja schon genug.Aber auch wir in Deutschland sollten uns nicht einfach ins hochüberwachte Sofakissen werfen,es gibt viel zu tun bevor unsere Freiheit ausstirbt.
janne2109 27.12.2013
2. lach
ich glaube Mädels, das will Herr C.aber nicht. Is schon drollig zu sehen wie unerwachsen die Mädels sind. Vielleicht würden 10 Jahre Knast das ändern?? Ich glaube nicht, dass man so ein System ändern kann auch wenn Veränderungen immer bisher von unten gekommen sind.
kilroy-was-here 27.12.2013
3. etwas mehr Demut täte gut
Keine Frage, die Strafe war hart und auch politisch motiviert. Jedoch: man muss ja nicht die örtliche Kirche reinziehen und die Politiker öffentlich beleidigen.... So sind halt die Gesetze in Russland und das wußten die Damen. Chodorkowski wird sich mit denen sicher nicht zusammentun - dazu ist er zu intelligent!
Dramidoc 27.12.2013
4. xxx
Zitat von sysopDPAKritik am Justizsystem, am Kreml, an der russisch-orthodoxen Kirche: Die Pussy-Riot-Aktivistinnen Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa haben sich viel vorgenommen für ihr Leben in Freiheit. Weil ihnen das Geld fehlt, wollen sie finanzkräftige Mitstreiter gewinnen. Pussy Riot will Kooperation mit Chodorkowski und Nawalny - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/pussy-riot-will-kooperation-mit-chodorkowski-und-nawalny-a-940946.html)
Das dürfte floppen, weil die Interessen der drei Beiteiligten (Pussy-Riot, Nawalny und Chodorkowski) doch sehr unterschiedlich sind. Nawalny gilt als strammer Nationalist und der russische Nationalismus ist sehr stark durch die russisch-orthodoxe Kirche eingefärbt. Die Interessen Chodorkowski sind auch anders gelagert. Die Damen geben sich einer wagen Hoffnung hin, die letztlich unerfüllt bleiben wird.
möhrli 27.12.2013
5. leider
Bewundernswert, diese jungen Frauen. Einfach bewundernswert. Die würdigen Nachfolgerinnen von Sacharow, Bukowski und andern Sowjetdissidenten. Pussy Riot, das ist derzeit das Beste, was die russische Gesellschaft hervorbringt und eine Inspiration für die globale Zivilgesellschaft. Leider lehnen 70% der russischen Gesellschaft diese wunderbaren jungen Frauen ab. Deshalb sieht es zappenduster aus für die Zukunft Russlands. Daran werden dann auch Pussy Riot nichts ändern können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.