Putin und Merkel Gipfeltreffen vorbei - Irritationen bleiben

Bei ihrem Treffen am Schwarzen Meer haben Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin die jüngsten Probleme bei der Lieferung russischer Energie besprochen. Merkel will Russland per Vertrag zu mehr Verlässlichkeit zwingen. Putin kam ihr entgegen - aber nicht viel.


Sotschi - Es war nur ein kurzes Treffen, und weit weniger herzlich als in den Tagen Gerhard Schröders. Bundeskanzlerin Merkel räumte nach der Unterredung mit dem russischen Präsidenten, es gebe eine strategische Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen. Diese sollten vertraglich abgesichert werden. Dies könne auch in einem Passus im geplanten neuen Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Russland stehen.

Putin und Merkel: "Dulden keine Schmarotzer"
DPA / ITAR-TASS

Putin und Merkel: "Dulden keine Schmarotzer"

Putin hat seinerseits die Bereitschaft bekundet, mit den Europäern in einen Dialog für die Zusammenarbeit im Energiebereich einzutreten. Basis dafür müssten die Interessen beider Seiten sein, sagte er.

Putin hob hervor, dass Russland eine geringere Abhängigkeit von Transitländern erreichen möchte. Dazu würden neue Leitungen für Öl und Gas gebraucht. Grundsätzlich sollten Lieferbedingungen für alle beteiligten Partner - die Liefer-, Transit- und Verbraucherländer - nach einheitlichen, klaren und transparenten Maßstäben festgelegt werden. Er wies den Vorwurf zurück, Russland habe im Gasstreit mit der Ukraine vor einem Jahr "Energie als Waffe" eingesetzt. Gleichzeitig gelte, "dass wir Schmarotzer nicht dulden".

Zum Auftakt des auf wenige Stunden angelegten Treffen wollte Merkel als EU-Ratspräsidentin Irritationen in den europäisch-russischen Beziehungen ausräumen: Man müsse künftig die Kommunikation mit Russland verbessern, so Merkel. Deutschland werde "mit großen Anstrengungen" daran arbeiten. Das deutsche Verhältnis zu Russland müsse strategisch, eng und dauerhaft sein, so Merkel.

Zurückhaltender Empfang

Bislang blockiert EU-Mitglied Polen den Beginn von Verhandlungen über einen neuen Vertrag zwischen Russland und der EU. Polen revanchiert sich so dafür, dass Russland ein Embargo gegen den Import polnischen Fleisches verhängt hatte. Moskaus Embargo war auch Thema beim Merkel-Putin-Treffen.

In Sotschi wollte sich die Kanzlerin außerdem der Unterstützung Putins für eine bereits mit den USA verabredete Nahost-Initiative versichern - und so geschah es auch. Beide Seiten seien sich einig, das sogenannte Nahost-Quartetts aus EU, Russland, USA und Vereinten Nationen wieder aufleben zu lassen. Ein Treffen nach langer Zeit ist für den 2. Februar in Washington geplant.

Ein Kreml-Beamter sagte vor dem Eintreffen der Kanzlerin, zwischen Putin und Merkel gebe es keine persönliche Freundschaft. Trotzdem seien die Kontakte der Führungsspitzen Russlands und Deutschlands intensiv. Der Empfang im Kaminzimmer in der Sommerresidenz war jedoch etwas zurückhaltend, Putin schien abgelenkt. Putins schwarze Labradorhündin Koni lockerte die Atmosphäre aber auf.

Der Kremlchef macht seine Sommerresidenz " Botscharow Rutschej" immer öfter zur Diplomatiezentrale - nicht zuletzt, weil sich Sotschi um die Olympischen Winterspiele 2014 bewirbt.

fba/itz/AFP/ddp/dpa/Reuters/AP

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