Ahmadinedschads Wahl-Kandidat Ajatollahs Alptraum

Mahmud Ahmadinedschad darf bei den kommenden Wahlen nicht mehr kandidieren - nun will Irans Präsident seinen engsten Vertrauten ins Rennen schicken. Doch der ist bei den Mullahs verhasst. Auf Ajatollah Chamenei kommt eine schwierige Entscheidung zu.

Ahmadinedschad (r.) mit seinem Vertrauten Maschai: In direktem Kontakt mit dem Mahdi?
Corbis

Ahmadinedschad (r.) mit seinem Vertrauten Maschai: In direktem Kontakt mit dem Mahdi?


Berlin - Ausgerechnet der Mann, der sich bei Irans Präsidentschaftswahl vor vier Jahren nur mit Betrug und Gewalt im Amt halten konnte, setzt sich nun für eine freie Abstimmung ein. Seinen engsten Vertrauten ließ Mahmud Ahmadineschad jüngst versichern, dass die Regierung alles tun werde, um am 14. Juni eine saubere Wahl des nächsten Präsidenten zu garantieren.

"Die Regierung wird nichts zulassen, was einen gesunden Wettbewerb und die Transparenz der Präsidentschaftswahl gefährden könnte", sagte Ahmadinedschads rechte Hand, Rahim Maschai, im März.

Denn dieses Mal muss Ahmadinedschad befürchten, dass Manipulationen zu seinen Ungunsten ausfallen könnten. Seit 2009 hat er immer wieder die Mullahs und das konservative Establishment irritiert - vor allem mit seinem Festhalten am umstrittenen Maschai. Dabei hat er selbst nicht davor zurückgeschreckt, sich mit dem mächtigsten Mann Irans anzulegen, seinem einstigen Gönner Ajatollah Chamenei.

Putin-Modell für Teheran?

Ahmadinedschad selbst darf nach zwei Amtszeiten in Folge nicht mehr kandidieren. Dafür will er seinen Vertrauten und Schwager Rahim Maschai ins Rennen schicken. Sein Ziel: Er könnte womöglich das nächste Mal wieder selbst antreten - ähnlich wie beim Wechsel zwischen Wladimir Putin und Dmitrij Medwedew in Moskau.

Maschai und Ahmadinedschad kennen und vertrauen sich, seit sich ihre Wege Anfang der achtziger Jahre kreuzten. Gemeinsam gelang den beiden Revolutionären, die aus ärmlichen Verhältnissen stammen, der Aufstieg in immer höhere Ämter. Als Ahmadinedschad Bürgermeister von Teheran wurde, übertrug er Maschai den Kulturposten.

Nach seiner Wiederwahl 2009 wollte Ahmadineschad Maschai sogar zum Vize-Präsidenten machen, doch dies verhinderte der Oberste Religionsführer Chamenei persönlich. Ahmadinedschad zog lieber den Zorn der Klerikalen auf sich, als Maschai aufzugeben: Er ernannte seinen Vertrauten trotzig zum Bürochef und übertrug ihm immer weitere Posten.

Das konservative Establishment läuft Sturm gegen Maschai, weil er in ihren Augen ein "Abtrünniger" ist: Er behauptete in der Vergangenheit, in direktem Kontakt mit dem Mahdi zu stehen, dem verborgenen Imam, der eines Tages zurückkehren soll, um mit Jesus zusammen die Menschheit zu erlösen. Wer den direkten Draht zum Mahdi hat, braucht keine Klerikalen. Für die Mullahs ist Maschais Interpretation brandgefährlich. Ahmadinedschad ist ebenfalls ein Anhänger des Mahdi-Kults, womöglich durch Maschais Einfluss.

Ajatollah Chamenei steckt in der Zwickmühle

Wenn Maschai bei der Wahl antritt, hätte er als Anti-Establishment-Kandidat durchaus Chancen. Allerdings müssen die Kandidaten vom Wächterrat zugelassen werden. Dieser dürfte wohl nur Chamenei genehme Anwärter akzeptieren, um ein Debakel wie 2009 zu verhindern. Damals kam es zu Protesten, die blutig unterdrückt wurden. Wer antreten darf, wird erst im Mai feststehen.

Sollte Maschai beim Wächterrat durchfallen, könnte Chamenei ein Veto einlegen und ihn doch noch zulassen, um zumindest den Schein zu wahren. Die Präsidentschaftswahl ist das einzig halbwegs demokratische Element im autoritären Ajatollah-Staat.

Für den obersten Religionsführer wäre es eine schwierige Entscheidung: Darf Maschai nicht antreten, wird Ahmadinedschad alles daran setzen, für Ärger zu sorgen. So sind die Forderungen der Regierung nach "gesundem Wettbewerb" zu verstehen. Darf Maschai antreten und verliert, könnte dieses Mal Ahmadinedschad Wahlbetrug kritisieren und Unruhen schüren - ein Szenario, das Teheran unbedingt vermeiden will.



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
G-Kid 10.04.2013
1. Hat
Zitat von sysopCorbisMahmud Ahmadinedschad darf bei den kommenden Wahlen nicht mehr kandidieren - nun will Irans Präsident seinen engsten Vertrauten ins Rennen schicken. Doch der ist bei den Mullahs verhasst. Auf Ajatollah Chamenei kommt eine schwierige Entscheidung zu. http://www.spiegel.de/politik/ausland/rahim-maschai-ahmadinedschad-will-ihn-als-nachfolger-in-iran-a-893190.html
denn Spon auchBeweise für einen "Wahlbetrug" ? Oder ist das wieder mal wie so oft aus der Luft gegriffen?
Jean P. v. Freyhein 10.04.2013
2.
Zitat von G-Kiddenn Spon auchBeweise für einen "Wahlbetrug" ? Oder ist das wieder mal wie so oft aus der Luft gegriffen?
Wann waren die Vorwürfe denn schon mal aus der Luft gegriffen?
ehergut 10.04.2013
3. so lange ist es nicht her...
aber zur erinnerung: der wahlausgang wurde von "fars news" angekuendigt bevor die stimmen gezaehlt waren. unabhaengige kontrolle nicht zugelassen. es wurden mehr stimmen abgegeben als stimmberechtigt. hierzulande ist so eine wahl ungueltig. nach der wahl wurde jeder friedliche protest brutal zerschlagen. die noch halwegs von der regierung zugelassene opposition zuhause eingesperrt. studenten verschwanden in gefaengnissen und wurden vergewaltigt und gefoltert bevor sie auf kaution freikamen und das land schnellst verliessen. diejenigen die aufoffener strasse bei protesten starben durften nochnciht mal eine richtige begraebnis feier bekommen (NEDA war eine dieser menschen). ich koennte so weiterschreiben. aber Sie wollen einen beweis. schade dass keiner von SPON hingelassen wird um zu beweisen.
sagichned 10.04.2013
4.
Zitat von Jean P. v. FreyheinWann waren die Vorwürfe denn schon mal aus der Luft gegriffen?
Schon immer. Wahl im Iran Scholl-Latour klärt auf - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=lmQ8CEzG8mU)
crocodoc_jl 10.04.2013
5. Direkten Draht
zum Mahdi hat er also. Und bei uns schwingt nach Weissagung des Malachias der letzte Stellvertreter Jesu das Szepter. Wenn das mal nicht auf den Weltuntergang hindeutet. Zumindest haben wir zwei Lager von Irren, die ihn kaum erwarten können, was tatsächlich eine reale Bedrohung ist.
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