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07. Februar 2012, 20:04 Uhr

Radikale Forderung

Schwedens Ministerpräsident will Rente mit 75

Die Bürger Schwedens sind empört. Geht es nach ihrem Ministerpräsidenten, sollen sie künftig erst im Alter von 75 Jahren in Rente gehen dürfen. Fredrik Reinfeldt hat eine simple Begründung: Wer lange lebt, muss lange arbeiten.

Oslo - Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hat sich für ein Renteneintrittsalter von 75 Jahren ausgesprochen - und damit bei seinen Landsleuten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Dabei hat er sich Mühe gegeben, seinen Vorschlag im Vorfeld einer Konferenz über die Arbeitsmarktchancen älterer Bürger zu begründen.

Arbeitgeber würden etwa 55-Jährige eher einstellen, wenn diese noch 20 weitere Jahre arbeiten wollten, sagte Reinfeldt. Wenn älteren Menschen eine Arbeit zu schwer falle, sollten sich diese eine einfachere Tätigkeit suchen, anstatt in Frührente zu gehen, forderte Reinfeldt.

Eine überwältigende Mehrheit der Schweden ist jedoch offenbar anderer Meinung: Bei einer Umfrage der Zeitung "Aftonbladet" lehnten 90 Prozent der Teilnehmer eine Rente mit 75 ab. Reinfeldt erklärte in Reaktion auf die Kritik, er habe vor allem vor der Konferenz eine Diskussion über das Thema starten wollen. Seine Landsleute müssten sich jedoch damit abfinden, dass die Lebenserwartung steige. Wenn die Menschen die gegenwärtigen Sozialleistungen erhalten wollten, müssten sie deshalb auch länger arbeiten.

Im EU-Vergleich arbeiten die Schweden schon jetzt im Schnitt mit rund 40 Jahren am längsten. Sie gehen nach Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat mit durchschnittlich 64,3 Jahren auch erst relativ spät in Rente. Einzig die Isländer verabschieden sich noch später aus dem Erwerbsleben - im Schnitt mit 64,8 Jahren.

aar/Reuters

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