Putschversuch in der Türkei Gülen sagt, er würde sich ausliefern lassen

Erdogan macht ihn für den Putschversuch verantwortlich, er streitet alles ab. Trotzdem würde Fethullah Gülen einem Auslieferungsbeschluss nachkommen. Die USA verlangen dafür Beweise von der Türkei.

Fethullah Gülen (2014)
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Fethullah Gülen (2014)


Fethullah Gülen würde sich einem Auslieferungsbeschluss beugen. Das sagte der Prediger einer Gruppe von Reportern in Pennsylvania. Die türkische Regierung macht den Erzrivalen von Staatspräsident Erdogan für den Putschversuch in der Türkei verantwortlich. Erdogan verlangt von den USA die Auslieferung Gülens.

Gülen lebt seit 1999 in Saylorsburg, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Pennsylvania. Er weist die Anschuldigungen der türkischen Führung zurück. Er sei lange nicht mehr in der Türkei gewesen und wisse nicht, wer seine Unterstützer sind, sagte der Imam der "New York Times". Möglicherweise habe Erdogan den Putschversuch auch nur inszeniert. Die Bundesregierung zweifelt ebenfalls an der Beteiligung der Gülen-Bewegung.

Die USA haben ihre Bereitschaft bekräftigt, einen möglichen türkischen Antrag auf Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu prüfen. Zugleich machten sie aber erneut klar, dass die Türkei ein solches Ersuchen mit "soliden Beweisen" untermauern müsse.

"Wir sind absolut zum Handeln bereit, wenn die rechtlichen Standards erfüllt sind", sagte US-Außenminister John Kerry dem Sender CNN. Das hätten die USA bereits in der Vergangenheit wiederholt betont. Kerry zufolge hat die Türkei bisher keinen formalen Auslieferungsantrag gestellt, der Voraussetzung für die Einleitung eines Prüfprozesses wäre.

Beweise für eine Beteiligung Gülens an dem Putsch legte die türkische Regierung bislang nicht vor. Aus Regierungskreisen heißt es aber, der Putschversuch weise überall die Fingerabdrücke von Gülen-Anhängern auf.

Der türkische Premier Binali Yildirim hat angekündigt, die Regierung wolle nachträglich die Todesstrafe für die Hintermänner des Putschversuchs einführen. Auch Staatspräsident Erdogan will mit der Opposition über einen mögliche Wiedereinführung der 2004 abgeschafften Todesstrafe verhandeln. Auf einen fairen Prozess in der Türkei könnte Gülen kaum hoffen.

asa/Reuters/dpa

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Antalyaner 17.07.2016
1. Die Gefahr ist noch nicht gebannt
Der unabhängige Sicherheitsexperte Mete Yarar hat heute in einer Diskussionsrunde bei CNN Türk immer wieder mit Nachdruck hingewiesen, dass zwar der militärische Putschversuch fehlgeschlagen sei, aber die Gefahr weiterer Anschläge mit dem Ziel des Auslösens eines Bürgerkrieges sehr hoch ist. Besonders religiöse Einrichtung wie Moscheen (Sunniten), Cemevi (Aleviten). aber auch Personen unterschiedlicher politischer oder religiöser Richtungen wären bevorzugte provokative Ziele, um Zwietracht zu säen. Er fordert dringend Einigkeit unter allen Politikern, um Geschlossenheit und Achtsamkeit als wirksames Mittel zu demonstrieren. Dies deckt sich auch mit dem heutigen Aufruf des Staatspräsidenten weiterhin die Strassen und Plätze zu füllen. Die Rufe nach Auslieferung von Gülen werden nicht nur immer lauter, sondern auch der Verdacht auf eine CIA Beteiligung grösser. Dies wird noch zum echten Problem zwischen der Türkei und USA werden, insbesondere wenn sich bei den bevorstehenden Verhören dieser Verdacht erhärten sollte.
dbrown 17.07.2016
2. Wenn er wirklich geht,
hat Erdogan die Todesstrafe durch und kann machen, was er will. In einer Riege mit Assad, Sadam Hussein, Gaddafi, Kim Jong Un...
schelmig13 17.07.2016
3. ich glaube nicht...
dass das ein guter Schritt wäre, Erdogan legt auch einen 75jährigen Widersacher um und Gründe hats in der Türkei schon immer gegeben und die neuen Richter wissen jetzt Bescheid. Erdogan will die Todesstrafe wieder einführen. Man fühlt sich wie im Mittelalter mit samt seinen Intrigen.
antiantianti 17.07.2016
4.
Ich weiss gar nicht mehr was ich trauriger finde. Dass Erdogan und sein Regime mit so durchschaubaren Mitteln zum Erfolg kommt oder dass es scheinbar eine nicht zu vernachlässigende Menge an Türken gibt, die dem Diktator auch noch blind folgen.
roughneckgermany 17.07.2016
5.
Stellen wir fest: Erdo erfüllt wohl allem Anschein nach die Voraussetzung für die Präsidentschaft nicht. Gefälschtes Hochschuldiplom obwohl ein solcher Bedingung für das Amt ist. Zum weiteren tauchen bereits Berichte auf, wo Erdogan bereits nachmittags vom MIT über die Putschpläne informiert war und die militärische Führung in Panik den Putsch auf 22:00 Uhr statt den nächsten Morgen verlegt hat. Somit hat Erdo, sollte es denn so sein, billigend Tote und Verletzte in Kauf genommen um seine Macht zu stärken. Von einem Bürgerkrieg ganz zu schweigen. Er selbst sagt ja zudem, dass Rache nur von Gott geübt werden kann. Auf der anderen Seite will er die Todesstrafe einführen und entmenschlicht jetzt schon alle Kritiker durch abfällige Bezeichnungen. So ganz entfernt könnte man meinen, dass er sich für Gott hält. Die Todesstrafe ist eine Entkörperung, eine Vernichtung durch Rache und keineswegs Gerechtigkeit.
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