Horchposten auf Kuba Russland plant neuen Lauschangriff auf die USA

Moskau reaktiviert einen alten Horchposten auf Kuba - nur 160 Kilometer vor der Küste der USA. Auf Putins Lateinamerika-Trip stellen sich die Brics-Staaten und Argentinien demonstrativ auf die Seite des Kreml.

Von , Moskau

Putin in Kuba: Russland will Abhörstation errichten
DPA

Putin in Kuba: Russland will Abhörstation errichten


Russland plant offenbar, einen alten sowjetischen Horchposten auf Kuba wieder in Betrieb zu nehmen. Die Rede ist von der Überwachungsstation Lourdes, sie liegt gerade einmal 160 Kilometer von der amerikanischen Küste entfernt.

Eine Einigung über die Inbetriebnahme sei während des Besuchs von Präsident Wladimir Putin in Havanna am vergangenen Freitag "finalisiert" worden, meldet die angesehene Moskauer Tageszeitung "Kommersant".

Das russische Verteidigungsministerium und der Generalstab wollten die Meldung der Zeitung gegenüber nicht kommentieren. Der "Kommersant" beruft sich aber auf mehrere namentlich nicht genannte Mitarbeiter aus Regierungs- oder Sicherheitskreisen, die die Entscheidung bestätigen. "Ich kann dazu nur eines sagen: endlich!", zitiert die Zeitung einen Beamten.

Putin will zeigen, dass er nicht isoliert ist

Die Einigung mit Havanna ist ein gezielter Nadelstich gegen Washington. Während des Kalten Krieges nutzte Moskaus Militärgeheimdienst die Basis in Lourdes, um Telefongespräche und Funkverkehr in den USA abzuhören. Im Jahr 2002 wurde die Basis auf Anordnung von Putin geschlossen. Das lag einerseits an den Kosten, andererseits wollte Putin damals demonstrieren, dass für den Kreml die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten Priorität genossen.

Das hat sich geändert. Putins Reise nach Südamerika war nicht nur der Rolle Russlands als Ausrichter der nächsten WM 2018 geschuldet. Mit der Visite wollte der Kreml auch demonstrieren, dass die Beziehungen zum Westen zwar eisig sind aufgrund der Ukraine-Krise, von einer "internationalen Isolierung Russlands" aber keine Rede sein könne. "Putin will Obama beweisen, dass Russland mehr ist als eine Regionalmacht", sagt Dmitrij Trenin vom Moskauer Carnegie-Center.

Das scheint gelungen zu sein, auch wenn Lateinamerika für Moskau bei Weitem nicht die Bedeutung hat wie die Beziehungen zu Europa oder den USA: Das Handelsvolumen zwischen Russland und Argentinien beläuft sich gerade einmal auf 1,5 Milliarden Dollar, während das von Russland und Deutschland mehr als 70 Milliarden Dollar beträgt. Mit Kuba und Nicaragua hat sich der Kreml auf den Bau von Bodenstationen für das Navigationssystem Glonass verständigt, Russlands Antwort auf GPS.

"Russland war in Südamerika immer Partner"

Während Putins Südamerika-Trip stellten sich zahlreiche Politiker an die Seite des Kreml-Chefs. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner beklagte genau wie Moskau "doppelte Standards" des Westens. Gemeint ist damit eine vermeintliche Doppelmoral: Verbündete des Westens dürften sich auch Menschenrechtsverletzungen und Militärinterventionen erlauben, Kritiker der USA wie Russland würden dafür hingegen an den Pranger gestellt.

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega pries Putins Visite gar als einen "Lichtstrahl". Vor allem den Gipfel der Brics-Staaten - Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - in Brasilien nutzte Russlands Präsident für Sticheleien gegen die USA und Washingtons Verbündete in Europa: Eine vom Westen geführte, monopolare Weltordnung sei "nicht effektiv, versagt und ist letztlich zum Scheitern verurteilt". Putin warf dem Westen weiter vor, "unbequeme Regime" wie das des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch zu stürzen. Nachdem Monate andauernde Demonstrationen in Kiew eskalierten, war der korrupte Staatschef Janukowytsch im Februar nach Russland geflohen.

Auf dem Brics-Gipfel in Brasilien widersprach Putin niemand. Im Gegenteil: Das Bündnis hob sogar eine eigene Entwicklungsbank aus der Taufe. Sie soll ein Gegengewicht bilden zur Weltbank, die von den etablierten Industrienationen dominiert wird. Putin dankte den Brics-Partnern auch für ihre Unterstützung angesichts der "Sanktionsattacke" des Westens

Dass Putin in Südamerika empfangen wurde wie ein alter Freund, ist kein Zufall: "Viele Staaten dort suchen nach einem Gegengewicht zum Einfluss der USA", sagt Nikolai Leonow, pensionierter Generalleutnant des Geheimdienstes KGB und in Moskau einer der besten Kenner der Region. "Russland war in Südamerika nie Aggressor, sondern immer Partner".

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Seite 1
Dengar 16.07.2014
1. !
Davon könnte Deutschland noch profitieren.
roadrunn0r 16.07.2014
2.
Können wir uns nicht auch dran beteiligen? Wir werden doch auch belauscht - und das Wundern der US Vertreter über unsere Empörung ist doch die perfekte Einladung.
Christy Mack 16.07.2014
3. Komplementärer Präsident.
und wenn im weißen Haus wieder ein Republikaner sitzt, genießen die us-russischen Beziehungen wieder Hochkonjunktur? Es ist interessant, wie die Welt die zunehmende non-intervention Politik der Demokraten als besonder inventional einschätzt. Dabei hat D.C. wieder einmal die Monroe Doktrin voll erfasst. Mit einigen Jahren Verzögerung kommt das sicher auch noch in Europa, vor allem in Ost-Europa an. :)
rus13 16.07.2014
4.
Die USA sollten gar nicht erst wagen daran Kritik zu äußern... Sie sind doch die ersten, die von der Souveränität der Staaten reden..
discprojekt 16.07.2014
5. Dann ist ja
der Lauschangriff auf die Bevoelkerung der Erde wohl gerechtfertigt...
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