Nichtangriffspakt Putin verteidigt Hitler-Stalin-Pakt

Bei einer Historikerveranstaltung in Moskau hat Wladimir Putin den Hitler-Stalin-Pakt gerechtfertigt: Der sei keine schlechte Idee gewesen.

Russlands Präsident Putin (Archiv): "Gängige außenpolitische Methoden"
DPA/ MIKHAIL KLIMENTYEV/ RIA NOVOSTI/ KREMLIN POOL

Russlands Präsident Putin (Archiv): "Gängige außenpolitische Methoden"


Hamburg - Wladimir Putin hat bei einem Treffen mit jungen Historikern in Moskau für Aufsehen gesorgt. Der russische Präsident sagte, der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt von 1939, auch als Hitler-Stalin-Pakt bekannt, sei keine schlechte Idee gewesen. Das berichten mehrere Medien, darunter die "New York Times".

Glaubhafte Forschung müsse zu dem Schluss kommen, dass ein Vertragsabschluss wie der Hitler-Stalin-Pakt damals zu den gängigen außenpolitischen Methoden gehört habe, sagte der Kremlchef demnach. "Die Leute sagen: 'Ach, das war etwas Schlechtes.' Aber was ist so schlecht an der Tatsache, dass die Sowjetunion damals nicht kämpfen wollte", wird Putin zitiert.

Der Hitler-Stalin-Pakt gilt bis heute als wunder Punkt in den Beziehungen Russlands zu seinen Nachbarn, insbesondere zu Polen. Der Vertrag, der 1939 in Moskau vom Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und seinem sowjetischen Kollegen Wjatscheslaw Molotow unterzeichnet worden war, garantierte Deutschland sowjetische Neutralität bei einem Überfall auf Polen. Zudem bildete ein geheimes Zusatzprotokoll zum Pakt die Grundlage für eine Aufteilung Polens zwischen den beiden europäischen Großmächten. Polen und die baltischen Staaten machen die Sowjetunion für den Ausbruch des Krieges mitverantwortlich. Bis 1989 hatte Moskau die Existenz des Abkommens von 1939 abgestritten.

Bereits 2009 hatte sich Putin zum Hitler-Stalin-Pakt geäußert. Damals hätten alle Beteiligten Fehler gemacht, das Abkommen mit Nazi-Deutschland sei nicht der alleinige Auslöser für den deutschen Überfall auf Polen gewesen, sagte Putin anlässlich des 70. Jahrestags des Weltkriegsbeginns in Danzig. Seinerzeit räumte Russlands Präsident jedoch ein, dass sämtliche Verträge mit Nazi-Deutschland zwischen 1934 und 1939 "moralisch inakzeptabel" und "politisch sinnlos" gewesen seien.

Putins jüngste Aussagen klingen deutlich radikaler. Wie der "Telegraph" berichtet, machte Putin bei dem Treffen in Moskau Großbritanniens damaligen Premierminister Neville Chamberlain für die Gräueltaten Hitlers verantwortlich. Chamberlain hatte 1938 gemeinsam mit den Regierungschefs von Italien und Frankreich das Münchner Abkommen unterschrieben, das Hitler unter anderem die Eingliederung des Sudetenlands zugestand - und das westliche Historiker heute nach Meinung von Putin totschweigen würden.

"Chamberlain kam, wedelte mit einem Blatt Papier und sagte nach seiner Rückkehr nach London 'Ich habe euch Frieden mitgebracht'", wird Putin zitiert. Der spätere Premierminister Winston Churchill habe seines Wissens nach als Reaktion auf das Münchner Abkommen gesagt, dass der Krieg nun unvermeidbar sei, sagte Putin.

cas



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