Moskau - Der Naturbursche, der gern in der Wildnis Urlaub macht, der auf Pferden reitet, den Angelhaken zum Fischen auswirft: So hat sich Wladimir Putin in der Vergangenheit gern präsentiert. Hemdsärmelig und zupackend auch in der Freizeit, so sollten die Russen den Mann sehen, der 2008 zum Ende seiner zweiten Amtszeit über sein Leben als Präsident sagte: "Acht Jahre lang schuftete ich wie ein Galeeren-Sklave und gab alle meine Kräfte. Ich bin mit den Ergebnissen meiner Arbeit zufrieden."
Kritiker zeichnen ein anderes Bild des Kreml-Chefs, der nach vier Jahren als Ministerpräsident im Mai die Amtsgeschäfte als Präsident von Dmitrij Medwedew übernahm. Der Oppositionspolitiker und frühere Vizeregierungschef Boris Nemzow wirft dem 59-Jährigen vor, ein Luxusleben zu führen und dabei Steuergelder zu verschwenden. "Das Leben eines Galeeren-Sklaven", lautet der ironische Titel des Berichts, den Nemzow zusammen mit seinem Co-Autor Leonid Martjnjuk vorgelegt hat - und das Ergebnis ist nicht besonders schmeichelhaft für den Präsidenten: Putin habe sich an Reichtum und Luxus gewöhnt und wolle darauf nicht verzichten - dies sei einer der wichtigsten Gründe dafür, dass Putin an seiner Macht festhalte.
In dem Dossier, das sich auf Medienberichte stützt, werden die vermeintlichen Annehmlichkeiten aus dem Leben Putins aufgelistet. Von zwanzig Palästen und Villen ist die Rede, die dem Präsidenten für seine Arbeit und Empfänge zur Verfügung stehen sollen. Neun davon seien während der Regierungszeit Putins gebaut worden. Auf einem Foto wird etwa die Residenz Nowo-Ogarjowo in der Nähe von Moskau gezeigt. In der Residenz gibt es unter anderem ein Schwimmbad und einen Pferdestall. Andere Staatschefs seien nicht annähernd so üppig ausgestattet, schreiben Nemzow und Martjnjuk. So würden dem US-Präsidenten lediglich zwei Residenzen zur Verfügung stehen.
Putin verfüge zudem über 43 Flugzeuge und 15 Hubschrauber. In einem Flugzeug - einer Iljuschin-96, deren Kabine von einem Juwelier ausgestattet worden sein soll - soll allein die Toilette 75.000 US-Dollar gekostet haben. Ferner verfüge Putin über mehrere Luxusyachten. Den Autoren zufolge ist die "Olympia" der "Diamant in der Kreml-Flotte". Es handle sich um ein mit edlem Mahagoni-Holz ausgestattetes Boot mit fünf Decks - inklusive Whirlpool und Marmorbadezimmer.
Allein die Pflege und Instandhaltung von Putins Residenzen, Flugzeugen und Autos verschlinge jährlich zweieinhalb Milliarden Dollar. "Das ist ein dreister, zynischer und luxuriöser Lifestyle auf Kosten des Steuerzahlers", so Nemzow. In Russland würden mehr als 20 Millionen Menschen kaum "über die Runden kommen", während ihr Präsident es sich gutgehen lasse. Auch von Putins privater Uhrensammlung ist in dem Bericht die Rede. Sie wird von den Autoren auf rund 700.000 Dollar geschätzt.
Putin selbst hatte sein Einkommen zuletzt laut einem Bericht des "Guardian" auf 115.000 Dollar beziffert. Sein Lifestyle könne mit dem eines "Monarchen am Persischen Golf oder dem eines extravaganten Oligarchen" verglichen werden, schreiben die beiden Autoren.
Der Kreml wies die Kritik bereits vor der offiziellen Präsentation des Berichts zurück. Der Präsident nutze lediglich Staatseigentum, hieß es.
hen/anr
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