Randale gegen Sparprogramm Griechenland trauert um Tote bei Krisen-Krawallen

Qualvoller Tod im Flammenmeer: Drei Menschen sind bei den Protesten gegen das griechische Sparprogramm umgekommen - eingeschlossen in einer Bank, auf die Randalierer Brandsätze warfen. Jetzt steht Athen unter Schock, das Parlament trauert, in der Stadt ist gespenstische Ruhe eingekehrt.

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Athen - Im Stadtzentrum von Athen ist es während einer Großdemonstration gegen die Sparmaßnahmen der Regierung zu schweren Ausschreitungen gekommen. Drei Menschen starben bei einem Brandanschlag auf eine Bank, wie Polizei und Feuerwehr mitteilten. Demnach hatten vermummte Randalierer eine Filiale der Marfin-Egnatia-Bank in der Innenstadt mit Molotowcocktails in Brand gesetzt.

Bei den Toten handelt es sich nach ersten Angaben um zwei Frauen und einen Mann, die sich in dem brennenden Gebäude befanden. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete von dramatischen Szenen in der vierstöckigen Bankfiliale. Demnach hatten die drei Opfer versucht, sich vor dem Flammeninferno auf einen Balkon zu retten. Dabei brachen sie im raucherfüllten Treppenhaus zwischen drittem und viertem Geschoss ohnmächtig zusammen und wurden vom Feuer erfasst.

"Sie sind bei lebendigem Leibe verbrannt", sagte ein Feuerwehrmann im Radio. Die Feuerwehr konnte nach eigenen Angaben den Brandort nicht rechtzeitig erreichen, weil Autonome sie mit Steinen "bombardierten". Die Helfer schafften es, rund 20 Menschen aus der brennenden Filiale zu retten und das Feuer schließlich zu löschen. Neben der Bank stand auch eine Finanzbehörde in Flammen.

Mit einer Schweigeminute gedachte das griechische Parlament der Opfer der Krawalle während des Generalstreiks. Die Nachricht vom Tod der drei Menschen verbreitete sich blitzartig in Athen. Daraufhin beruhigte sich die Lage in der Hauptstadt. Die Großdemonstration gegen das massive Sparprogramm der Regierung hat sich demnach inzwischen aufgelöst. Reporter berichteten am Nachmittag von "gespenstischer Ruhe" im Zentrum Athens.

Polizei geht mit Tränengas gegen Steinewerfer vor

Zuvor hatte die Polizei in Athen einen "allgemeinen Alarmzustand" erklärt. Es flogen dutzendweise Brandflaschen. Menschen flohen panikartig aus dem Zentrum. Immer wieder waren Explosionen von Tränengasgranaten zu hören. Auch vor dem Parlamentsgebäude in der griechischen Hauptstadt kam es zu schweren Zusammenstößen. Hunderte Autonome und aufgebrachte Demonstranten versuchten, das Gebäude zu stürmen. Die Polizei konnte die wütende Menge aber zurückdrängen.

Vor dem Grab des Unbekannten Soldaten wurde die Ehrenwache vertrieben. Mehrere hundert Demonstranten warfen mit Pflastersteinen auf die Polizei. Diese ging mit Tränengas und Schockgranaten gegen die Menge vor, über dem Syntagma-Platz hingen dichte Tränengasschwaden.

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Tote bei Protesten: Chaos in Athen

Allein in Athen hatten mehr als 100.000 Menschen gegen das massive Sparprogramm der Regierung protestiert. Die Gewerkschaften sprachen sogar von mehr als 200.000 Teilnehmern. Nach Angaben von politischen Beobachtern war es eine der größten Demonstrationen der vergangenen 20 Jahre.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou verurteilte den tödlichen Brandanschlag. "Jeder hat das Recht zu demonstrieren, aber nicht Gewalt auszuüben und zu töten", sagte er. "Drei Familien erleben heute ein Drama. Diesen Menschen sage ich: Wir werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen."

Zugleich verteidigte Papandreou das harte Sparprogramm. Die mit den Euroländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Maßnahmen seien notwendig, um die Zukunft des Landes zu sichern, sagte er.

Angesichts der drei Todesopfer in Griechenland zeigte sich auch EU-Ratspräsident Hermann Van Rompuy tief betroffen. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern in Athen", sagte er am Rande eines EU-Kanada-Gipfels in Brüssel.

Auch in Thessaloniki und anderen Städten des Landes gingen Tausende Menschen auf die Straße. Dort kam es sporadisch ebenfalls zu Ausschreitungen. Demonstranten schleuderten in der Innenstadt Molotow-Cocktails gegen Banken und Geschäfte und demolierten mit Eisenstangen Bushaltestellen und Schaufenster. In Thessaloniki warfen nach Polizeiangaben mehrere junge Demonstranten Steine gegen Einsatzbeamte und auf Schaufenster. Die Polizei sei daraufhin auch dort mit Tränengas gegen Randalierer vorgegangen, hieß es.

Generalstreik legt Griechenland lahm

Die beiden großen griechischen Gewerkschaftsverbände, GSEE für die private Wirtschaft und ADEDY für den öffentlichen Dienst, hatten für Mittwoch zu dem Generalstreik aufgerufen. Die GSEE veröffentlichte am Mittag eine Erklärung, wonach es sich "um die bisher bedeutendste" Kundgebung in Griechenland handele.

Der 24-stündige Generalstreik legte den öffentlichen Verkehr lahm. Alle Flüge wurden gestrichen, Züge und Fähren stellten ihren Betrieb ein. Auch Schulen, Krankenhäuser, Finanzämter und selbst die Akropolis blieben geschlossen. Journalisten schlossen sich dem Ausstand an, Sendungen in Rundfunk und Fernsehen wurden eingestellt.

Die Proteste richten sich gegen den strengen Sparplan der Regierung, den diese mit den Euroländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) im Gegenzug für Kredithilfen in Höhe von 110 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre aushandelte. Das griechische Parlament sollte am Donnerstag über das Sanierungspaket abstimmen.

ffr/mmq/dpa/AFP/AP/Reuters/apn

Forum - Griechenland-Krise - muss sich Europa ändern?
insgesamt 2767 Beiträge
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Seite 1
kdshp 04.05.2010
1.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Hallo, wir brauchen endlich eine EU regierung die auch macht hat. Gleichzeitig sollten wir die nationalen regierungen abbauen.
grauer kater 04.05.2010
2.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Wir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
rhawik 04.05.2010
3.
Das Thema Griechenland-Krise, Euro und Europäische Union ist viel zu komplex. Was für eine Frage, ob Europa sich ändern muss ? Selbstverständlich. Alle und jeder muss sich ändern ! Die Pleite-Serien in Europa werden sich fortsetzen. Portugal, Irland und Spanien werden wohl folgen. Ungarn war doch kürzlich auch Pleite. Von Ungarn spricht im Moment kein Mensch mehr.
grauer kater 04.05.2010
4.
Zitat von sysopNach der Krise ist vor der Krise: In ganz Europa hat die Debatte darüber begonnen, wie die Eurozone künftige Staatspleiten effektiver bekämpfen kann. Muss Europa sich ändern?
Wir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
Monsieur Rainer 04.05.2010
5. Besser hätte ich es auch nicht schreiben können !
Zitat von grauer katerWir brauchen die politische Union Europa mit einheitlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Abgabenpolitik, mit proportionaler Standortverteilung der Produktion auf die jeweils geeigneten Standorte mit den besten Produktionsbedingungen, soziale Anpassungen und einheitlicher Außenpolitik. Wir brauchen ein energisches Handeln der EZB zur Geldwertstabilität! Die EU braucht einen Regierungschef mit demokratischer Legitimation, eine gewählte Regierung und ein Parlament, das die Souveränität der Mitgliedsstaaten und Europas insgesamt ausübt! Der Lissabon-Vertrag wird den Anforderungen der Zeit an die weitere Integration Europas in keiner Weise gerecht! Europa muss seine Interessen geschlossen vertreten und durchsetzen!
Verehrter Forist, Sie haben all das ausgedrückt, was mir gerade aus auf der Zunge lag. Wir brauchen die Vereinigten Staaten von Europa mit nationalen Gouverneuren und einer demoktaisch legitimierten Europa-Regierung. Der Präsident der EU muss vom Volk gewählt werden, die Kommissare sind von ihm zu bestellen und vom EU - Parlament bestätigt werden. Die EU-Abgeordneten werden vom Volk im Direktmandat gewählt und zwar ohne Listenplätze der Parteien. Den Rest haben Sie schon beschrieben, denn das ist dann die Conclusio!
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