Neue Raketentests von Nordkorea Eine Regionalmacht fordert die Welt heraus

Mindestens vier Raketen hat Nordkorea abgefeuert, drei davon fielen in der japanischen 200-Meilen-Zone ins Meer. Die Sorge vor weiteren Aktionen des Regimes wächst. Ist die Angst berechtigt?

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Das unberechenbare Vorgehen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un sorgt weltweit für Besorgnis. Am Montag feuerte das Regime - dem Raketentests unter Verwendung ballistischer Technik durch Uno-Resolutionen untersagt sind - mindestens vier Geschosse ins Japanische Meer. Drei von ihnen sollen in der japanischen 200-Meilen-Zone niedergegangen sein. Japans Regierungschef Shinzo Abe sprach von einer "neuen Stufe der Bedrohung".

Hat er recht?

Eine Überraschung dürften die nordkoreanischen Raketen zumindest nicht gewesen sein. Kurz zuvor hatte das zweimonatige Frühjahrsmanöver der amerikanischen und südkoreanischen Streitkräfte in Südkorea begonnen. Nordkorea sieht die jährlichen Übungen als Angriff und reagiert darauf immer wieder mit Gegenaktionen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Geschosse in der japanischen Zone niedergehen; das war im vergangenen Jahr auch schon passiert. Es gibt aber tatsächlich Faktoren, die auf eine zunehmend gefährliche Lage schließen lassen.

  • Technischer Fortschritt: Schon bei dem vorangegangenen Test einer Mittelstreckenrakete im Februar beweist das Regime seine technische Weiterentwicklung. Bislang hatte Pjöngjang noch nie mehr als drei Raketen dieser Reichweite gleichzeitig abgefeuert. Ein namentlich nicht genannter US-Offizieller sagte dem US-Sender CNN zum aktuellen Fall: "Es können auch noch mehr gewesen sein, aber das werden wir nicht kommentieren. Vier sind gelandet". Um welchen Raketentyp es sich genau handelt, ist noch nicht klar.
  • Internationale Isolation: China bleibt wichtigster Garant für die Stabilität Nordkoreas - vor allem aus Sorge, sich nach einem Sturz des Regimes der verarmten Bevölkerung annehmen zu müssen. Nach dem letzten Raketentest reagierte allerdings auch Peking überraschend hart und verbot Kohleimporte aus Nordkorea. Seit dem Mord an Kim Jong Nam, dem Halbbruder von Diktator Kim, am Flughafen von Kuala Lumpur streitet Nordkorea auch noch mit Malaysia. Beide Regierungen haben ihre Botschafter abgezogen und Ausreisesperren verhängt.
  • Verschärfte Kriegsrhetorik: Drastische Drohungen aus Pjöngjang in Richtung der Vereinigten Staaten, dem Lieblingsfeind von Diktator Kim, sind nicht neu. Dennoch hat es der Brief, den der nordkoreanische Uno-Botschafter Ja Song Nam jetzt an die Vereinten Nationen schrieb, in sich. Darin gibt er den USA und Südkorea die Schuld an der Eskalation. Das "unverhüllte Atomkriegsmanöver" der Alliierten würde die koreanische Halbinsel in Richtung eines "nuklearen Desasters" treiben. "Es könnte sich ein richtiger Krieg entwickeln", schrieb Ja. Der Nachrichtenseite "Foreign Policy" zufolge versucht Pjöngjang damit, die neue Regierung unter Präsident Donald Trump zu testen.
  • Schwache USA: Das Weiße Haus zeigt sich ratlos gegenüber der Bedrohung aus Ostasien. Zu den jüngsten Raketentests gab es zunächst keine Stellungnahme - während sich Regierungsvertreter aus Russland, Frankreich und Großbritannien schon zu Wort meldeten. Mark Toner, Sprecher des US-Außenministeriums, sagte schließlich: "Wir sind vorbereitet [...], um uns und unsere Verbündeten vor den Attacken zu schützen, und sind bereit, alle Möglichkeiten zu nutzen, um dieser Bedrohung zu entgegnen." Bislang ist aber noch völlig unklar, welche Strategie die Trump-Regierung überhaupt verfolgen könnte. Einem Bericht der "New York Times" zufolge zieht sein Team auch eine Fortsetzung des Cyberkriegs seines Vorgängers Barack Obama gegen Pjöngjang in Betracht.

Zumindest langfristig verstärken Südkorea und die USA ihre militärische Präsenz gegen Nordkorea - zum Ärger von China. Auf einem ehemaligen Golfplatz südlich von Seoul sollen in diesem Jahr Abwehrraketen des Typs THAAD stationiert werden. Dafür haben die USA gerade die ersten Bauteile geliefert. Die THAAD-Raketen könnten ballistische Raketen von kurzer und mittlerer Reichweite abfangen und zerstören. In der Erklärung betonte das US-Pazifik-Kommando, das THAAD-System diene ausschließlich der Verteidigung gegen nordkoreanische Bedrohungen - und sei eben nicht als Signal an China zu verstehen.

Militärische Aufrüstung wird wohl wenig zu einer Entspannung der Lage beitragen, Experten gehen vom Gegenteil aus. Einem CNN-Bericht zufolge liegen den US-Geheimdiensten Hinweise darauf vor, dass Nordkorea einen erneuten Atombombentest vorbereitet. Demnach stünde eine solche Aktion kurz bevor.

insgesamt 86 Beiträge
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megamekerer 07.03.2017
1. Die Welt?!
Nordkorea hat nur mit Japan und USA Probleme, sonst Niemand, achso, SüdKorea!!! Aber Das ist doch kein Problem, sie sehen Südkorea als Teil ihr Land!
betweenthelines 07.03.2017
2. Jetzt mal ganz ehrlich...
wer nimmt diesen billigen B-Movie Diktator eigentlich noch ernst. Soll er doch schmollend sein ganzes Arsenal an günstig zusammen gekauften Raketen verballern. Irgendwie ist er ja auch ganz niedlich der kleine Kim. Ich jedenfalls muss immer wieder schmunzeln wenn ich ihn sehe. Und nein, es geht kein bisschen Bedrohung von ihm aus. Welche auch?!? Alles würde in einem indirekten Suizid enden.
dunnhaupt 07.03.2017
3. Solange Russland und China das brutale Kim-Regime weiter aktiv unterstützen
... wird sich wenig ändern. Nordkorea entstand aus der alten Sowjetzone nach dem Koreakrieg. Kim Jong Uns älteste Generäle wurden noch in der Sowjetunion ausgebildet.
gammoncrack 07.03.2017
4. Ich bin mal gespannt,
wann irgend jemandem der Geduldsfaden reißt. Selbst die Chinesen werden sich das nicht mehr allzu lange anschauen. Die Zerstörung der militärischen Einrichtungen in Nordkorea kann natürlich nur mit deren Billigung geschehen. Ich denke, dass das nicht mehr sehr weit enfernt ist.
UlrichLamprecht 07.03.2017
5. Ganz schwierig
Wenn es gelänge, alle ins Boot zu holen, die Nachbarn China und Russland, die Macht USA... aber wie bzw. was können die tun?
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