Truppen in Osteuropa Putin kündigt Reaktion auf "aggressive" Nato an

Die Nato verstärkt ihre Militärpräsenz in Osteuropa. Russlands Präsident Putin spricht von "aggressiven Handlungen in der Nähe unserer Grenzen" - und droht mit Konsequenzen.


Ab dem kommenden Jahr will die Nato insgesamt 4000 Soldaten in die drei baltischen Staaten und nach Polen schicken. Das soll nach dem Willen von Russlands Präsident Wladimir Putin Konsequenzen haben: Moskau müsse als Antwort auf das "aggressive Verhalten" der Nato in der Nähe der Grenze die russische Kampfbereitschaft ausbauen, sagte Putin im Parlament.

Der Westen sei nicht bereit, ein gemeinschaftliches Sicherheitssystem aufzubauen, behauptete er weiter. "Im Gegenteil, die Nato verstärkt ihre aggressive Rhetorik und ihre aggressiven Handlungen in der Nähe unserer Grenzen. Unter diesen Bedingungen sind wir verpflichtet, der Stärkung der Kampfbereitschaft unseres Landes besondere Aufmerksamkeit zu schenken." Russland dagegen habe wiederholt seine Bereitschaft zum Dialog gezeigt.

Die Nato reagiert mit dem Ausbau der Militärpräsenz in ihren osteuropäischen Mitgliedstaaten auf die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland 2014. Beim einem Gipfeltreffen des westlichen Verteidigungsbündnisses am 8. und 9. Juli in Warschau soll eine Stärkung der Ostflanke beschlossen werden. Russland sieht darin eine Bedrohung.

Moskau kündigte ebenfalls am Mittwoch an, die nächste Sitzung des Russland-Nato-Rates erst nach dem Gipfel in Warschau stattfinden zu lassen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte bei einem Treffen der Verteidigungsminister Mitte Juni in Brüssel die Hoffnung geäußert, der Rat werde noch davor tagen. Die Gespräche waren erst im April nach zweijähriger Pause wieder aufgenommen worden.

Für Aufsehen hatte am Wochenende eine Äußerung des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier gesorgt. Er hatte in einem Interview vor einem "Säbelrasseln und Kriegsgeheul" der Nato gegenüber Russland gewarnt und stattdessen mehr Dialog mit Moskau gefordert.

Im Video: Nato veröffentlicht Bilder des "Baltops"-Manövers

Nato

Steinmeiers Äußerungen waren in der Union heftig kritisiert worden und auch innerhalb der Nato-Staaten, vor allem in Osteuropa, auf Irritationen gestoßen. Sowohl Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel als auch Steinmeier hatten sich zudem für eine mögliche schrittweise Aufhebung der Sanktionen ausgesprochen, falls Russland an Fortschritten zur Beilegung des Konflikts in der Ostukraine mitwirke. Die Sanktionen sollen allerdings nach Willen der 28 EU-Staaten erst einmal um sechs Monate verlängert werden.

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vks/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 207 Beiträge
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olivervöl 22.06.2016
1. Wer profitiert?
Nur die Rüstungsindustrie hat Vorteile von diesem künstlich angeheizten Konflikt. Natürlich wäre eine Verständigung mit Russland möglich, wenn sie gewollt wäre.
Banause_1971 22.06.2016
2. Völlig korrektes Vorgehen von Herrn Putin.
Er REAGIERT auf die Aktionen des Imperiums (wie George Friedmann Amerika und die Nato nannte. (vergl. https://www.youtube.com/watch?v=ablI1v9PXpI )
sir wilfried 22.06.2016
3. Darf der das?
§1) Die Nato sind die Guten §2) Wer der Nato droht, wird schon sehen, was er davon hat.
cabeza_cuadrada 22.06.2016
4. wir schaffen es schon noch
die Russen weiter zu reizen mit allen Möglichkeiten. (Sanktionen, Sperre Olympia, WM2018 platzen lassen) Cui bono? Das sollte sich jeder mal fragen der diesen Kurs unterstützt. Dann noch die wirre Aussage: Hodges: „Russland könnte die baltischen Staaten schneller erobern, als wir dort wären, um sie zu verteidigen.“ Es muss endlich wieder eine Annäherung an Russland geben. Wir haben offensichtlich völlig das Gefühl für brenzlige Situationen und die aktuelle Kriegsgefahr verloren. Und die USA hat einen großen Anteil dran, es käme denen ja gerade recht. (Cui bono?)
darthmax 22.06.2016
5. Osteuropa
die meisten der Staaten sind politisch stark nach rechts abgedriftet und diese Parteien definieren sich weitest gehend in Ihrer Feinschaft gegen Russland. Da müssen wir nicht mitziehen und sollten nicht unnötiger Weise zur Eskalation beitragen. Die NATO hatte lange mit ihrer Existenzberechtigung zu kämpfen und ist kein unabhängiges Friedensinstitut.
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