Blackfacing-Skandal US-Gouverneur will nicht zurücktreten

Bei den US-Demokraten positionieren sich erste Politiker fürs Rennen um die Präsidentschaft 2020. Jetzt beschert der Gouverneur von Virginia seiner Partei einen Eklat, ausgelöst durch ein Foto mit rassistischen Posen.

Ralph Northam
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Ralph Northam


Der Vorwurf des Rassismus belastet den demokratischen Gouverneur des US-Bundesstaats Virginia, Ralph Northam - und der wird zum Problem für seine Partei.

Auslöser der Debatte über den Politiker ist ein Foto aus dem Jahr 1984, es kursiert seit vergangenem Freitag und stammt aus dem Jahrbuch seiner Universität. Darauf zu sehen sind zwei Menschen in rassistischer Pose. Beide sind verkleidet: Einer trägt die typische Kapuzenrobe des Ku-Klux-Klan, der für unzählige Lynchmorde und rassistischen Terror in den Südstaaten der USA verantwortlich ist. Der andere hat sich Gesicht und Hände schwarz angemalt - das sogenannte Blackfacing - und will so einen Afroamerikaner darstellen.

Eine der beiden Personen soll Northam sein. Der bat am Freitag zunächst auch um Verzeihung: Das Foto sei "eindeutig rassistisch und kränkend" gewesen, er bedauere sein verletzendes Verhalten, erklärte der demokratische Politiker. Die Aufnahme entspreche in keiner Weise seinen heutigen Werten.

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Viele Parteimitglieder und einige der demokratischen Politiker, die bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 antreten wollen, forderten Northam daraufhin zum Rücktritt auf.

Doch am Samstag vollzog der Gouverneur eine Kehrtwende: Er habe sich das Foto nochmals genau angeschaut und sei zu dem Schluss gekommen, dass es ihn nicht zeige. Gleichwohl habe er damals "andere Fehler" gemacht, so sei er bei einem Tanzwettbewerb mit geschwärztem Gesicht als Michael Jackson aufgetreten.

Zurücktreten wolle er nicht. "Solange ich das Gefühl habe, dass ich dieses Amt führen kann, werde ich das tun", so Northam. "Ich bitte um die Chance, beweisen zu können, dass ich heute ein anderer bin."

Während Northam mit diesem Statement vor die Presse trat, forderte allerdings der Sprecher der Demokratischen Partei (DNC), der Gouverneur solle zurücktreten.

Der Bundesstaat Virginia wurde in den vergangenen Jahren vermehrt mit seiner rassistischen Vergangenheit der Sklaverei konfrontiert. Im Sommer 2017 gingen in der Universitätsstadt Charlottesville im Bundesstaat erneut Mitglieder des Ku-Klux-Klans auf die Straße, um gegen die Entfernung der Statue des Konföderierten-Generals Robert E. Lee zu demonstrieren. Am Rande der Proteste wurde dabei eine Frau getötet.

Die Wahl des demokratischen Gouverneurs Northam 2017 war von vielen Menschen im Land als Sieg gegenüber Donald Trump und als Zeichen gegen das Erbe der Konföderation gesehen worden. Im amerikanischen Bürgerkrieg hatten die konföderierten Staaten für den Erhalt der Sklaverei gekämpft.

mal/AFP/dpa/Reuters



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