Rassenproblematik Obama-Rede wird Superhit auf YouTube

Es ist ein ernstes Thema, und es bewegt die Massen: Die Rede von Präsidentschaftsanwärter Obama über die Rassenproblematik in den USA wird im Internet zum Renner. Millionen Menschen sahen sich die 37-minütige Abhandlung über Hass und Versöhnung schon an - in Umfragen legt der Clinton-Konkurrent zu.


Washington - Die Rede ist schon ein paar Tage alt, aber sie begeistert immer mehr Menschen. Am vergangenen Dienstag hatte der demokratische Präsidentschaftsanwärter Barack Obama über die Rassenproblematik in den USA gesprochen - nun wird der aufwühlende Vortrag zu einem Renner auf der Video-Website YouTube. Allein bis zum Freitag wurde der Clip fast 2,5 Millionen Mal angesehen.

Anlass für die Rede war eine Kontroverse um Obamas Pastor Jeremiah Wright, der den Präsidentschaftsbewerber getraut und seine beiden Kinder getauft hatte. In mehreren Predigten hatte Wright die USA als rassistisch und ungerecht angeklagt. Zudem erklärte er, dass der amerikanische "Terrorismus" für den Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 verantwortlich gewesen sei.

Obama distanzierte sich in seiner Rede deutlich von Wright. Tenor des Vortrags: Versöhnung statt Hass. Gleichzeitig nannte Obama die Rassenproblematik aber auch deutlich beim Namen.

Die demokratischen Wähler nahmen die Ansprache überwiegend positiv auf. Laut einer Gallup-Umfrage übernahm Obama am Sonntag in der Gunst der Demokraten erneut die Führung vor seiner parteiinternen Rivalin Hillary Clinton. Demnach führt er mit 48 zu 45 Prozent. Clinton hatte zuvor mit sieben Prozentpunkten Vorsprung kurzzeitig die Führung inne.

Die nächsten Vorwahlen finden am 22. April in Pennsylvania statt, wo es viele Delegiertenstimmen zu erobern gibt. Hillary Clinton gilt dort als Favoritin.

Besonders bemerkenswert bei der Reaktion auf Obamas Rede: Auf YouTube wird meist die vollständige Fassung angesehen - sie ist immerhin 37 Minuten lang. "Bei dieser Rede traten mir die Tränen in die Augen", schrieb der Teilnehmer einer Online-Diskussion.

Die Ansprache werde "von vielen in einem großen historischen Kontext gesehen", schreibt Molly McCall von der Website "Yahoo Buzz". "Experten loben sie für ihre rekordverdächtige Ehrlichkeit." Nach der Rede hätten auch die Internetsuchen nach historischen Ansprachen des Bürgerrechtlers Martin Luther King zugenommen.

Wut der Schwarzen und Ressentiments der Weißen

Obama beschrieb in der Rede seine eigene Kindheit - er hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater. Dabei sprach er offen über die Spannungen zwischen Schwarz und Weiß in der US-Gesellschaft, ein Thema, das von den meisten Politikern gemieden wird.

Nach Ansicht von mehr als zwei Dritteln der US-Bürger hat Obama die "rassische Blockade" in den USA - die Wut der Schwarzen und die Ressentiments der Weißen - zutreffend dargestellt, wie der Sender CBS berichtete. 71 Prozent der Befragten erklärten, der Präsidentschaftsbewerber habe seine Beziehung zu Wright gut erklärt. Allerdings gaben laut CBS 70 Prozent der Befragten an, dass die Rede keinen Einfluss auf ihr Wahlverhalten habe.

wal/AFP/AP



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