US-Reaktion auf Raketentest: Zurück in die Eiszeit

Von , New York

Trotz weltweiter Warnungen hat Nordkorea eine Langstreckenrakete gestartet. Der Versuch scheiterte, doch der Schaden ist angerichtet: Die US-Regierung verurteilte das Vorgehen Pjöngjangs umgehend - aus einem Frieden des kommunistischen Landes mit dem Westen wird vorerst nichts.

AP

Hillary Clinton hat recht behalten: "Die Vereinigten Staaten haben, und das möchte ich gleich hinzufügen, weiter große Bedenken", zweifelte die US-Außenministerin Ende Februar, als Nordkorea die Amerikaner mit einer Offerte überraschte - einem kompletten Moratorium seiner Atom- und Raketentests.

In der Tat: Das Angebot hielt nicht lange. In der Nacht zum Freitag startete Nordkorea, trotz wochenlanger internationaler Warnungen, eine Langstreckenrakete ins All. Zwar endete der Versuch in einem peinlichen Debakel für das Land - der Flugkörper brach auseinander und stürzte ins Meer. Doch der politische und diplomatische Schaden war längst angerichtet.

Das Weiße Haus reagierte sofort. Auch wenn der Raketenstart gescheitert sei, erklärte Regierungssprecher Jay Carney noch in der Nacht, bedrohe "Nordkoreas provokative Aktion die regionale Sicherheit, verletzt das Völkerrecht und verstößt gegen seine eigenen, kürzlichen Zusagen". Alle "Waffenaktivitäten" Nordkoreas - auch missglückte - besorgten die internationale Gemeinschaft. Die USA stünden fest an der Seite ihrer Alliierten in der Region.

Zugleich berief der Uno-Sicherheitsrat in New York für Freitag 10 Uhr (Ortszeit) eine Krisensitzung ein. Das Gremium steht zurzeit unter der Präsidentschaft der USA, die solche Sitzungen jederzeit ansetzen kann. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, der selbst aus Südkorea stammt, hatte Pjöngjang zuvor noch gewarnt, mit dem Raketenstart gegen die Ratsresolution 1874 von 2009 zu verstoßen.

Nordkorea behauptet, der Flugkörper vom Typ Unha-3 habe nur einen Wettersatelliten tragen sollen. Südkorea, Japan und die USA vermuten aber, dass Pjöngjang vielmehr eine militärische Interkontinentalrakete habe testen wollen, die potentiell mit Atomsprengköpfen bestückt auch Alaska erreichen könnte, und hatten mit ernsten diplomatische Konsequenzen gedroht.

Die Hoffnungen des Westens auf eine Tauzeit mit Nordkorea sind zerplatzt

Nach kaum zwei Monaten sind die Hoffnungen des Westens auf eine Tauzeit mit Nordkorea somit buchstäblich über Nacht zerplatzt. Ende Februar hatte die nordkoreanische Führung unter dem neuen Machthaber Kim Jong Un noch angeboten, seine Atom- und Raketentests zu stoppen und wieder internationale Atom-Inspekteure ins Land zu lassen. Im Gegenzug wollten die USA ihre Lebensmittelhilfe für das hungernde, isolierte Land neu ankurbeln.

Dieser Deal hätte beiden Seiten genutzt. US-Präsident Barack Obama versprach sich in einem harten Wahljahr Entlastung an der Atomfront, die von dem unberechenbaren Konflikt zwischen Iran und Israel beherrscht wird. Kim versprach sich die Konsolidierung seiner intern noch wackligen Machtposition, die er von seinem im Dezember verstorbenen Vater Kim Jong Il geerbt hatte. Nach Jahren des Hungers hätten die 240.000 Tonnen Hilfsgüter die Lage im Land - und seinen Status - erheblich verbessern können.

Nun wird es damit wohl erst mal nichts. Zwar betonte Obamas Sprecher Carney, der Präsident sei weiterhin "bereit, sich konstruktiv mit Nordkorea zu engagieren". Doch müsse Pjöngjang seinerseits auch den "eigenen Verpflichtungen gerecht werden". Ansonsten drohe es sich nur "noch weiter zu isolieren".

In US-Regierungskreisen hieß es aber, dass USA das Lebensmittelabkommen suspendieren werde, auch wenn der Raketenstart gescheitert sei. Dieses Scheitern zeige zugleich, dass die bestehenden Sanktionen gegen Nordkorea wirkten und das isolierte Land keinen Zugang zu einem erfolgreichen Waffenprogramm habe.

"Ich würde jetzt nicht der Chef des nordkoreanischen Weltraumprogramms sein wollen", sagte Washingtons früherer Uno-Botschafter Bill Richardson, der schon etliche diplomatische Missionen nach Nordkorea unternommen hat, in der Nacht auf CNN. Er sei fest überzeugt, dass der Start eine "Tarnung" für "militärische Zwecke" gewesen sei, und erwarte, dass der Uno-Sicherheitsrat die Aktion verurteilen werde. Vielleicht zwinge das Testdebakel Nordkorea auch zurück "an den Verhandlungstisch".

Bisher hat sich im Sicherheitsrat vor allem China gegen eine noch härtere Linie in der Nordkorea-Frage gestellt. Der Raketentest nahe der Westgrenze Nordkoreas zu China dürfte nun aber auch Peking verstört haben. Diplomaten hoffen, dass sich China jetzt mehr in eine gemeinsame Haltung einbinden lässt.

Anzeichen für einen neuen Atomtest

Überrascht hat der Start in Washington freilich kaum jemanden. Die meisten Akteure hatten der konzilianten Position Nordkoreas Ende Februar nicht getraut. Admiral Robert Willard, der Kommandeur der US-Flotte im Pazifik, prophezeite, dass Kim "die restriktive Strategie seines Vaters weiterführen" werde. "Pjönjang wird sein klandestines Nuklearwaffenprogramm wahrscheinlich direkt unter unserer Nase fortsetzen", orakelte auch die Republikanerin Ileana Ros-Lehtinen, die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, damals.

Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums hob die Rakete um 7:39 Uhr Ortszeit ab. Es dauerte nicht lange, bis Beobachter in den USA, Südkorea und Japan berichteten, dass die Rakete Minuten nach dem Start zerbrochen sei. Es war der nunmehr dritte solche Fehlstart, zwei frühere Versuche waren 1998 und 2009 missglückt. Pjöngjang räumte das Scheitern wenig später ein. Der Satellit habe es nicht in die vorgesehene Erdumlaufbahn geschafft. "Wissenschaftler, Techniker und Experten untersuchen die Gründe für dieses Scheitern", erklärte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag.

Nordkorea hatte den Raketenstart pompös zelebriert, als Teil der Gedenkfeiern zu Ehren des 100. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il Sung. In den Straßen sei "martialische Musik" gespielt worden, und Kampfjets seien über die Dächer gejagt, berichtete NBC-Korrespondent Richard Engel aus Nordkorea.

"Das Hauptpublikum für diese Rakete ist im Land, nicht außerhalb", sagte Donald Gregg, der frühere US-Botschafter in Pjöngjang, dem Network ABC. Kim habe damit demonstrieren wollen, dass er in Nordkorea "das Sagen hat".

Diese Demonstration ging nun daneben. Doch schon droht die nächste Provokation: Beobachter berichten, dass Nordkorea an einer seiner nuklearen Produktionsstätten große Mengen an Erde bewege - Anzeichen für einen neuen Atomtest.

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1. Eiszeit?
cnmemory 13.04.2012
Zitat von sysopAPTrotz weltweiter Warnungen hat Nordkorea eine Langstreckenrakete gestartet. Der Versuch scheiterte, doch der Schaden ist angerichtet: Die US-Regierung verurteilte das Vorgehen Pjöngjangs umgehend - aus einem Frieden des kommunistischen Landes mit dem Westen wird vorerst nichts. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827274,00.html
Der Start einer Rakete verstößt nicht gegen das Völkerrecht. Da werden wir mal wieder falsch informiert, bzw. angelogen. Der angebliche nordkoreanische Wettersatellit ist in Wirklichkeit ein Test einer Trägerrakete für atomare Sprengköpfe. Da haben die Amerikaner Recht! Dass der Start fehlschlug war klar. Die Amerikaner verfügen über eine ganze Armada von Waffen, die startende Raketen vom Himmel holen können. So haben die Amerikaner ganze Flugzeuggeschwader mit speziellen Flugzeuge, die mit Laserstrahlen, gebündelte Mikrowellen, usw. startende Raketen vernichten können. Gerade kurz nach dem Start sind Raketen am verletzlichsten. Und da die Abwehrflugzeuge in zehn Kilometer Höhe fliegen ist es kein Problem auch außerhalb des nordkoreanischen Luftraumes die Rakete über Nordkorea abzuschießen!
2.
innajjanni 13.04.2012
Zitat von sysopAPTrotz weltweiter Warnungen hat Nordkorea eine Langstreckenrakete gestartet. Der Versuch scheiterte, doch der Schaden ist angerichtet: Die US-Regierung verurteilte das Vorgehen Pjöngjangs umgehend - aus einem Frieden des kommunistischen Landes mit dem Westen wird vorerst nichts. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827274,00.html
Auch wenn das hier einige sicher wieder anders sehen, ABER wieso sollte eine Aggression von Nordkorea (einem so winzig kleinem Land) ausgehen. Hier im Westen (oder zumindest in Deutschland) werden die "östlichen Machthaber"/ Diktatoren / Anführer der "Schurkenstaaten" immer als total verblödet und unnatürlich naiv dargestellt. Glaubt wirklich jemand, dieser Kim würde die vollständige Zerstörung seines Landes in Kauf nehmen, nur um einmal ne A-Bombe abzufeuern? Das selbe Spiel mit dem Iran: Erstschlagpotential mag ja vorhanden sein, einem US-Amerikanischem Rückschlag hätten jedoch beide Regime nicht wirklich etwas entgegenzusetzen und das WISSEN DIE VERRÜCKTEN AUCH! Die wirklichen Kriegstreiber sitzen auf der anderen Seite und warten nur darauf endlich noch mal ne A-Bombe (oder noch schlimmere Waffen, wie eine Neutrino-Bombe oder so) einzusetzen! Die Weltbevölkerung soll ja sowieso auf 300 Millionen begrenzt werden...
3.
Andrycha 13.04.2012
Zitat von innajjanniAuch wenn das hier einige sicher wieder anders sehen, ABER wieso sollte eine Aggression von Nordkorea (einem so winzig kleinem Land) ausgehen. Hier im Westen (oder zumindest in Deutschland) werden die "östlichen Machthaber"/ Diktatoren / Anführer der "Schurkenstaaten" immer als total verblödet und unnatürlich naiv dargestellt. Glaubt wirklich jemand, dieser Kim würde die vollständige Zerstörung seines Landes in Kauf nehmen, nur um einmal ne A-Bombe abzufeuern? Das selbe Spiel mit dem Iran: Erstschlagpotential mag ja vorhanden sein, einem US-Amerikanischem Rückschlag hätten jedoch beide Regime nicht wirklich etwas entgegenzusetzen und das WISSEN DIE VERRÜCKTEN AUCH! Die wirklichen Kriegstreiber sitzen auf der anderen Seite und warten nur darauf endlich noch mal ne A-Bombe (oder noch schlimmere Waffen, wie eine Neutrino-Bombe oder so) einzusetzen! Die Weltbevölkerung soll ja sowieso auf 300 Millionen begrenzt werden...
Kann ich nur Unterstreichen ... Denn wirklich die "Blöden" sind wir, das Volk welche der ganzen Kriegshetze glauben. Wenn man die ganze Situation nüchtern und objektiv betrachtet wird man Feststellen das in den Meisten fällen die Wirklichen Aggressoren USA und Gefolge sind. Natürlich sind die Regierungen Diktatorisch und in vielen Fällen werden da Verbrechen begangen, aber öfters sind viele Missstände beim Folk erst durch die ganzen Westlichen Sanktionen die über diese Länder verhängt wurden entstanden. Den Länder wurde jegliche Möglichkeit zur Entwicklung genommen. Statt eventuell diese aus der "Weltgemeinschaft" auszusperren sollte man eventuell sogar mit ihnen zusammen Arbeiten? Aber das kommt ja für die heuchlerische "Westliche" welt ja nicht in Frage weil es sind ja Verbrecher und so! Aber mal ehrlich? Sind denn "wir" den so viel besser? Durch "unsere" Politik Sterben in z.B. Afrika Millionen Menschen nur damit es hier besser geht. Länder werden überfallen des Öls wegen. Und und und ... Diese Scheinheiligkeit macht es alles nur noch schlimmer
4. Kommunismus
mulhollanddriver 13.04.2012
Zitat von innajjanniAuch wenn das hier einige sicher wieder anders sehen, ABER wieso sollte eine Aggression von Nordkorea (einem so winzig kleinem Land) ausgehen. Hier im Westen (oder zumindest in Deutschland) werden die "östlichen Machthaber"/ Diktatoren / Anführer der "Schurkenstaaten" immer als total verblödet und unnatürlich naiv dargestellt. Glaubt wirklich jemand, dieser Kim würde die vollständige Zerstörung seines Landes in Kauf nehmen, nur um einmal ne A-Bombe abzufeuern? Das selbe Spiel mit dem Iran: Erstschlagpotential mag ja vorhanden sein, einem US-Amerikanischem Rückschlag hätten jedoch beide Regime nicht wirklich etwas entgegenzusetzen und das WISSEN DIE VERRÜCKTEN AUCH! Die wirklichen Kriegstreiber sitzen auf der anderen Seite und warten nur darauf endlich noch mal ne A-Bombe (oder noch schlimmere Waffen, wie eine Neutrino-Bombe oder so) einzusetzen! Die Weltbevölkerung soll ja sowieso auf 300 Millionen begrenzt werden...
Der Spiegel trägt seinen Teil dazu bei: Der Grund dafür, dass aus einem "Frieden" mit dem kommunistischen Nordkorea nichts wird, mag sein, dass Nordkorea nicht kommunistisch ist. Aber das Wort Kommunismus eignet sich vermutlich besser für eine emotional geprägte Berichterstattung als Sozialismus oder ein anderer Begriff.
5. Rechtfertigung
beobachter24 13.04.2012
Zitat von sysopAPTrotz weltweiter Warnungen hat Nordkorea eine Langstreckenrakete gestartet. Der Versuch scheiterte, doch der Schaden ist angerichtet: Die US-Regierung verurteilte das Vorgehen Pjöngjangs umgehend - aus einem Frieden des kommunistischen Landes mit dem Westen wird vorerst nichts. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827274,00.html
Ich kann mir gut vorstellen, dass westliche Staatsführer und die Rüstungsindustrie ziemlich froh über diesen Verlauf sind. So lange auf diese "Schurkenstaaten" mit den Fingern gezeigt werden kann, gibt es keine bessere Rechtfertigung für die Existenz der Waffenbauer und der Argumentation von "Sicherheitspolitikern".
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Sorgenfall Nordkorea: Pjöngjang und die Atomwaffen

Nordkoreas Raketentest alarmiert asiatische Airlines Zur Großansicht
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Nordkoreas Raketentest alarmiert asiatische Airlines

Karte

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nordkoreas Atomprogramm
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Nordkoreas Atomprogramm
Nordkoreas Atomprogramm sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden Langstreckenraketen ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer" Kim Jong Il offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug Plutonium für sechs Atombomben zu besitzen.

Nordkorea hatte sich zwar bei Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) . Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.

Anfänge
Das Atomprogramm Nordkoreas hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder" Sowjetunion dem kommunistischen Nordkorea ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor Yongbyon baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des Atomwaffensperrvertrags , die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.

Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur Abdul Qadir Khan lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.

Genfer Rahmenabkommen 1994
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident Bill Clinton 1994 mit Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen , das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen Atombombe verhindern sollte. Darin garantierte Nordkorea die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in Yongbyon , aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die Plutoniumproduktion , jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem Uran Kernwaffen herzustellen.
Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003
2003 begannen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms . An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben Nordkorea China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Im Februar 2005 gab Kim Jong Il offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.

2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.

Atombomben- und Raketentests
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ Taepodong-1 weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1718 , in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.

Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Atomzentrums Yongbyon an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945 Hiroshima zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.


Interaktive Grafik
Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)