Raketenschild Bush auf Werbetour in Tschechien

Hunderte Demonstranten haben US-Präsident Bush zum Auftakt seiner Europareise in Tschechien empfangen. In Prag wirbt er für das geplante Raketenabwehrsystem - am Abend reist er zum G-8-Gipfel nach Deutschland weiter.


Prag/Heiligendamm - George W. Bush will heute zum Auftakt einer einwöchigen Europa-Reise in Prag mit seinem tschechischen Kollegen Vaclav Klaus und Ministerpräsident Mirek Topolanek zusammenkommen. Wichtigstes Thema ist die geplante Stationierung von Teilen des US-Raketenabwehrsystems in Tschechien.

Empfang in Prag: Bush will über das geplante Raketenabwehrsystem sprechen
AFP

Empfang in Prag: Bush will über das geplante Raketenabwehrsystem sprechen

Die Regierung in Prag unterstützt die US-Pläne. Kritiker in Tschechien befürchten jedoch, dass das Land damit zum Ziel von Terroristen werden könnte. Außerdem erwarten sie eine Verschärfung der Spannungen zwischen Washington und Moskau.

"Lieber Mr. President, wir möchten Sie in Prag willkommen heißen. Aber erwarten Sie nicht, dass irgendjemand sie gerne treffen möchte", schrieb die Zeitung "Blesk" in einem offenen Brief an Bush. "Sie kommen, um Ihr Radar zu verteidigen, das die meisten Tschechen nicht haben wollen."

In Umfragen erklärten mehr als 60 Prozent der Tschechen, sie lehnten eine Stationierung der Radaranlagen für die Raketenabwehr ab. Gestern Abend protestierten Hunderte in Prag gegen den Bau des Raketenschildes.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die US-Pläne scharf kritisiert und mit einem neuen Wettrüsten gedroht. Russland fühlt sich von dem Waffensystem vor seinem Territorium bedroht. Putin kündigte an, russische Raketen könnten daher künftig auch wieder europäische Ziele ins Visier nehmen.

Diese Bemerkung kritisierte neben der Nato am Montag auch Bushs Nationaler Sicherheitsberater Stephen Hadley als nicht hilfreich.

Heute Abend wird Bush als erster Teilnehmer des G-8-Gipfels am Tagungsort in Heiligendamm eintreffen. Ministerpräsident Harald Ringstorff wird ihn am Flughafen Rostock-Laage empfangen. Von dort wird Bush zum Hotel Kempinski im Ostseebad Heiligendamm gebracht. Die Polizei bereitet sich auf Blockadeaktion von Gipfelgegnern rund um den Flughafen vor. Die Gastgeberin des G-8-Gipfels, Bundeskanzlerin Angela Merkel, wird erst morgen früh im Anschluss an eine Kabinettssitzung in Berlin nach Heiligendamm aufbrechen. Mit Bush wird sie dann zu einem Mittagessen zusammenkommen. Am Abend beginnt das Gipfeltreffen mit einem Essen, an dem auch die Partner der G-8-Mitglieder teilnehmen.

Nach Abschluss des Gipfels tritt Bush den zweiten Teil seiner Reise an, die ihn dann in weitere osteuropäische Staaten wie Polen, Albanien und Bulgarien führt. Im Vatikan ist am Samstag ein Treffen mit Papst Benedikt XVI. vorgesehen.

ler/AP/Reuters/AFP



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