Qaida-Statement "Sarkawi ist verwundet"

Die irakische Filiale des Terrornetzwerks bittet in einem Internet-Statement die Sympathisanten um Genesungs-Gebete für ihren Anführer Abu Musab al-Sarkawi. Über die Schwere der Verletzung gibt es keine Angaben. Auch eine unabhängige Bestätigung fehlt naturgemäß. Es könnte sich bei der Nachricht aber um einen PR-Trick handeln.

Von Yassin Musharbash


 Sarkawi: Kernfigur der Gotteskrieger im Irak
AFP

Sarkawi: Kernfigur der Gotteskrieger im Irak

Berlin - "Bittet (Gott) für die Genesung unseres Scheichs Abu Musab, der eine Verletzung erlitten hat", heißt die Überschrift der Erklärung, die heute am späten Nachmittag in mindestens einem, vermutlich in mehreren islamistischen Internetforen gepostet wurde.

Der Absender, "Abu Maisara al-Iraqi", spricht für die Authentizität des Dokuments: Diesen Tarnnamen verwendet die irakische al-Qaida seit Monaten für ihre Bekennerschreiben und Nachrichten. Auch fanden sich in dem Diskussionsforum "die Weisheit" schon zuvor mehrfach Veröffentlichungen des Terrornetzwerks. SPIEGEL ONLINE liegt das arabische Dokument vor. Eine unabhängige Bestätigung des Inhalts oder der Echtheit gibt es indes naturgemäß nicht.

In der Mitteilung gibt es keinen Hinweis auf Art, Schwere oder Umstände der angeblichen Verletzung. "Jeder soll wissen, dass seine Verwundung eine Auszeichnung ist - und zugleich ein Aufruf, den Kampf gegen die Feinde Gottes zu intensivieren sowie ein Grund, die Angriffe auf sie zu Verstärken", schreiben die Verfasser lediglich, gefolgt von religiösen Segenswünschen für ihren Anführer. Sarkawi kämen große Verdienste um den Aufbau einer neuen Generation von Dschihad-Kämpfern zu, heißt es außerdem. Er habe sie gelehrt, ihre Feinde zu bekämpfen. Auch auf das Beispiel des Propheten Muhammad, der sich einmal die Hände brach, wird verwiesen.

In den letzten Wochen gab es immer wieder Meldungen, die US-Armee und ihre Verbündeten seien dem Topterroristen dicht auf den Fersen. Bis jetzt hat sich das nicht bestätigt. Zumindest war der jordanischstämmige Statthalter von Osama Bin Laden immer noch in der Lage, Tonbänder mit Ansprachen und Dschihad-Aufrufen zu veröffentlichen. Die heutige Meldung ist ein erstes Eingeständnis, dass Sarkawi sich zumindest zeitweise tatsächlich in unmittelbarer Nähe von US-Angriffszielen aufgehalten hat. Bereits Mitte Mai hatte es britische Presseberichte über eine angebliche Verwundung des Terroristenführers gegeben.

PR-Trick?

Zugleich aber könnte das Schreiben ein PR-Trick sein. Abu Musab al-Sarkawi könnte versuchen, seinen Anhängern innerhalb und außerhalb des Irak vor Augen zu führen, welch großes Risiko er eingeht, um den Dschihad gegen die USA und die neue irakische Regierung zu führen. Möglicherweise hofft er auf diese Weise, neue Anerkennung und Aufmerksamkeit als Kriegsheld zu finden, der sich selbst nicht zu schade ist, an vorderster Front zu kämpfen.

Abu Musab al-Sarkawi ist seit über einem Jahr die unbestrittene Kernfigur der islamistischen Gotteskrieger im Irak. Geiselenthauptungen wie massive Terroranschläge gehen auf sein Konto und das seiner Leute. Er zählt zu den meistgesuchten Terroristen der Welt. Im vergangenen Jahr ging er ein Bündnis mit dem Qaida-Gründer Osama Bin Laden ein und unterstellte sich dessen Kommando, nachdem er zuvor unabhängig und unter eigener Flagge agierte. Experten deuteten das als Zeichen, dass er in Finanznöten steckte - mit dem Markennamen al-Qaida dürfte es leichter sein, die notwendigen Geldquellen auf der Arabischen Halbinsel anzuzapfen.

Im Internet sorgte die Meldung von seiner Verletzung heute zu zahlreichen Reaktionen. "Kann irgendjemand diese Meldung bestätigen oder dementieren?", fragte ein Diskussionsteilnehmer. Angesichts dieser Verunsicherung ist erfahrungsgemäß mit weiteren Statements aus dem Irak zu rechnen. Bislang jedenfalls ist die Situation noch unklar.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.