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Rassenhass: Russlands Nationalisten hetzen erbittert gegen Ausländer

Von , Moskau

Terroranschläge wie der am Moskauer Flughafen geben dem Rassenhass in Russland neue Nahrung: Wöchentlich kommt es zu extremistischen Attacken von Nationalisten gegen Kaukasier. Zu den Opfern gehören aber vor allem diejenigen, die das Pech haben, nicht "slawisch" auszusehen.

Russische Nationalisten auf einer Demonstration: "Man muss die Stadt reinigen" Zur Großansicht
REUTERS

Russische Nationalisten auf einer Demonstration: "Man muss die Stadt reinigen"

"Frische Kräuter, frische Kräuter", ruft der Verkäufer von rechts. "Mein Lieber, kauf meine saftigen Orangen", kommt es von links, mit jenem südlichen Akzent, der in den Ohren vieler Russen nach Kriminalität, mangelnder Zivilisation, auch nach Mafia klingt. Unter dem geschwungenen Dach des Danilow-Markts im Zentrum Moskaus stapeln sich an diesem kalten Wintertag meterhoch Kiwis, Dutzende Sorten frischer Kräuter, eingelegte Melonen, Nüsse und Gewürze aus aller Herren Länder. Hinter den Verkaufsständen: vor allem Männer und Frauen mit dunklen Haaren und dunklem Teint - die "Schwarzen", wie die Russen sie abwertend nennen.

Anfang der neunziger Jahre wagte der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow ein Experiment und übergab die Leitung des Danilow-Markts an die Kosaken, die sich gerne als Bewahrer des wahren Russentums gegenüber fremdländischen Einflüssen präsentieren. Von denen ist heute allerdings nichts mehr zu sehen.

Waren es die besseren Beziehungen zum Bürgermeister, Geld oder Gewalt? Vermutlich eine Mischung. Jedenfalls wird der Danilow-Markt heute wie fast jeder der über hundert Märkte Moskaus von Aserbaidschanern und anderen kaukasischen Völkern kontrolliert - alles natürlich unter der Hand. Sergej Michailowitsch, der russische Direktor, will lieber nicht mit der Presse sprechen.

"Sie trinken keinen Wodka wie echte russische Männer"

Die Russen, die in der Umgebung wohnen, kaufen hier ein, obwohl sie die Bewohner aus der früheren Sowjetrepublik verachten. "Sie arbeiten nicht gerne, trinken keinen Wodka wie echte russische Männer, stellen Verkäuferinnen aus Moldawien an und vögeln unsere russischen Mädels", empört sich ein 58-jähriger Russe mit Pelzmütze. Zu kommunistischen Zeiten schrieb er Reden für den Minister. Die Sowjetunion hatte sich die Völkerfreundschaft auf die Fahnen geschrieben und ging maßgeblich an den Nationalitätenkonflikten zugrunde. Heute zieht der ehemalige General der Justiz eine Einkaufstasche mit Rollen hinter sich her. Sieben Kilo Äpfel hat er gerade gekauft, aber nicht bei den Aserbaidschanern, sondern bei einer moldawischen Verkäuferin: "Die betrügt mich nicht, das weiß ich."

Die Beziehungen zwischen den Russen und den Nicht-Russen sind gespannt, auch ohne einen Terroranschlag wie den vom vergangenen Montag. In einer Umfrage des renommierten Lewada-Zentrums von November 2010 erklärten 30 Prozent der Russen, an der nationalistischen Stimmung seien die schlechten Lebensbedingungen in Russland schuld, 30 Prozent warfen dagegen den Vertretern der nationalen Minderheiten vor, mit ihrem "provokanten Auftreten" den Hass selbst hervorzurufen.

Und gerade auf den Märkten entlädt sich dieser Zorn immer wieder, mitunter mit Terror und roher Gewalt. Im August 2006 explodierte eine von russischen Nationalisten deponierte Bombe auf dem Tscherkison-Markt, 14 Menschen starben, über 60 wurden verletzt. 2001 überfiel eine Gruppe von 300 Nationalisten einen Markt im Süden der Stadt mit Knüppeln und Eisenstangen - am Ende blieben zwei Verkäufer tot liegen, mehrere Dutzend wurden verletzt.

Negative Meinungen über die Ausländer sind in der russischen Gesellschaft weit verbreitet. "Die Kaukasier können nicht ehrlich Geld verdienen", ist Alexej überzeugt, ein junger Russe, der in einem Laden nicht weit vom Danilow-Markt arbeitet. Er ist überzeugt, dass auf dem Markt mit Drogen gehandelt wird. Bestätigt fühlt er sich von Berichten in den russischen Medien über die sogenannte "Ethno-Kriminalität". Mitte Januar etwa nahm die Polizei fünf Usbeken fest, die innerhalb eines Jahres als Taxifahrer getarnt vier Russinnen zuerst entführt und dann ermordet hatten. Und Moskaus neuer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte wenige Tage später, dass die Hälfte der Straftaten in der Hauptstadt von Migranten verübt werde. Verkäufer Alexej schlägt eine einfache Lösung für das Problem vor: "Wir müssten für einen Tag Stalin zurückholen - der würde sie alle nach Sibirien schicken!"

Eine Million Einwanderer ohne gültige Papiere

Doch viele profitieren vom Status quo. Nach Schätzungen der russischen Migrationsbehörde leben allein in Moskau eine Million Einwanderer ohne gültige Papiere. Für korrupte Beamte und Polizisten sind die "Illegalen" eine nie versiegende Quelle von Schmiergeldern. Auch im Flughafen Domodedowo beschäftigten sich die Polizisten nach ersten Erkenntnissen mehr mit der Kontrolle von Pässen als mit der Bombensuche.

Einwanderer aus den bitterarmen zentralasiatischen Republiken wie Tadschikistan und Usbekistan verdingen sich in Moskau als Taxifahrer, Straßenkehrer oder Bauarbeiter. Von den Baufirmen sind sie gerne gesehen, weil sie weniger trinken als die Russen - und weniger Geld verlangen. Auf der Straße und in der Metro werden sie zur Zielscheibe für Nationalisten, die in den letzten Jahren immer wieder wahllos Menschen mit "nicht-slawischen" Gesichtszügen töten.

Dabei gilt der Hass der Nationalisten eher einer anderen Gruppe von Ausländern, die sich jedoch weitaus besser wehren kann als die Zentralasiaten: den Kaukasiern, also Tschetschenen, Dagestanern oder Inguschen, russische Staatsbürger, die nach Meinung vieler Russen in Moskau vor allem mit illegalen Geschäften Geld verdienen. Nach russischen Medienberichten kontrollieren Mafia-Gruppen mit oft ethnischem Hintergrund in Moskau unter anderem die Gastronomie, den Handel, Immobilien und den Transport.

In den letzten Wochen rollte eine Welle von Gewalt zwischen Russen und Nicht-Russen durch das Land. Pogromstimmung herrscht seit Anfang Dezember, nachdem ein Dagestaner den Fußballfan Jegor Swiridow erschossen hatte. Tausende Fußballfans brüllten vor dem Kreml "Russland den Russen" und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Tausende wurden festgenommen, am Ende versuchte Premierminister Wladimir Putin die Wogen zu glätten, indem er sich demonstrativ mit Vertretern der Fußballfans traf und das Grab des ermordeten Swiridow besuchte. In nationalistischen Kreisen erntete er dafür Beifall.

"Man muss die Stadt reinigen"

Seitdem kommt es wöchentlich zu Attacken von Nationalisten, das Extremismus-Zentrum "Sowa" dokumentiert die Fälle. Am 19. Januar etwa stiegen zehn junge Männer im Zentrum Moskaus in einen U-Bahn-Waggon und beschimpften einen Mann mit "asiatischem Äußeren". Dann stach einer von ihnen mit einem Jagdmesser zu. Der Mann überlebte den Angriff.

Andere haben weniger Glück: Drei Tage zuvor fand die Polizei in einem Moskauer Hof einen 22-jährigen Usbeken mit einer Vielzahl von Stichwunden. Am gleichen Tag wurde in der Stadt Samara ein 19-Jähriger von sechs jungen Männern erstochen. 2010 wurden laut "Sowa" bei Überfällen mit fremdenfeindlichem Hintergrund russlandweit 37 Menschen getötet und 368 verletzt. Derzeit läuft ein Prozess gegen die Bande des Ikonenmalers Artur Ryno, der behauptet, von 2006 bis 2008 insgesamt 37 "Andersgläubige" getötet zu haben. "Seit der Schule hasse ich die Kaukasier. Sie kommen nach Moskau, schließen sich zusammen und bedrängen die Russen", erklärte der bei seiner Verhaftung 18-Jährige: "Man muss die Stadt reinigen."

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insgesamt 47 Beiträge
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1. Russen-Deutsch?
SNA 31.01.2011
---Zitat von SPON--- Nach russischen Medienberichten kontrollieren Mafia-Gruppen mit oft ethnischem Hintergrund in Moskau unter anderem die Gastronomie, den Handel, Immobilien und den Transport. ---Zitatende--- Die Wendung "ethnischer Hintergrund" gibt keinen Sinn und ist sprachlich falsch. Einen ethnischen Hintergrund hat jeder. Das Adjektiv ethnisch meint, "einer Volksgruppe zugehörig". Gemeint ist wahrscheinlich, dass die Angehörige der Mafia-Gruppen bestimmten Ethnien angehörne sollen.
2. Für einen Tag Stalin holen ...
rabka_uhalla 31.01.2011
(Ironie-Alarm) ... haben sich die Russen echt weiterentwickelt. Jahrzente, wenn nicht gar Jahrhunderte, hat "Russland" alle Länder um sich herum unterdrückt und ihre Meinung über Gut und Böse, Recht und Unrecht quasi als Stempel jedem Menschen aufgedrückt. Nun soll "Ihr" Russland wieder "rein" werden ? Tja, bis zur Perestroika war die "Russenwelt" noch in Ordnung.
3. Mein Profil
air plane 31.01.2011
... die haben ja auch keinen ströbele
4. auch hier?
Fabian G, 31.01.2011
das sind leider die probleme die auf jedes europäische land zukommen werden. kriminelle aus minderheiten stechen natürlich besonders heraus und "offene" geselleschaften sind anfälliger für die organisierte kriminalität. das bedeutet nicht das bestimmte ethnische gruppen krimineller sind, sondern, das eine verfehlte einwanderungspolitik und lasche justiz es begünstigen, dass besonders die kriminellen aus armen ländern einwandern. die länder europas müssen sich endlich stärker gegen die organisierte kriminalität wehren und den rechtschaffenden einwanderen einen job geben, damit sich das blatt wendet.
5. Wie wird es in Deutschland aussehen
Burkhardt1949, 31.01.2011
Zitat von sysopTerroranschläge wie der am Moskauer Flughafen geben dem Rassenhass in Russland neue Nahrung: Wöchentlich kommt es zu extremistischen Attacken von*Nationalisten gegen Kaukasier. Zu den Opfern gehören aber vor allem diejenigen, die das Pech haben, nicht "slawisch" auszusehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,742413,00.html
wenn wir wie in Moskau 20 % Illegale im Land haben, die keine Arbeit haben und von Drogenhandel und Kriminalität leben? Wir sollten die Russen nicht kritisieren, wenn wir die Zustände dort nicht kennen.
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Fotostrecke
Anschlag auf Moskauer Flughafen: Chaos, Schrecken, erste Hilfe

Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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Terroranschläge in Russland
In Russland sind in den vergangenen Jahren immer wieder Menschen bei Terroranschlägen getötet worden. Eine Auswahl der folgenschwersten Attentate:
24. Januar 2011: Selbstmordattentat auf Moskauer Flughafen
Bei einem Selbstmordanschlag in der Ankunftshalle des Moskauer Flughafens Domodedowosterben werden 37 Menschen getötet - darunter ein Deutscher - und mehr als 100 verletzt. In einem Video bekennt sich der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow zu der Bluttat: Er habe sie angeordnet.
29. März 2010: Anschlag auf die Moskauer Metro
In den Moskauer U-Bahn-Stationen Park Kultury und Lubjanka explodieren zur Rushhour am Morgen zwei Sprengsaätze. Mindestens 38 Menschen sterben und 70 werden verletzt. Russischen Ermittlern zufolge haben sich zwei junge Selbstmordattentäterinnen aus der russischen Teilrepublik Dagestan in die Luft gejagt. Zu den Anschlägen bekennt sich eine Rebellengruppe aus dem Nordkaukasus, das sogenannte Kaukasus-Emirat von Doku Umarow.
27. November 2009: Anschlag auf Schnellzug
Bei einem Anschlag auf den Schnellzug Moskau- St. Petersburg kommen 26 Menschen ums Leben, etwa 100 Menschen werden verletzt. Tage später bekennen sich islamistische Extremisten zu der Tat und kündigen einen "Sabotagekrieg" gegen die "blutige Besatzungspolitik" Moskaus im Kaukasus an.

17. August 2009: Selbstmordanschlag in Inguschetien
Ein Selbstmordattentäter sprengt sich in der Stadt Nasran in der russischen Teilrepublik Inguschetien mit 200 Kilogramm Sprengstoff in seinem Kleintransporter in die Luft. Mindestens 25 Menschen kommen ums Leben, mehr als 200 werden verletzt.
21. August 2006: 10 Tote in Moskau
Auf einem Moskauer Markt explodiert eine mit Metallsplittern präparierte Bombe. Zehn Tote, mehr als 50 Verletzte.
13. Oktober 2005: Überfall in Naltschik
Islamistische Rebellen überfallen die südrussische Stadt Naltschik. In nachfolgenden Gefechten sterben mindestens 137 Menschen, darunter 92 Rebellen, 33 Sicherheitsleute und zwölf Zivilisten.
19. Juli 2005: Bombenanschlag in Tschetschenien
Bei einem Bombenanschlag auf Milizionäre in Snamenskoje nordwestlich der tschetschenischen Hauptstadt Grosny kommen mindestens 14 Menschen ums Leben, 34 werden verletzt.
12. Juni 2005: Attacke auf Zug
In der Nähe von Moskau detoniert auf einem Gleisbett ein ferngezündeter Sprengsatz. Mehrere Waggons eines aus Tschetschenien kommenden Eisenbahnzuges entgleisen. 42 Menschen werden verletzt.
1. September 2004: Mehr als 330 Opfer in Beslan
32 Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan in Nordossetien und nehmen mehr als 1100 Kinder, Eltern und Lehrer 52 Stunden lang als Geiseln. 331 Opfer und 31 Terroristen sterben.
6. Februar 2004: Anschlag in Moskauer U-Bahn
Eine Bombe in der Moskauer U-Bahn tötet etwa 40 Fahrgäste. Die Polizei spricht von einem Selbstmordattentäter tschetschenischer Herkunft.
24. August 2004: Attacken auf Flugzeuge
Sprengsätze bringen nahezu zeitgleich zwei russische Verkehrsflugzeuge im Westen Russlands zum Absturz. 90 Menschen kommen ums Leben.
27. Dezember 2002: Explosion in Grosny
Ein Selbstmordattentäter bringt einen Lastwagen voller Sprengstoff am Gebäude der moskautreuen Regierung in Grosny zur Explosion. Mehr als 60 Tote.
23. Oktober 2002: Anschlag auf Moskauer Theater
41 Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musicaltheater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln sowie alle Terroristen sterben.


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