Zwischenfall auf Zypern: Randalierer reißen Fahnen vom Bundeswehrcamp
Bislang hat sich die Wut über die Euro-Krisenpolitik Berlins auf Zypern nur auf Transparenten und in Parolen geäußert. Jetzt kam es erstmals zu einem Zwischenfall: In einem Bundeswehrcamp wurden Fahnen Deutschlands und der Uno abgerissen. Die Täter entkamen unerkannt.
Limassol - Randale in einem Bundeswehrcamp in der zyprischen Stadt Limassol: Innerhalb eines Lagers der Uno-Mission Unifil kam es vor dem Bereich der deutschen Soldaten zu einem offenbar deutschlandfeindlichen Zwischenfall - zwischen 6 und 8 Uhr am Freitagmorgen wurden zwei deutsche und zwei Uno-Fahnen von Flaggenmasten gerissen. Auf einer Uno-Fahne wurde nach Angaben der Bundeswehr herumgetrampelt, eine der deutschen Fahnen wurde zerrissen und teilweise verbrannt. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Die Bundeswehr unterrichtete ausgewählte Abgeordnete über den Vorfall.
Die Aktion ist möglicherweise eine Reaktion auf die harte Haltung der Bundesregierung in der Euro-Krise auf Zypern. Bislang hatte sich die Wut der Menschen aber nur bei Demonstrationen Luft gemacht, wo vor allem Kanzlerin Merkel attackiert wurde.
In den Jahren seit dem Beginn der Uno-Mission, die von einem deutschen Kontingent unterstützt wird, gab es noch nie ähnliche Vorfälle wie jetzt in Limassol. Der zuständige zyprische Brigadekommandeur hat beim Kommandeur des deutschen Einsatzkontingentes sein Bedauern und die Betroffenheit über diesen Vorfall ausgedrückt und Aufklärung zugesagt. Da sich der Vorfall innerhalb eines Camps der zyprischen Armee abspielte, in dem die deutschen Soldaten untergebracht sind, könnten die Täter lokale Soldaten sein.
Die deutschen Soldaten kontrollieren im Rahmen der Uno-Mission verdächtige Schiffe im Seegebiet vor dem Libanon und sind auf Zypern stationiert.
Luxemburgs Außenminister warnt Deutschland
Am deutschen Agieren in der Zypern-Krise gab es auch auf ganz anderer Ebene Kritik. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn warnte Deutschland vor verletzenden Aussagen über kleine Länder. Er verbat sich die deutsche Kritik am "Geschäftsmodell Zyperns" mit einem überdimensionierten Bankensektor. "Ich komme auch aus einem ganz kleinen Land, da ist nicht nur der Bankplatz überdimensioniert, sondern auch die Satellitenindustrie zum Beispiel", sagte er Asselborn in Dublin am Rande eines EU-Außenministertreffens.
"Verschiedene Länder haben ganz legal, wie mein Land und wie Zypern auch, in den letzten Jahrzehnten etwas aufgebaut. Und das sollte man im Prinzip jetzt nicht herabwürdigen", sagte der Außenminister. "Das ist kein Humor. Das ist etwas, wo man sich in Berlin wirklich sehr gut überlegen sollte, wie man hier verschiedene Länder trifft", sagte er. "Es gibt keinen Menschen, der sagt, die Automobilindustrie oder die Waffenindustrie ist überproportioniert in Deutschland." Man müsse "aufpassen, vor allem aus Berlin, dass keine Töne kommen, die wirklich verletzend sind".
Mit Material von dpa
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- Freitag, 22.03.2013 – 17:50 Uhr
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