Radikales Sparpaket London stellt sich auf Obdachlosen-Rekord ein

Scharen von Obdachlosen und Armut überall: Sozialexperten fürchten eine dramatische Veränderung der britischen Gesellschaft. Grund ist die radikale Sparpolitik der Regierung. Allein in London könnten 200.000 Menschen auf der Straße landen.

"Spart nicht bei den Ärmsten": Protest gegen die Sparpläne der britischen Regierung
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"Spart nicht bei den Ärmsten": Protest gegen die Sparpläne der britischen Regierung


London - Es ist eines der härtesten Sparpakete Europas, und es könnte die britische Gesellschaft nachhaltig verändern. Die Schrumpfkur, die Premierminister David Cameron seinen Landsleuten verordnet hat, dürfte bald allerorten im öffentlichen Leben sichtbar werden. Das fürchten britische Sozialpolitiker. Sie haben jetzt davor gewarnt, dass es zu einer "wirtschaftlichen und sozialen Säuberung" der teuren Innenstädte des Landes kommen könnte.

Als "wahrhaft schockierend" bezeichnete der Vorsitzende der Nationalen Wohnungsbauvereinigung David Orr mögliche Einsparungen bei den Wohngeldzuschüssen. "Wenn die Minister diese Strafmaßnahmen nicht überdenken, könnten wir mehr Obdachlose als jemals in den vergangenen 30 Jahren bekommen." Der Labour-Abgeordnete John Cruddas, der den Londoner Bezirk Dagenham im britischen Parlament vertritt, sagte: "Das kommt der Vertreibung der Armen aus reichen Gebieten gleich - ein brutales und schockierendes Beispiel für manipulierende Sozialpolitik."

Die Kritik wurde laut, nachdem Schatzkanzler George Osborne am Mittwoch das Sparpaket der Koalitionsregierung von Konservativen und Liberaldemokraten vorstellte. Die Einsparungen sollen sich auf insgesamt 81 Milliarden britische Pfund belaufen. Die größten Einschnitte sind im Sozialsystem geplant, das rund ein Drittel des britischen Haushalts ausmacht. So kündigte Osborne an, ab April die Obergrenzen für Wohngeldzuschüsse deutlich abzusenken. Einkommensschwache Einzelpersonen und Familien, die von den Zuschüssen abhängig sind, könnten deshalb aus den teuren Innenstädten von London, Oxford oder Brighton vertrieben werden, fürchten nun Kritiker.

"Wir müssen das machen"

Und die Angst ist offenbar begründet. So haben Londoner Bezirke bereits gewarnt, dass rund 82.000 Familien - mehr als 200.000 Menschen - in der Hauptstadt durch die Kürzungen aus ihren Wohnungen vertrieben werden könnten. Die kommunalen Verwaltungen haben auch schon Notfallpläne entwickelt: Nach Informationen der britischen Sonntagszeitung "The Observer" haben sie bereits Pensionen und andere private Unterkünfte rund um die Hauptstadt en bloc reserviert, um vertriebenen Personen provisorischen Unterschlupf bieten zu können.

Jeremy Swain, der Geschäftsführer des Obdachlosenwohlfahrtverbands Thames Reach, warnte davor, dass die Kürzungen die Obdachlosenzahlen in die Höhe treiben könnten. "Wir haben die Zahl der Obdachlosen dramatisch senken können, und wir haben das Ziel, sie bis 2012 auf null drücken zu können. Zum ersten Mal glaube ich, dass wir es nicht schaffen werden." Die Oppositionspolitikerin Karen Buck, die im Schattenkabinett von Labour für Arbeit und Renten zuständig ist, schätzte, dass die Einschnitte landesweite Folgen haben werden: "Die schiere Reichweite und Radikalität der Regierungsvorschläge bedeutet, dass landesweit fast eine Million Haushalte betroffen sind."

Premierminister David Cameron verteidigte die Sparpläne am Samstagabend erneut als gerecht: "Abteilungen müssen sparen. Ich unterschätze nicht, wie schwierig das wird. Aber wir machen das, weil es das Richtige ist - richtig für unsere Wirtschaft, richtig für unser Land."

hpi

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
Jure74, 24.10.2010
1. Kommt einem sehr bekannt vor...
Zitat von sysopScharen von Obdachlosen und Armut überall: Sozialexperten fürchten eine dramatische Veränderung der britischen Gesellschaft. Grund ist die radikale Sparpolitik der Regierung. Allein in London könnten 200.000 Menschen auf der Straße landen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,724994,00.html
Auszug aus SpOn - Artikel: Der Labour-Abgeordnete John Cruddas, der den Londoner Bezirk Dagenham im britischen Parlament vertritt, sagte: "Das kommt der Vertreibung der Armen aus reichen Gebieten gleich - ein brutales und schockierendes Beispiel für manipulierende Sozialpolitik." Meine Meinung: Herr Cruddas sagt das aus was in Deutschlands Städten schon praktiziert wird. In bevorzugten Städten wie München,Stuttgart,Heidelberg ect. schraubt man die Wohnungsmieten in solche Höhen dass sie für das untere Drittel der Gesellschaft auch mit staatlicher Hilfe nicht mehr bezahlbar sind und somit die bevorzugten Städte frei werden vom Anblick "dieses minderen" Fußvolk.
Liberalitärer, 24.10.2010
2. Abwarten
Man sollte der neuen Regierung einen Vorschuss geben. Innerhalb der letzten 10 Jahre wurde das UK zu einem bürokratischen Super-Quango mit einer Überwachungs- und Regelungsmentalität, die Orwell erschauern liesse. Das war angelsächsischer real existierender Sozialismus.
blessed 24.10.2010
3. London Obdachlose
Einfach unglaublich, wie wieder einmal auf Kosten der Ärmsten der Armen gespart werden soll. Und die Queen fährt in goldenen Kutschen ?
arioffz 24.10.2010
4. Ist doch
Zitat von sysopScharen von Obdachlosen und Armut überall: Sozialexperten fürchten eine dramatische Veränderung der britischen Gesellschaft. Grund ist die radikale Sparpolitik der Regierung. Allein in London könnten 200.000 Menschen auf der Straße landen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,724994,00.html
gar nix. Nur ein Vorgeschmack auf das, was auf viele von uns zukommt.Diese Mär von unseren Regierungen sind doch nur blasen!
WvdV 24.10.2010
5. Liste erweitern
Die Liste läßt sich beliebig erweitern: Irland, Spanien, Griechenland etc etc. Und unser Brüderle schwadroniert etwas von Wirtschaftwunder. Ich sehe schon Chinas BSP auf 6,2% per Anno fallen. Dann geht hier das große Heulen und Zähne klappern los. Irgendwie wird es Zeit, dass die Deutschen Lektionen in Demut lernen. Keiner hat mehr Lust zu sehen, wie die Deutschen die Welt mit teils sinnlosen und ethisch-widerwärtigen Produkten den intern. Welthandel überschwemmen. Wie sagte doch letztens ein Firmeninhaber ins deutsche Fernsehen: Die Welt braucht uns. Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall.
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