Putins Sprecher Peskow Das Luxusproblem

Es war die russische Promi-Hochzeit des Jahres: Kreml-Sprecher Peskow und Eistänzerin Nawka. Beide genossen sichtlich die Aufmerksamkeit der Klatschpresse - bis Fotos seiner 700.000-Dollar-Uhr auftauchten.

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Von , Moskau


Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow hat Anfang August die Eistänzerin Tatjana Nawka geheiratet. Die 40-Jährige gewann 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin die Goldmedaille, seitdem tritt sie in Eistanz-Shows auf. Eine Art russische Katarina Witt.

Dem Promi-Paar war das Rampenlicht der Öffentlichkeit offenbar nicht unangenehm, jedenfalls befeuerten Peskow und Nawka die Berichterstattung kurz vor der Hochzeit noch mit einem großen Interview im Klatsch-und-Tratsch-Blatt "Tatler".

Zur Feier selbst eilte Russlands versammelte Polit-Prominenz nach Sotschi: Fotos zeigen Stardesigner Valentin Judaschkin und den Gouverneur der Provinz Inguschetien Junus-bek Jewkurow. Sogar Präsident Wladimir Putin soll seinem Sprecher persönlich gratuliert haben. Fotos der Trauung gelangten schnell in die Medien. Aber plötzlich geriet die Berichterstattung außer Kontrolle, und der Kommunikationsprofi Peskow macht seitdem keine besonders gute Figur.

Der Grund dafür ist die Uhr, die Peskow bei der Trauung trug. Statt eines Ziffernblatts schmückt ein stilisierter Totenschädel den Chronografen. Für den Blogger und Oppositionspolitiker Alexej Nawalny eine Steilvorlage: Er identifizierte das extravagante Stück als Richard Mille RM 52-01, ein Modell, von dem nur wenige Dutzend Stück angefertigt wurden. Im Internet werden für die Luxusuhr Preise zwischen 600.000 und 800.000 Dollar verlangt.

Nawalny wertet das als klaren Hinweis, dass sich Putins Sprecher illegal bereichert. Sein Jahresgehalt liegt offiziell bei rund 140.000 Dollar. Der Fall hat deshalb Brisanz, weil Peskow mehr ist als lediglich Pressesprecher. Er gilt als enger Vertrauter des Präsidenten. Peskow kommentiert im Namen des Kreml das Weltgeschehen, wenn er redet, haben seine Äußerungen praktisch den Rang von Statements des Präsidenten.

In der jährlichen Rangliste der einflussreichsten Politiker Russlands rangiert Peskow deshalb auf Rang 13, noch weit vor vielen russischen Ministern. Sein markanter Schnurrbart hat Peskow zudem Kultstatus im russischen Internet eingebracht. Auf Twitter betreiben Witzbolde sogar einen eigenen Account namens "Der Schnurrbart von Peskow".

Das angebliche Hochzeitsgeschenk

Peskow ist seit 1989 im Staatsdienst. Die Luxusuhr könne er unmöglich von seinem offiziellen Gehalt gekauft haben, kritisiert Nawalny. Das Peskow-Lager mühte sich umgehend, die Verteidigung zu organisieren, widersprach sich dabei aber gegenseitig.

Als erstes nahm ein Hochzeitsgast den Bräutigam in Schutz: Oleg Mitwol war bis vor ein paar Jahren ein hochrangiger Beamter der Moskauer Stadtregierung. Es habe sich um einen Streich gehandelt, sagte Mitwol. Peskow habe die Uhr extra angezogen, um Blogger auf den Arm zu nehmen. Sie gehöre ihm aber gar nicht, so Mitwol.

Die Braut erklärte die Herkunft der Uhr freilich ganz anders. Tatjana Nawka gab - etwas pikiert - zu Protokoll, sie habe ihrem Mann die Uhr zur Hochzeit geschenkt. "Ich bin Olympiasiegerin. Ich arbeite sehr viel. Natürlich kann ich mir erlauben, ein gutes Geschenk zu machen. Ich stand vor der Hochzeit vor der Frage, was ich meinem geliebten Mann schenke. Ich fand für mich einen Ausweg und kaufte ihm diese wunderbare Uhr." Im übrigen sei der Preis aber deutlich geringer gewesen, als kolportiert.

Die Version vom Hochzeitsgeschenk steht allerdings in gewissem Widerspruch zu der Tatsache, dass im Internet ein Foto aus dem Frühjahr kursiert, auf dem Peskow die Uhr bereits trägt.

Kreml-Kritiker Nawalny aber lässt nicht locker. Laut Gesetz sei Peskow verpflichtet, Geschenke über 3000 Rubel (umgerechnet rund 50 Euro), zu deklarieren. Er müsse sie entweder dem Staat zur Aufbewahrung übergeben, oder sie - zum Marktpreis - aufkaufen.

Peskows Faible für teure Uhren scheint auch nicht ganz neu zu sein. Nawalny hat in seinem Blog Archivfotos von Putins Pressesprecher veröffentlicht, auf denen er weitere Luxusuhren trägt. Ihr Wert soll sich auf insgesamt 150.000 Dollar belaufen.



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