Racheschwur Hamas will Scharon töten

Nach dem tödlichen Anschlag auf Scheich Jassin will die Hamas Vergeltung üben. Die radikalislamische Palästinenserorganisation kündigte ein Attentat auf Israels Ministerpräsidenten Scharon an. Die palästinensische Regierung forderte den Weltsicherheitsrat auf, Israel wegen der Tötung des Hamas-Gründers zu verurteilen.




Khaled Maschall: Für die nächsten 40 Tage Chef der Hamas
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Khaled Maschall: Für die nächsten 40 Tage Chef der Hamas

Gaza/New York - "Der israelische Regierungschef Scharon ist Ziel des palästinensischen Widerstandes und der al-Kassam-Brigaden geworden, um die Tötung von Scheich Ahmed Jassin zu vergelten", erklärte der Leiter des politischen Büros der Hamas, Khaled Maschal, am Mittwoch auf einer Hamas-Internetseite.

Nach der gezielten Tötung des Hamas-Gründers Jassin am Montag durch die israelische Luftwaffe führt Maschal die Organisation zusammen mit Abdel Asis Rantisi übergangsweise. Nach 40 Tagen soll ein Rat über die Jassin-Nachfolge entscheiden. Rantisi gilt als Kommandeur im Gaza-Streifen als starker Mann der Organisation. Maschal lebt als politischer Sprecher in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Der israelische Geheimdienst hatte im September 1997 versucht, Maschal in Jordanien umzubringen. Das Attentat scheiterte jedoch.

Die Hamas habe nicht die Absicht, Anschläge auf US-Ziele als Reaktion auf die Tötung Jassins durch Israel zu verüben, sagte Sajed Sejam, führender Vertreter der Hamas. "Es ist nicht unsere Politik, Amerikaner oder amerikanische Interessen ins Visier zu nehmen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Appell an den Weltsicherheitsrat

Negroponte (r.) und Gillerman: Einigkeit zwischen USA und Israel
AP

Negroponte (r.) und Gillerman: Einigkeit zwischen USA und Israel

Die Palästinenser haben den Weltsicherheitsrat aufgefordert, Israel wegen der Tötung von Scheich Jassin zu verurteilen. Eine Kritik an dem israelischen Vorgehen sei undenkbar, wenn nicht zugleich die zahlreichen Selbstmordanschläge der Hamas gegen Israel erwähnt würden, stellten die USA in der hitzigen Debatte klar. Die Tötung Jassins führe zwar zu weiteren Spannungen im Gaza-Streifen und im Nahen Osten, sagte John Negroponte, Uno-Botschafter Washingtons. Er verurteilte Israel jedoch nicht.

Der palästinensische Uno-Gesandte Nasser al-Kidwa sagte, die Resolution müsse sich auf eine Verurteilung Israels beschränken. "Jegliche Erwähnung einer palästinensischen Gruppe beim Namen können wir nicht akzeptieren."

Der Uno-Botschafter Israels, Dan Gillerman, warf der Uno Heuchelei vor. Der Sicherheitsrat habe nicht eine Resolution verabschiedet, wenn es darum gegangen sei "die Massaker an unseren unschuldigen Zivilisten" zu verurteilen. Jassin sei ein "Pate des Terrorismus" gewesen und direkt oder indirekt für 425 Anschläge verantwortlich, bei denen in den vergangenen dreieinhalb Jahren 377 Israelis getötet und mehr als 2000 verletzt worden seien. "Ihn (Jassin) als geistliches Oberhaupt zu bezeichnen ist so, als wenn man Osama Bin Laden als Mutter Teresa beschreiben würde", sagte Gillerman.

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