Seoul/Peking - Nordkoreas gescheiterter Versuch eines Raketenstarts zieht erste diplomatische Konsequenzen nach sich: Die USA wollen die geplante Lebensmittelhilfe für das isolierte stalinistische Regime stoppen. "Wir werden eine Vereinbarung über jegliche Form von Unterstützung nicht weiter fortführen", sagte Ben Rhodes, Sprecher des Weißen Hauses, laut Nachrichtenagentur Reuters.
Südkorea befürchtet, dass die Regierung in Pjöngjang nun mit weiteren Atomtests ihre militärische Stärke unter Beweis stellen will. Die Außenminister der G-8-Staaten verurteilten den Start als Bruch einer Uno-Sicherheitsratsresolution und riefen den Rat auf, angemessen zu reagieren. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den Start bedauerlich. Der Verbündete China rief alle Beteiligten zur Ruhe auf.
Eine neue Runde von Sanktionen durch die Vereinten Nationen erschien nach den ersten Reaktionen aber unwahrscheinlich. Die Vetomacht Russland äußerte zwar Kritik. Nach Gesprächen mit seinen chinesischen und indischen Kollegen sagte Außenminister Sergej Lawrow, die Länder seien in der Einschätzung übereingekommen, dass Sanktionen die Situation nicht verbessern würden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle rechnete mit verschärften Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und forderte eine deutliche Antwort des Sicherheitsrats.
"Falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt"
Der missglückte Raketenstart ist ohnehin ein schwerer Rückschlag für die ehrgeizigen Ziele Nordkoreas, sich als System an der Schwelle zu einem "wohlhabenden und starken Land" zu präsentieren. Der Raketenstart sei "die falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt" gewesen, kritisierte Cheng Xiaohe, Professor für internationale Beziehungen an der Volksuniversität in Peking. Er schade der gerade mühsam erzielten Annäherung zwischen den USA und Nordkorea. Eine Wiederaufnahme der seit drei Jahren ausgesetzten Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm sei in weite Ferne gerückt. Daran nehmen unter Chinas Vermittlung die beiden Koreas, die USA, Japan und Russland teil.
"Noch schlimmer ist, dass es ein Wettrüsten in Nordostasien antreibt", sagte Cheng Xiaohe. "Es gibt den USA und Japan eine gute Entschuldigung, ein Raketenabwehrsystem aufzubauen." Gleichzeitig schürt die Aktion neue Ängste vor einer Eskalation der Spannungen in der Region.
Mit Sorge wird verfolgt, wie Nordkorea an der Entwicklung eines Trägersystems arbeitet, das atomare Sprengköpfe bis an die Ostküste der USA tragen könnte. Nordkorea bestreitet, dass der Raketenstart militärischen Zwecken gedient habe. Aber selbst Experten in China gehen von einem verdeckten Test einer Trägerrakete für Atomwaffen aus.
Nach dem Machtübergang auf den Sohn des im Dezember gestorbenen Alleinherrscher Kim Jong Il sollte der Start vor allem ein Signal für Nordkoreas Bürger sein. Dieser Plan misslang jedoch gründlich. "Der Fehlschlag wird ein wenig Druck auf Kim Jong Un auslösen", sagte Peter Beck von der Asia Foundation in Seoul. "Der Start ist ein klarer Verstoß gegen eine Uno-Resolution", sagt Beck. "Allerdings gibt es nur wenige Hebel, fürchte ich", sagte er zu Forderungen nach einer deutlichen Antwort.
Nordkorea ist bereits strikten Sanktionen unterworfen. Allerdings könnten China und Südkorea dem Regime von Kim Jong Un einen Schlag versetzen, falls sie Handel und Lebensmittellieferungen unterbinden, so wie es die USA jetzt planen. Doch fürchtet China auch, die Falschen zu treffen - nämlich die ohnehin hungernde Bevölkerung.
lgr/Reuters/dpa
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