Präsidentschaftskandidatur 2018 Putin ziert sich

Überraschend nachdenklich hat sich Wladimir Putin zu einer möglichen weiteren Amtszeit als russischer Präsident geäußert. Vor einer erneuten Kandidatur 2018 müsse er "seine inneren Gefühle" betrachten.

Wladimir Putin: "Niemand wird eine Mauer um uns errichten"
DPA

Wladimir Putin: "Niemand wird eine Mauer um uns errichten"


Moskau - Russlands Präsident Wladimir Putin erwägt eine erneute Kandidatur für die Präsidentschaft im Jahr 2018. "Ja, die Möglichkeit besteht, dass ich erneut als Kandidat antrete. Ob dies geschieht, weiß ich noch nicht", sagte Putin in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Tass. Dass die Verfassung eine erneute Kandidatur erlaubt, bedeute "absolut nicht", dass er auch kandidieren werde. "Ich werde den allgemeinen Kontext anschauen, meine inneren Gefühle, meine Stimmung", sagte Putin.

Einen dauerhaften Verbleib im Präsidentenamt schloss der Politiker aus. "Dies ist falsch für das Land, es ist schädlich, ich brauche das nicht", sagte der 62-Jährige, dessen aktuelle Amtszeit bis 2018 läuft. Laut der Verfassung darf der Präsident maximal zwei Amtszeiten in Folge im Amt bleiben. Putin hatte daher nach zwei Mandaten 2008 mit dem damaligen Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedew die Ämter getauscht und eine Amtszeit als Regierungschef gedient, bevor er 2012 erneut an die Staatsspitze zurückkehrte.

Im selben Interview betonte Putin, Russland wolle sich durch die Ukraine-Krise nicht in die Isolation treiben lassen. "Ein Eiserner Vorhang würde uns zum Verhängnis werden", sagte Putin. "Wir werden diesen Weg auf keinen Fall beschreiten und niemand wird eine Mauer um uns errichten." Zugleich warf Putin dem Westen in scharfem Ton "Heuchelei" gegenüber Russland vor. Moskau werde von den USA und der EU nur als Partner akzeptiert, wenn es "brav" sei. "Wenn sich Russland das Recht nimmt, seine Interessen zu schützen, ändert sich das Verhältnis sofort"

Putin versicherte zugleich, die vom Westen verhängten Sanktionen, das Sinken des Ölpreises und der Verfall der Landeswährung Rubel hätten keine "katastrophalen Folgen" für die Wirtschaft.

Die Strafmaßnahmen der USA und der EU haben den Abschwung der russischen Wirtschaft beschleunigt. Ohnehin macht der sinkende Rohölpreis dem Energieexporteur zu schaffen. Seit Jahresbeginn hat zudem der Rubel gegenüber dem Dollar fast 30 Prozent an Wert verloren.

ric/afp/dpa/reuters

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insgesamt 194 Beiträge
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Seite 1
syracusa 23.11.2014
1.
Putin: "Moskau werde von den USA und der EU nur als Partner akzeptiert, wenn es "brav" sei."Selbstverständlich. Wer will schon mit dem Klassenrüpel spielen?Putin: "Wenn sich Russland das Recht nimmt, seine Interessen zu schützen, ändert sich das Verhältnis sofort"Nein, nur wenn diese Interessen mit militärischer Gewalt durchgesetzt werden, ändert sich unser Verhalten. Sowas akzeptieren wir nicht.
asdf01 23.11.2014
2. ...
"Laut der Verfassung darf der Präsident maximal zwei Amtszeiten in Folge im Amt bleiben. Putin hatte daher nach zwei Mandaten 2008 mit dem damaligen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew die Ämter getauscht und eine Amtszeit als Regierungschef gedient, bevor er 2012 erneut an die Staatsspitze zurückkehrte." um die "Rechtschtaatlichkeit" in Russland zu verdeutlichen, gehört in diesem Zusammenhang auch immer erwähnt, dass das bis Ende seiner ersten bei den Amtszeiten nicht so war. Die Verfassungsänderung, die ermöglicht, dass er in das Amt zurückkehren kann, wurde erst danach VON ihm und FÜR ihn beschlossen.
Hermes75 23.11.2014
3.
Jetzt bin ich aber gerührt ob der Bescheidenheit von Herrn Putin ;-)Natürlich wird er wieder zur "Wahl" antreten und natürlich wird er wieder "gewählt".Putin ist ein Machtmensch durch und durch. Der würde auch seine eigene Großmutter verkaufen um an der Macht zu bleiben. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass die Russen ihren kleinen Diktator so schnell wieder los werden.
politik2.0 23.11.2014
4. Wer sind wir?
Zitat von syracusaPutin: "Moskau werde von den USA und der EU nur als Partner akzeptiert, wenn es "brav" sei."Selbstverständlich. Wer will schon mit dem Klassenrüpel spielen?Putin: "Wenn sich Russland das Recht nimmt, seine Interessen zu schützen, ändert sich das Verhältnis sofort"Nein, nur wenn diese Interessen mit militärischer Gewalt durchgesetzt werden, ändert sich unser Verhalten. Sowas akzeptieren wir nicht.
...Die Wähler? Die EU? Die Nato?USA haben was sie wollten, EU bleibt auf den Folgen und Kosten sitzen. Und genau "Sowas", akzeptieren wir. Weil es Menschen wie Sie gibt, blind und naiv. Was genau würden Sie an stelle von Putin anders machen, wenn Sie persönlich im Sinne des Russischen Volkes als Präsident handeln müssten? Ich - nichts!
Leser1000 23.11.2014
5. Zustimmung
Zitat von syracusaPutin: "Moskau werde von den USA und der EU nur als Partner akzeptiert, wenn es "brav" sei."Selbstverständlich. Wer will schon mit dem Klassenrüpel spielen?Putin: "Wenn sich Russland das Recht nimmt, seine Interessen zu schützen, ändert sich das Verhältnis sofort"Nein, nur wenn diese Interessen mit militärischer Gewalt durchgesetzt werden, ändert sich unser Verhalten. Sowas akzeptieren wir nicht.
Sie haben es auf den Punkt gebracht. Militärische Gewalt ist ein "no go". In der EU hat ja auch so jeder seine Interessen GB, FRA, BRD, ITA u.s.w. Trotzdem raufen sie sich -jedenfalls bisher- immer irgendwie zusammen. Daher muss man natürlich auch über russische Interessen reden, wen man gute Nachbarschaft will. Aber dies setzt Kompromissbereitschaft auf allen Seietn voraus. Zu 100% gibt es den eigenen Willen in der Regel so oder so nicht.
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