Reaktion auf Raketentest: USA stoppen Lebensmittel-Hilfen für Nordkorea

Die USA reagieren auf Nordkoreas gescheiterten Raketenstart. Washington streicht geplante Nahrungsmittellieferungen an das kommunistische Regime - ein schwerer Rückschlag für die mühsam erzielte Annäherung zwischen beiden Ländern.

Barack Obama: Das Weiße Haus will die Lebensmittellieferung "nicht weiter fortführen" Zur Großansicht
DPA

Barack Obama: Das Weiße Haus will die Lebensmittellieferung "nicht weiter fortführen"

Seoul/Peking - Nordkoreas gescheiterter Versuch eines Raketenstarts zieht erste diplomatische Konsequenzen nach sich: Die USA wollen die geplante Lebensmittelhilfe für das isolierte stalinistische Regime stoppen. "Wir werden eine Vereinbarung über jegliche Form von Unterstützung nicht weiter fortführen", sagte Ben Rhodes, Sprecher des Weißen Hauses, laut Nachrichtenagentur Reuters.

Südkorea befürchtet, dass die Regierung in Pjöngjang nun mit weiteren Atomtests ihre militärische Stärke unter Beweis stellen will. Die Außenminister der G-8-Staaten verurteilten den Start als Bruch einer Uno-Sicherheitsratsresolution und riefen den Rat auf, angemessen zu reagieren. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den Start bedauerlich. Der Verbündete China rief alle Beteiligten zur Ruhe auf.

Eine neue Runde von Sanktionen durch die Vereinten Nationen erschien nach den ersten Reaktionen aber unwahrscheinlich. Die Vetomacht Russland äußerte zwar Kritik. Nach Gesprächen mit seinen chinesischen und indischen Kollegen sagte Außenminister Sergej Lawrow, die Länder seien in der Einschätzung übereingekommen, dass Sanktionen die Situation nicht verbessern würden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle rechnete mit verschärften Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und forderte eine deutliche Antwort des Sicherheitsrats.

"Falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt"

Der missglückte Raketenstart ist ohnehin ein schwerer Rückschlag für die ehrgeizigen Ziele Nordkoreas, sich als System an der Schwelle zu einem "wohlhabenden und starken Land" zu präsentieren. Der Raketenstart sei "die falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt" gewesen, kritisierte Cheng Xiaohe, Professor für internationale Beziehungen an der Volksuniversität in Peking. Er schade der gerade mühsam erzielten Annäherung zwischen den USA und Nordkorea. Eine Wiederaufnahme der seit drei Jahren ausgesetzten Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm sei in weite Ferne gerückt. Daran nehmen unter Chinas Vermittlung die beiden Koreas, die USA, Japan und Russland teil.

"Noch schlimmer ist, dass es ein Wettrüsten in Nordostasien antreibt", sagte Cheng Xiaohe. "Es gibt den USA und Japan eine gute Entschuldigung, ein Raketenabwehrsystem aufzubauen." Gleichzeitig schürt die Aktion neue Ängste vor einer Eskalation der Spannungen in der Region.

Mit Sorge wird verfolgt, wie Nordkorea an der Entwicklung eines Trägersystems arbeitet, das atomare Sprengköpfe bis an die Ostküste der USA tragen könnte. Nordkorea bestreitet, dass der Raketenstart militärischen Zwecken gedient habe. Aber selbst Experten in China gehen von einem verdeckten Test einer Trägerrakete für Atomwaffen aus.

Nach dem Machtübergang auf den Sohn des im Dezember gestorbenen Alleinherrscher Kim Jong Il sollte der Start vor allem ein Signal für Nordkoreas Bürger sein. Dieser Plan misslang jedoch gründlich. "Der Fehlschlag wird ein wenig Druck auf Kim Jong Un auslösen", sagte Peter Beck von der Asia Foundation in Seoul. "Der Start ist ein klarer Verstoß gegen eine Uno-Resolution", sagt Beck. "Allerdings gibt es nur wenige Hebel, fürchte ich", sagte er zu Forderungen nach einer deutlichen Antwort.

Nordkorea ist bereits strikten Sanktionen unterworfen. Allerdings könnten China und Südkorea dem Regime von Kim Jong Un einen Schlag versetzen, falls sie Handel und Lebensmittellieferungen unterbinden, so wie es die USA jetzt planen. Doch fürchtet China auch, die Falschen zu treffen - nämlich die ohnehin hungernde Bevölkerung.

lgr/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
glen13 13.04.2012
Zitat von sysopDPADie USA reagieren auf Nordkoreas gescheiterten Raketenstart. Washington streicht geplante Nahrungsmittellieferungen an das kommunistische Regime - ein schwerer Rückschlag für die mühsam erzielte Annäherung zwischen beiden Ländern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827450,00.html
Es wäre vielleicht schlauer, die Lebensmittellieferungen an Bedingungen zu knüpfen, welche der Bevölkerung einige Erleichterungen bringen, als kategorisch abzulehnen, nachdem man schon zugesagt hatte.
2. ..
PrettyHateMachine 13.04.2012
"Allerdings könnten China und Südkorea dem Regime von Kim Jong Un einen Schlag versetzen, falls sie Handel und Lebensmittellieferungen unterbinden, so wie es die USA jetzt planen. Doch fürchtet China auch, die Falschen zu treffen - nämlich die ohnehin hungernde Bevölkerung." Den kleinen mopsigen Kim Jong Un trifft die Einstellung von Nahrungsmittellieferungen mit Sicherheit nicht.
3. Falsche Antwort
mensch0817 13.04.2012
Jawoll, einfach aushungern. Das ist wie im Mittelalter bei einer Belagerung. Ich dachte immer, wir wären im 21. Jahrhundert inzwischen weiter.
4. Bravo USA
Kalaschnikowa 13.04.2012
Zitat von sysopDPADie USA reagieren auf Nordkoreas gescheiterten Raketenstart. Washington streicht geplante Nahrungsmittellieferungen an das kommunistische Regime - ein schwerer Rückschlag für die mühsam erzielte Annäherung zwischen beiden Ländern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827450,00.html
Schon peinlich genug, dass sich dieses kommunistische Land von den bösen Kapitalisten alimentieren lassen muss...Finde es voll okay, dass sich die Amis nicht mehr erpressen lassen - die Nordkoreaner sollten sich mal selber erheben und ihre steinzeitkommunistischen Führer zum Teufel jagen!
5. haben die Hunger?
vaclaus 13.04.2012
Die Nordkoreaner sehen nicht, dass sie Hunger haben. Ob sie wirklich Hungerhilfe brauchen ist eine offene Frage.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Atomkonflikt mit Nordkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 31 Kommentare

Fotostrecke
Sorgenfall Nordkorea: Pjöngjang und die Atomwaffen
Nordkoreas Raketentest alarmiert asiatische Airlines Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Nordkoreas Raketentest alarmiert asiatische Airlines


Karte

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon


Nordkoreas Atomprogramm
Klicken Sie auf die Stichworte für Details
Nordkoreas Atomprogramm
Nordkoreas Atomprogramm sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden Langstreckenraketen ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer" Kim Jong Il offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug Plutonium für sechs Atombomben zu besitzen.

Nordkorea hatte sich zwar bei Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) . Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.

Anfänge
Das Atomprogramm Nordkoreas hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder" Sowjetunion dem kommunistischen Nordkorea ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor Yongbyon baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des Atomwaffensperrvertrags , die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.

Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur Abdul Qadir Khan lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.

Genfer Rahmenabkommen 1994
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident Bill Clinton 1994 mit Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen , das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen Atombombe verhindern sollte. Darin garantierte Nordkorea die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in Yongbyon , aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die Plutoniumproduktion , jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem Uran Kernwaffen herzustellen.
Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003
2003 begannen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms . An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben Nordkorea China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Im Februar 2005 gab Kim Jong Il offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.

2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.

Atombomben- und Raketentests
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ Taepodong-1 weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1718 , in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.

Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Atomzentrums Yongbyon an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945 Hiroshima zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.

Interaktive Grafik
SPIEGEL ONLINE
Nuklearwaffen: Alle Atommächte und ihre Arsenale

Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)