Saudi-arabischer Blogger Raif Badawi erhält Sacharow-Preis

Seit drei Jahren sitzt Raif Badawi im Gefängnis. Das EU-Parlament ehrt den saudi-arabischen Blogger nun für seinen Einsatz für Meinungsfreiheit und Toleranz.

Demonstration für die Freilassung Badawis: Keine Begnadigung
AFP

Demonstration für die Freilassung Badawis: Keine Begnadigung


Mit zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben bestrafte Saudi-Arabien den kritischen Blogger Raif Badawi im Juni 2014. Als Begründung hieß es, der Internetaktivist sei "vom Glauben abgefallen", außerdem zeige er "Ungehorsam gegenüber dem Herrscher". Im Juni dieses Jahres wurde das Urteil bestätigt. Bemühungen um seine Begnadigung blieben bislang erfolglos.

Nun hat das EU-Parlament beschlossen, den Blogger für seinen Einsatz für Meinungsfreiheit und Toleranz zu würdigen. Badawi erhält den Sacharow-Preis "für die geistige Freiheit". Die Fraktionsvorsitzenden des Parlaments einigten sich am Donnerstag in Straßburg auf den 31-jährigen Wirtschaftswissenschaftler. Mitbewerber waren die demokratische Opposition in Venezuela und der im Februar ermordete russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow.

Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte Preis wird vom Europaparlament seit 1988 an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Verliehen wird die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung am 16. Dezember in Straßburg.

Badawi hatte 2008 das Internetforum "Die saudischen Liberalen" gegründet und diskutierte auf seiner Webseite aktuelle soziale Fragen. 2012 wurde der dreifache Vater verhaftet. Im Januar dieses Jahres wurde er erstmals durch 50 Hiebe in der Öffentlichkeit bestraft.

brk/dpa/AFP

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insgesamt 10 Beiträge
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demophon 29.10.2015
1. Gesten bewirken nichts
Wenn sich das EU-Parlament für mehr Meinungsfreiheit und Toleranz in Saudi-Arabien einsetzen will, sollte es wirksamere Maßnahmen ergreifen als einem Kritiker nur so einen symbolischen Preis auszuhändigen, weil diese Geste an der menschenverachtenden Innenpolitik des Saud-Regimes überhaupt nichts ändern wird.
Emil Peisker 29.10.2015
2. wirksamere Maßnahmen ergreifen?
Machen Sie doch mal einen Vorschlag...
romaval 29.10.2015
3. Das wird den Saudis
genauso wenig gefallen wie die englische Kritik was die Menschenrechte in Saudi Arabien anbelangt. Der Botschafter holte die vergangenen tage die " Auftragskeule " raus und drohte der englischen Regierung mit Entzug von Aufträgen anstatt sich zu den Vorwürfen zu äussern. Wird jetzt die gesamte EU bestraft ? Sicherlich nicht denn wo soll man denn sonst eine Ersatzteile für Autos und Maschinen her bekommen und auch die vielen Krankenhaus Turisten müssten sich einen neuen Erdteil suchen. Mit dem Scheckbuch deckt man alles Unangenehme zu wie zur zeit den Skandal des saudischen Prinzen, der im Libanon verhaftet wurde weil er 2 Tonnen Amhetamin Tabletten und Kokain in seinen Privatjet laden lies. Mal sehen ob er ausgeliefert wird und die Todesstrafe erhält was auf solch ein Verbrechen in Saudi steht. Und den jungen Mann peischt man aus. Was für eine Heuchelei.
darthmax 29.10.2015
4. Sanktionen
der Import aus Saudi Arabien beschränkt sich auf Öl, unser Export ist schon durch den Fortfall Russlands geschwächt, wir liefern auch nichts, was man nicht von anderen Staaten erhalten könnte solange sich Japan, China und die USA nicht daran beteiligen.. Was bleibt ist eben der erhobene Zeigefinger.
udo46 29.10.2015
5.
Sehr gut. Und wenn man jetzt noch die Waffenlieferungen einstellen würde, wäre es noch besser. Und wenn man noch viel intensiver auf erneuerbare Energien umstellen würde, wäre alles super.
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