Raketenstart: Nordkorea schießt Satelliten in Erdumlaufbahn

Pjöngjang bejubelt den erfolgreichen Start: Eine nordkoreanische Langstreckenrakete hat offenbar einen Satelliten ins Weltall befördert. Die Nachbarländer verurteilten die Aktion scharf: Sie sei ein Test für den Transport von Atomsprengköpfen. Noch am Mittwoch könnte der Uno-Sicherheitsrat tagen.

Pjöngjang - Aus aller Welt hatte es massive Warnungen gegeben - trotzdem hat Nordkorea am Mittwoch zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Langstreckenrakete gezündet. Schon jetzt feiert Pjöngjang den Start als Erfolg. Ein Wettersatellit habe die geplante Erdumlaufbahn erreicht, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Die Rakete sei um 9.51 Uhr Ortszeit von einer Rampe an der Westküste Nordkoreas aus gestartet.

Laut dem Nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando (Norad) deuten "erste Anzeichen darauf hin, dass die Rakete einen Flugkörper abgesetzt hat, der die Umlaufbahn erreicht haben könnte". Der US-Raumfahrtexperte Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik sprach sogar von einem "perfekten Erfolg" für das international isolierte Land.

Unterdessen werden immer mehr Details zum Ablauf des Starts bekannt. Die japanische Regierung teilte mit, die Rakete sei von der Westküste Nordkoreas aus in südliche Richtung abgefeuert worden und habe die Insel Okinawa überflogen. Auch das südkoreanische Militär und Russland bestätigten den Start. Kurz nach dem Abheben der Rakete berichtete der japanische Fernsehsender NHK, ihre zweite Stufe sei rund 300 Kilometer vor der Ost-Küste der Philippinen ins Meer gestürzt. Ein weiteres Teil landete westlich der koreanischen Halbinsel im Wasser.

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Raketenstart: Jubel in Pjöngjang, Entsetzen bei den Nachbarn
Tokio hatte auf Okinawa PAC-3-Abschussraketen installiert für den Fall, dass Teile der Rakete auf japanisches Territorium zu fallen drohten. Das Militär war angewiesen worden, in einem solchen Fall die Rakete abzuschießen. Ein entsprechender Befehl sei jedoch am Mittwoch nicht erteilt worden.

Scharfe Reaktion aus Tokio

Die japanische Regierung protestierte umgehend gegen den Raketenstart. Japan und Südkorea beriefen Dringlichkeitssitzungen ihrer Sicherheitskabinette ein. Laut japanischen Medien will Tokio den Uno-Sicherheitsrat anrufen. Dieser könne noch am Mittwoch zusammentreten, hieß es.

Nach früheren nordkoreanischen Angaben soll die Rakete einen Satelliten ins All befördern, der lediglich friedlichen Zwecken dient. Trotzdem sind die Raketenpläne der Regierung in Pjöngjang unter anderem in Japan, den USA und Südkorea auf scharfe Kritik gestoßen. Die Länder werfen Nordkorea vor, nach Langstreckenraketen zu streben, die Atomsprengköpfe transportieren können. Uno-Resolutionen untersagen Nordkorea die Nutzung von Waffentechnologie in der Raumfahrt. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea Interkontinentalraketen entwickelt, die eine Reichweite von mehr 6700 Kilometern haben und die USA treffen könnten.

Unerwarteter Start am Mittwoch

Der Start am Mittwoch erfolgte überraschend - in den vergangenen Tagen war über mögliche Pannen und Verzögerungen berichtet worden. Nachdem zunächst auf Satellitenbildern zu erkennen gewesen war, dass die drei Stufen der Unha-3-Rakete in eine Montagehalle am Startplatz Sohae an der Westküste Nordkoreas gebracht worden waren, wurde sie wieder von der Startrampe geholt.

Zuvor hatte das staatliche Komitee für Raumfahrttechnologie mitgeteilt, der mögliche Zeitraum für den Start sei aufgrund eines Fehlers um eine Woche bis zum 29. Dezember verlängert worden.

Im April war eine Unha-3-Rakete kurz nach dem Start explodiert. Der Uno-Sicherheitsrat hatte den Test aufs Schärfste kritisiert.

jok/pat/dpa/Reuters/AFP/AP

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insgesamt 117 Beiträge
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1. jaja
morini 12.12.2012
Zitat von sysopPjöngjang bejubelt den erfolgreichen Start: Eine nordkoreanische Langstreckenrakete hat offenbar einen Satelliten ins Weltall befördert. Die Nachbarländer verurteilten die Aktion scharf: Sie sei ein Test für den Transport von Atomsprengköpfen. Noch am Mittwoch könnte der Uno-Sicherheitsrat tagen. Raketenstart: Nordkorea feuert Satelliten in Erdumlaufbahn - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/raketenstart-nordkorea-feuert-satelliten-in-erdumlaufbahn-a-872370.html)
nix zu freseen aber Satelliten haben wollen. Wenn Dummheit wehtun würde....
2. Na dann:
lalip13 12.12.2012
Herzlichen Glückwunsch! Reife Leistung. Warum dürfen Amerikaner und Russen bewundert werden für ihre technischen Leistungen und das winzige Nord-Korea wird dafür geschmäht? Wer mit bescheidenen Mitteln und -natürlich freiwillig- so abgekapselt lebt, den kann man zu einem solch gelungenen Raketenstart nur Anerkennung zollen. Gut gemacht!
3. Wie geht das
inovatech 12.12.2012
denn ?? Gestern wurde berichtet die Rakete ist von der Rampe entfernt worden. Handelt es sich um eine andere Rakete ? Wo ist der Sack Reis noch umgefallen ?
4. seufz.
brain0naut 12.12.2012
Zitat von sysopPjöngjang bejubelt den erfolgreichen Start: Eine nordkoreanische Langstreckenrakete hat offenbar einen Satelliten ins Weltall befördert. Die Nachbarländer verurteilten die Aktion scharf: Sie sei ein Test für den Transport von Atomsprengköpfen. Noch am Mittwoch könnte der Uno-Sicherheitsrat tagen. Raketenstart: Nordkorea feuert Satelliten in Erdumlaufbahn - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/raketenstart-nordkorea-feuert-satelliten-in-erdumlaufbahn-a-872370.html)
ihr redakteure könnt es nicht lassen, ja? umgangssprachlich wird ein satellit in eine erdumlaufbahn "geschossen" bzw "schiesst satelliten in eine...", aber nein; sobald ein "schurkenstaat" (nur damit kein missverständniss entsteht, ich halte nicht das geringste von der diktatur in Nkorea, genausowenig wie von anderen totalitären systemen) einen satelliten startet, schaltet SPON den neusprechmodus ein & satelliten werden in eine umlaufbahn "gefeuert". sowas nervt nicht nur, sondern ist lächerlich! das ist jedenfalls meine ansicht.
5. Heuchelei
emantsol 12.12.2012
Mit welcher Argumentation will man dem Land die Herstellung von Raketen verbieten, wenn viele andere - teilweise von den Medien bewundert, siehe US-Raumtransporter - lustig aufrüsten?
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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