Qaida-Prozess US-Angeklagter gibt Terrorschulungen in Deutschland zu

Ausbildung im Auftrag von al-Qaida: Ein US-Bürger hat vor Gericht gestanden, in Deutschland und den USA Terrorschulungen abgehalten zu haben. Der Mann gab zu, Attentate auf Touristenorte, US-Militärstützpunkte und diplomatische Vertretungen mitgeplant zu haben.


Chicago - Bekenntnis vor Gericht: Der 44-jährige Christopher Paul hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Ohio dazu bekannt, Anschläge in Europa mitgeplant zu haben. "Das heutige Schuldbekenntnis macht der langen gefährlichen Karriere von Christopher Paul ein Ende", sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt für die nationale Sicherheit, Patrick Rowan. Paul schloss sich al-Qaida bereits in den neunziger Jahren an.

Staatsanwalt Gregory Lockhart sagte, Pauls Eingeständnis sei ein "bedeutender Schritt vorwärts im Kampf gegen den Terror". Der im April vergangenen Jahres festgenommene Paul erklärte sich während der Verhandlung mit einer 20-jährigen Haftstrafe einverstanden, wenn im Gegenzug zwei von drei Anklagepunkten fallengelassen werden.

Nach Angaben der US-Bundespolizei FBI waren Pauls Festnahme fünfjährige weltweite Ermittlungen vorausgegangen. Demnach reiste Paul Anfang der neunziger Jahre nach Pakistan, um sich islamistischen Gotteskriegern anzuschließen. Dort wurde er von al-Qaida für einen Kampfeinsatz in Afghanistan ausgebildet. Nach seiner Rückkehr in den US-Bundesstaat Ohio habe Paul Extremisten zur Gründung einer Islamistengruppe rekrutiert, teilte das US-Justizministerium mit.

Mit gefälschten Pässen war Paul den Justizangaben zufolge in den Balkan gereist und kämpfte unter anderem von 1993 bis 1995 im Bosnien-Krieg. Zudem nutzte er seinen Aufenthalt, um Kontakte zu Islamisten zu knüpfen und Qaida-Mitglieder und andere Islamisten zu vernetzen. Eine entsprechende Liste sowie Informationen zum Bau von Bomben fanden die Ermittler in seiner Wohnung in Columbus. Nachdem er dort potentielle Terroristen ausgebildet hatte, reiste Paul 1999 nach Deutschland, um eine Terrorzelle im Bombenbau zu unterrichten. Dabei war ihm nach Angaben des US-Justizministeriums bekannt, dass die Terrorzelle Sprengsätze gegen US-Urlauber einsetzen wollte. Im November 1999 schickte Paul zudem 1760 Dollar an ein Mitglied der deutschen Terror-Zelle.

ffr/AFP



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