Tatsächlich sind die Taliban keineswegs ein einheitlicher Block oder eine geschlossen kämpfende Armee. Vielmehr setzen sich die pakistanischen Taliban aus einer Vielzahl von Kämpfern und Armeen, "Lashkar" genannt, zusammen, die von der TTP-Führung zu Einsätzen dirigiert oder auf Selbstmordmissionen geschickt werden. Die derzeitige Terrorkampagne gegen die Regierung von Pakistan verdeutlicht aber, wie gut vernetzt die pakistanischen Taliban inzwischen sind - und dass die TTP-Führung immer noch durchsetzungsfähig ist, auch nach dem Tod von Baitullah Mehsud.
Erst vorletzte Woche gewährte Hakimullah pakistanischen Journalisten eine Art Audienz. Es gibt Bilder von dem als "Pressekonferenz" beschriebenen Ereignis: eine Reihe bärtiger Männer vor einer Lehmhütte. Hakimullah hatte die Lokaljournalisten einberufen, um die Regierung von Pakistan vor einer Militäraktion in Südwaziristan zu warnen. Er hatte die Journalisten aber auch geladen, um Gerüchte zu widerlegen, er sei bei internen Kämpfen ums Leben gekommen.
Das Militär begann am Samstag eine Bodenoffensive in der nordwestpakistanischen Bergregion, angespornt durch die Vertreibung der Taliban durch die Armee im Swat-Tal im Sommer.
Ein neuer Emir
Bei der Pressekonferenz brachte einer der Journalisten den neuen TTP-Chef dazu, ein paar autobiografische Notizen handschriftlich zu verfassen. Die New Yorker Nefa-Foundation, ein Think Tank mit dem Arbeitsschwerpunkt Terrorismus, veröffentlichte die Blätter und eine Übersetzung.
Hakimullah gab über seine Familienbeziehungen und seinen Bildungsstand Auskunft, aber auch über seine Erfahrungen als Kämpfer. So habe er mehrere Jahre sowohl eine säkulare Schule besucht als auch religiöse Studien betrieben. Aber die Nato-Invasion in Afghanistan habe dem ein Ende gesetzt. Von Beginn an habe er gegen die Nato gekämpft, macht er in seiner Aufzeichnung geltend.
Wie fest Hakimullahs Führung der TTP und wie geschlossen die Organisation ist, darüber gibt es nur Spekulationen. Tatsache ist, dass Hakimullah nach anfänglichen Zweifeln die altgedienten Kommandeure hinter sich weiß. Tatsache ist aber auch, dass die Selbstmordanschläge für heftige Kritik sorgen: Warum, fragen manche Taliban, werden unschuldige Muslime getötet?
Kritik aus Afghanistan
Auch von Seiten der afghanischen Taliban gibt es deswegen Kritik an der TTP - einige wollen sogar offensichtlich nichts mehr mit der pakistanischen Sparte zu tun haben. Mehrere pakistanische Zeitungen zitierten einen afghanischen Taliban-Sprecher, demzufolge die afghanischen Taliban entsetzt seien, dass die pakistanischen Kämpfer von dem eigentlichen Ziel, nämlich den Westen zu bekämpfen und islamische Werte durchzusetzen, abgekommen seien. Daher wollten sich die afghanischen Taliban auch nicht mehr Taliban nennen, da diese Bezeichnung inzwischen "zu viele negative Assoziationen hervorrufe".
Der oberste Anführer Mullah Omar nutze die Bezeichnung Taliban selbst nicht mehr, führte der Sprecher als Beleg für die Distanzierung von den pakistanischen Taliban an. Man nenne sich fortan "Mitglieder des Emirats Afghanistan".
Verstärkte Kooperation mit al-Qaida
Dagegen baut das Terrornetzwerk al-Qaida seine Beziehungen zur TTP offenbar aus. Ein wichtiger Hinweis darauf ist die Tatsache, dass al-Qaidas Propagandaabteilung gleich eine Serie von Nachrufen auf Baitullah veröffentlichte, in denen so hochrangige Kader wie Aiman al-Sawahiri, al-Qaidas Nummer zwei, und Mustafa Abu al-Yazid, Militärchef des Terrornetzwerks, sich zu Wort meldeten. Al-Sawahiri nannte Baitullah "ein Vorbild für die Jugend". Schon im Februar hatte der Ägypter die gemeinsamen Ziele der Taliban in Afghanistan und Pakistan betont und unter anderem hervorgehoben, wie wichtig es sei, dass die TTP Nato-Versorgungswege nach Afghanistan unter Feuer nimmt.
Der Terroranalyst Vahid Brown vom Combating Terrorism Center an der US-Militärhochschule West Point glaubt, dass "al-Qaida die Gelegenheit nutzt, nach dem Tod Baitullah Mehsuds ihren Einfluss auf die TTP dramatisch zu erhöhen". Bisher sei die Kooperation eher im Hintergrund abgelaufen. Wenn Brown Recht behält, könnte sich die TTP zu einer Art inoffiziellem Qaida-Handlanger in Pakistan entwickeln, was die Situation in dem Land weiter verschärfen würde.
Schon mehrfach hat das Terrornetzwerk von Osama Bin Laden zum Sturz der Regierung in Islamabad aufgerufen. Im Moment, so sieht es aus, arbeitet die TTP zumindest massiv auf eine Destabilisierung des Landes hin.
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