Rassismus im britischen Parlament "Dieser Aufzug ist nicht für Putzfrauen"

"Was machen Sie hier?" Diese Frage wurde der schwarzen Abgeordneten Dawn Butler im britischen Unterhaus schon oft gestellt. Jetzt wurde sie für eine Putzfrau gehalten - ein Beispiel in einer Reihe rassistischer Vorfälle.

Politikerin Butler (hier an der Seite von Prinz Charles): Keine Putzfrau
AP

Politikerin Butler (hier an der Seite von Prinz Charles): Keine Putzfrau


Rassismus sei keine Seltenheit im britischen Parlament - so die Abgeordnete Dawn Butler. "Gott, es gibt so viele Vorfälle", sagte die schwarze Politikerin der Labour-Partei in einer Radiosendung der "BBC". Butler berichtete darin vom Vorfall in einem Aufzug, den nur Abgeordnete betreten dürfen: "Ich stand im Lift - und ein anderer Abgeordneter sagte: 'Dieser Aufzug ist wirklich nicht für Putzfrauen.'" Den Namen des Abgeordneten wollte Butler nicht nennen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die 46-jährige Butler - eine der wenigen schwarzen Frauen im britischen Unterhaus - sich öffentlich über rassistische Vorfälle seitens britischer Politiker, Lobbyisten und Sicherheitsleute im Parlament äußert.

"Die lassen heutzutage wirklich jeden hier rein"

Bereits 2008 veröffentlichte sie einen Artikel, in dem sie über eine Begegnung mit dem früheren Tory-Minister David Heathcoat-Amory im Parlament schrieb: "Er sagte zur mir: 'Was machen Sie hier? Das ist for members only.'" Als Butler geantwortet habe, sie sei Abgeordnete, habe Heathcoat-Amory einem Kollegen gegenüber kommentiert: "Die lassen heutzutage wirklich jeden hier rein."

Heathcoat-Amory wies damals den Vorwurf zurück, seine Äußerung sei rassistisch gewesen; er habe Butler schlicht nicht als neue Abgeordnete erkannt und stimmte darin überein, dass zu wenige Schwarze im britischen Unterhaus säßen - regte sich aber auch über ein angebliches Übermaß an politischer Korrektheit auf: "Das Problem ist, dass der Feminismus alles übertrumpft hat."

Nach dem Vorfall mit Heathcoat-Amory legte Butler Beschwerde ein - die, so die Abgeordnete, allerdings ignoriert worden sei. "Es ist nicht so, als hätte das Parlament eine Personalabteilung, von der man ein Disziplinarverfahren erwarten könnte", sagte sie in einem Interview. Nachdem Butler mit führenden Politikern über den Vorfall gesprochen habe, hätte sie keine andere Wahl gehabt, als die Beschwerde wieder fallenzulassen.

skr



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.