Staatsbesuch Putin schenkt Sisi 'ne Kalaschnikow

Wladimir Putin ist auf Staatsbesuch in Kairo. Als Geschenk für Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi hatte der Russe eine Kalaschnikow im Gepäck - der Gastgeber freute sich sichtlich.

AFP/ Egyptian Presidency

Kairo - Russlands Präsident hatte einen Waffenkoffer dabei. Beim Staatsbesuch in Kairo übergab er seinem ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah el-Sisi eine russische Spezialität besonderer Art: ein Sturmgewehr AK-47, besser bekannt als Kalaschnikow.

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Heft 7/2015
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Es gibt ein Foto dieser Szene vom Montagabend. Wladimir Putin selbst hebt das Sturmgewehr aus dem Koffer, Sisi faltet in freudiger Erwartung die Hände und lächelt. Nach der Übergabe ging es zum gemeinsamen Abendessen.

Für Sisi ist es der erste ranghohe Staatsbesuch als Gastgeber, seit er sich im Mai zum Präsidenten wählen ließ. Dementsprechend pompös empfing er Putin. Eine Reiterstaffel begleitete den Wagen Putins durch Kairos leere Straßen.

Die Präsidenten Putin und Sisi haben einiges gemeinsam: Beide sind international isoliert, stehen beim Westen in der Kritik. Putin vor allem wegen seiner Ukraine-Politik. Sisi wegen seines harten Vorgehens gegen Muslimbrüder, Demonstranten und Journalisten.

Der ägyptische Präsident, der sich als Armeechef an die Macht geputscht hatte, gilt als Fan russischer Waffen. Bei einem früheren Treffen mit Putin, im vergangenen Sommer, bekam er im russischen Olympiaort Sotschi eine eigene Vorführung russischer Waffentechnik - Moskau hofft auf lukrative Rüstungsgeschäfte.

Ist eine Kalaschnikow also ein passendes Geschenk? Das dürften zumindest ägyptische Demonstranten anders sehen. Sisis Sicherheitskräfte haben seit der Revolution wiederholt scharf auf unbewaffnete Protestierende geschossen. Erst am Sonntag starben bei Zusammenstößen zwischen Fußballfans und Polizisten mindestens 20 Menschen.

Am 25. Januar, dem vierten Jahrestag der Tahrir-Revolution, wurde in der Nähe des Kairoer Platzes eine 34-jährige Mutter erschossen, vermutlich von Sisis Sicherheitskräften.

Im Interview mit dem SPIEGEL, zu lesen in der aktuellen Ausgabe, äußerte sich Sisi zu dem Massaker von Rabaa im August 2013, bei dem mindestens 650 Anhänger des damaligen Präsidenten Mohamed Morsi durch Sicherheitskräfte getötet wurden. Mit Blick auf Kritiker aus Deutschland sagte Sisi, es beschäme ihn nicht zuzugeben, "dass es zwischen unseren beiden Ländern eine zivilisatorische Lücke gibt", sagte Sisi. Zudem hätten in Deutschland "die Demonstranten keine Waffen gehortet, die sie dann auf die Polizei richten".

fab

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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
kuac 10.02.2015
1.
Besser Sisi als IS. Die arbeitlosen und hungernden in Ägypten brauchen zunächst Stabilität, damit auch Ägypten nicht wie Irak, Syrien oder Libyen wird. Demokratie muss leider warten.
FasEddy 10.02.2015
2.
Eine AK-47 als Gastgeschenk. Diese zur Schau gestellte Symbolik lässt keine Fragen offen. Was kann Russland den Despoten dieser Welt anbieten, was der Westen nicht bereit ist anzubieten? Waffen oder Gas! Ein junger Despot wie Sisi braucht aber kein Erdgas! Was ihn vor allen anderen Dingen interessiert ist der Machterhalt. Also braucht er Waffen und bekommt sie von Russland. Die Ukraine bekommt dann demnächst Waffen aus Europa und den USA und schon sind wir in den schönsten Zeiten der kalten Stellvertreterkriege. Geschichte wiederholt sich und wiederholt sich und wiederholt sich und…
omop 10.02.2015
3. Beide isoliert?
Seltsame Wahrnehmung...Sisi wird zumindest von den USA als Stabilitätsanker in der Region unterstützt. Pragmatische Realpolitiker im Westen sehen Sisi auch eher positiv..nur einige linke Traumtänzer wünschen sich anscheinend die religiösen Fanatiker um Ex-Präsident Mursi zurück. Der Militärputsch war richtig und hat für Ordnung im Land gesorgt. Vielleicht wäre das auch die richtige Maßnahme in der Türkei um ein stärkeres Abgleiten in den Fundamentalismus zu verhindern.
otelago 10.02.2015
4. Erklärungsbedarf
Früher war UdSSR die Alternativmacht. Ärmer, aber härter, Laizismus und Sozialismus waren das Kulturprogramm. Heute versucht Russland es ähnlich. Militärisch etwas schwächer vermutlich. Ideologisch schwer zu fassen. Ggf. "Traditionell".
spon-facebook-10000747070 10.02.2015
5. Quatsch
In Arabien sind Waffen (oder Messer) als Gastgeschenk völlig normal ! Bundeskanzler Gerhard Schröder hat auch schon mal ein Jagdgewehr als Gastgeschenk bekommen. Also auf dem Teppich bleiben !
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