Anklage wegen Völkermord Urteil gegen Radovan Karadzic erwartet

Radovan Karadzic soll für das Massaker von Srebrenica mitverantwortlich sein, bei dem im Bosnienkrieg 8000 Menschen ermordet wurden. Heute wird das Urteil erwartet.

Radovan Karadzic in Den Haag (2013)
DPA

Radovan Karadzic in Den Haag (2013)


Im Strafverfahren gegen den mutmaßlichen bosnischen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic wird heute das Urteil erwartet. Angeklagt ist der bosnisch-serbische frühere Oberbefehlshaber und Präsident der Republik Srpska in elf Punkten, zwei der Anklagepunkte lauten auf Völkermord.

21 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica im Osten Bosniens fällt das Uno-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien (ICTY) in Den Haag am frühen Nachmittag ein Urteil. Der 70-jährige Karadzic gilt als politischer Hauptverantwortlicher des Massakers vom Juli 1995, bei dem rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet wurden.

Karadzic ist seit 2008 in Haft, zuvor hatte er sich 13 Jahre lang versteckt gehalten. Bis zu seiner Festnahme arbeitete der ausgebildete Psychiater als Heilpraktiker und lebte in einem Vorort der serbischen Hauptstadt Belgrad.

Radovan Karadzic, in seiner Verkleidung als Heilpraktiker Dr. Dabic (2008)
REUTERS/ Healthy Life Magazine

Radovan Karadzic, in seiner Verkleidung als Heilpraktiker Dr. Dabic (2008)

Karadzic beteuerte im Verfahren immer wieder seine Unschuld und ließ mitteilen, er gehe von einem Freispruch aus. Seine Kriegshandlungen hätten stets dazu gedient, Serben zu beschützen. Im droht im Falle einer Verurteilung lebenslange Haft.

Der ehemalige EU-Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa, Erhard Busek, bezweifelt eine Versöhnung von Serben und Bosniern nach dem Urteil. Der Prozess habe nicht viel zum Versöhnungsprozess beigetragen, sagte er im Deutschlandradio. Der serbische Nationalismus sei ungebrochen. "Der heutigen Generation sind die Geschehnisse von damals nicht mehr präsent", sagte Busek, der in den Neunzigerjahren zwischen beiden Gruppen vermittelte.

cht/dpa/AP

Forum - Karadzic - endloses Ringen um Gerechtigkeit?
insgesamt 910 Beiträge
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Seite 1
semir, 26.10.2009
1.
Zitat von sysopEiner der größten Völkermord-Prozesse am Uno-Balkantribunal beginnt - doch der Angeklagte kam nicht ins Gericht. Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic beklagte sich, er habe zu wenig Zeit gehabt, seine Verteidigung vorzubereiten. Droht ein endloses Ringen um Gerechtigkeit?
Er weiß das er schuldig ist und verurteilt wird.Deswegen baut er schon jetzt an einem neuen serbischen Opfermythos um eine Auseinandersetzung mit dem serbischen Nationalismus während des Krieges und der Gegenwart unter der serbischen Bevölkerung zu verhindern. Es gibt keine Gerechtigkeit, denn seine Eroberungen wurden - zumindest bis jetzt - legitimiert.
SaT 26.10.2009
2.
Zitat von sysopEiner der größten Völkermord-Prozesse am Uno-Balkantribunal beginnt - doch der Angeklagte kam nicht ins Gericht. Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic beklagte sich, er habe zu wenig Zeit gehabt, seine Verteidigung vorzubereiten. Droht ein endloses Ringen um Gerechtigkeit?
Die Kroaten und Bosniaken hatten in den 90'er auch wenig Zeit ihre Verteidigung vorzubereiten.
spontanous 26.10.2009
3.
Zitat von sysopEiner der größten Völkermord-Prozesse am Uno-Balkantribunal beginnt - doch der Angeklagte kam nicht ins Gericht. Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic beklagte sich, er habe zu wenig Zeit gehabt, seine Verteidigung vorzubereiten. Droht ein endloses Ringen um Gerechtigkeit?
Man möge ihn verurteilen. Aber wirkliche Gerechtigkeit wird es erst geben, wenn auch die albanischen, kroatischen und bosnisch-muslimischen Verbrechen an serbischen Zivilisten aufgeklärt werden. Solange ein Verbrecher wie z.B. Thaci unter NATO-Schuld Staatsmann spielen darf, wird es nie Gerechtigkeit geben. Gerechtigkeit ist eine Einbahnstrasse!
Daniel Freuers, 26.10.2009
4. Karadzic boykottiert seinen Kriegsverbrecherprozess
"Er blieb in seiner Zelle. " Unglaublich was heute alle so geht...
spontanous 26.10.2009
5.
Zitat von semirEr weiß das er schuldig ist und verurteilt wird.Deswegen baut er schon jetzt an einem neuen serbischen Opfermythos um eine Auseinandersetzung mit dem serbischen Nationalismus während des Krieges und der Gegenwart unter der serbischen Bevölkerung zu verhindern. Es gibt keine Gerechtigkeit, denn seine Eroberungen wurden - zumindest bis jetzt - legitimiert.
[QUOTE=semir;4478944]Deswegen baut er schon jetzt an einem neuen serbischen Opfermythos um eine Auseinandersetzung mit dem serbischen Nationalismus während des Krieges und der Gegenwart unter der serbischen Bevölkerung zu verhindern. QUOTE] Wie wäre es, wenn Sie diese Auseinandersetzung auch mal bei den Albanern (UCK-Banditen, Grossalbanien) oder Kroaten (Ustascha, Operation Oluja) einfordern würden.
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