Rassismus in Europa: Rechtsradikale verjagen Minderheit aus ungarischem Dorf

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Offener Rassismus mitten in Europa: In einem ungarischen Dorf terrorisieren rechtsradikale Milizen Angehörige der Roma, Augenzeugen sprechen von einem "Schlachtfeld". Das EU-Land geht nur halbherzig gegen die Extremisten vor - jetzt musste das Rote Kreuz Hunderte Roma in Sicherheit bringen.

Hass auf Roma: Ungarns unheimliche Bürgerwehren Fotos
AFP

Gyöngyöspata/Budapest - Es sind verstörende Szenen aus einem Land mitten in Europa, das noch bis Ende Juni die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union innehat und damit die EU politisch führen soll: Seit Wochen patrouillieren in einem Dorf in Ungarn Rechtsextreme die Straßen entlang und verbreiten in Tarnanzügen Angst und Schrecken unter der Bevölkerung, besonders unter Anhängern der Roma-Minderheit.

Am Donnerstag haben darum örtliche Roma-Vertreter 277 Frauen und Kinder aus dem Dorf Gyöngyöspata in Sicherheit gebracht. Sechs Busse des Roten Kreuzes sorgten für den Transport der Menschen an einen nicht näher genannten Ort.

Janos Farkas, Vorsitzender des örtlichen Romarats, sagte am Freitag, es würden Auseinandersetzungen mit der selbsternannten Bürgerwehr befürchtet. Nach der Abfahrt der Busse fuhren in dem Dorf mindestens zehn Polizeifahrzeuge auf.

"Das Dorf ist praktisch ein Schlachtfeld"

In dem Dorf liefen Gruppen von Männern in Tarnkleidung in der vergangenen Wochen Patrouille, Farkas sagte, seit "beinahe zwei Monaten ist Gyöngyöspata praktisch ein Schlachtfeld". Selbst nennt sich die Gruppe Vedero, das heißt "Verteidigungsmacht", und sagt, sie trete als Bürgerwehr auf.

Für das Osterwochenende hatte die rechtsradikale, paramilitärische Gruppierung zu einem Trainingslager am Ortsrand nach Gyöngyöspata eingeladen. Teilnehmer sollten zu der Wehrübung in Uniformen und mit Gummigeschoss-Waffen erscheinen. Bereits im März hatte eine andere rechtsradikale Gruppierung den 2800-Einwohner-Ort fast drei Wochen lang mit Märschen terrorisiert.

Ungarns Regierung hat mehrfach betont, es nicht zulassen zu wollen, dass das Gewaltmonopol des Staats von derartigen Gruppen übernommen wird. Innenminister Sándor Pintér kündigte am Donnerstag an, dass die Polizei mehr Befugnisse bekommen soll, um die Aktivitäten von extremistischen Bürgerwehren zu verhindern.

Die Rechtsextremen sorgen nicht nur in Gyöngyöspata für Ärger: Selbsternannte Bürgerwehren marschieren seit Wochen durch Ortschaften mit hohem Roma-Anteil, um laut Angaben der im Parlament vertretenen rechtsextremen Partei Jobbik (die Besseren) auf "Zigeunerkriminalität" aufmerksam zu machen. Die Extremisten von Jobbik hatten bei der Parlamentswahl vor einem Jahr 17 Prozent der Stimmen erhalten. Gepunktet hatte die Partei unter anderem mit ihrer Agitation gegen die in Ungarn lebenden Roma.

Behörden werden der Extremisten nicht Herr

Wie viele Roma genau in Ungarn leben, ist ungewiss. Offizielle Schätzungen der Regierung von Anfang 2011 geben ihre Zahl mit 600.000 bis 700.000 an, das sind sechs bis sieben Prozent der Bevölkerung. Entgegen gängiger Vorurteile sind die meisten Angehörigen der Minderheit sesshaft, kämpfen allerdings mit hoher Arbeitslosigkeit und sind kaum in die Gesellschaft integriert.

Bislang werden die Behörden den Extremisten nicht Herr: In der Kleinstadt Hajdúhadháza, wo seit längerem eine rechte Bürgerwehr mit dem Namen "Szebb Jövöert" ("Schönere Zukunft") patrouilliert, waren am Samstag fünf Mitglieder der Gruppe wegen "Rowdytums" festgenommen worden. Bereits nach zwei Tagen kamen sie jedoch wieder auf freien Fuß. Der Jobbik-Abgeordnete Gergely Rubi sagte, die Gruppierung werde weiter marschieren, um "die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu verbessern", berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Der Jobbik-Abgeordnete János Volner sagte, die Gruppe trete "auf Ersuchen der Bevölkerung" auf und habe bereits "zahlreiche Verbrecher auf frischer Tat ertappt und der Polizei übergeben". Dabei seien auch junge Zigeuner festgenommen worden. Dénes Csáfordi, Bürgermeister von Hajdúhadháza, warf der Gruppe dagegen vor, eine Stimmung zu schaffen, in der sich die Kinder der Zigeuner "kaum noch auf die Straße" trauten.

mit Material von dpa und dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 194 Beiträge
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1. Dascha man gediegen!
niepmann 22.04.2011
Zitat von sysopOffener Rassismus mitten in Europa: In einem ungarischen Dorf terrorisieren rechtsradikale Milizen Angehörige der Roma, Augenzeugen sprechen von einem "Schlachtfeld". Das EU-Land geht nur halbherzig gegen die Extremisten vor - jetzt musste das Rote Kreuz Hunderte Roma in Sicherheit bringen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758707,00.html
Ich wünsche mir eine ausführliche und präzise Berichterstattung über die gesellschaftliche Entwicklung in Ungarn. Wir brauchen das als Lehrbeispiel für alle EU-Bürger, die nach Wilders, Soini oder le Pen tendieren. Die Deppen sollen wenigstens wissen, was sie riskieren. Sorry: Wir Deppen ......
2. Nato !
letzter-dödel 22.04.2011
Zitat von sysopOffener Rassismus mitten in Europa: In einem ungarischen Dorf terrorisieren rechtsradikale Milizen Angehörige der Roma, Augenzeugen sprechen von einem "Schlachtfeld". Das EU-Land geht nur halbherzig gegen die Extremisten vor - jetzt musste das Rote Kreuz Hunderte Roma in Sicherheit bringen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758707,00.html
Wo bleibt die NATO? Wo bleiben die Menschenrechtler? Ungarn hat den EU-Vorsitz!
3. t
loncaros 22.04.2011
Schwellenländer ohne Rechtsstaatlichkeit gehören einfach nicht in die EU. Ausschlussverfahren einleiten, sofort.
4. Ungarn gehört nicht mehr zur Europa!
megamekerer 22.04.2011
Jetzt ist wirklich der Punkt erreicht dass Ungarn aus europäischen Union ausgeschlossen wird. Dieses Land und seine Bewohner verdienen nicht in freie Europa zu leben. Das sind schlimmer als die National Sozialisten. Zu erst haben Sie versuch die Gesetze gegen die Medien zu verschärfen, dann neue Gesetze für ungarisch stämmige Minderheiten die Bürger andere Staaten waren entwurfen, und jetzt greifen sie die Minderheiten an. Dieses Land ist verdient nicht Mitglied europäischen Union zu sein.
5. Zu einfach
ElTico 22.04.2011
Zitat von niepmannIch wünsche mir eine ausführliche und präzise Berichterstattung über die gesellschaftliche Entwicklung in Ungarn. Wir brauchen das als Lehrbeispiel für alle EU-Bürger, die nach Wilders, Soini oder le Pen tendieren. Die Deppen sollen wenigstens wissen, was sie riskieren. Sorry: Wir Deppen ......
Man schere alle die etwas nationalistisch und nicht proeuropäisch sind über einen Kamm... jawohl so macht man es sich einfach. Die Deppen sind die Estableshment-EU-Politiker, die mit dem Pseudo demokratischen EU und bürokratischem Euro-Gebilde, mit den Transferleistungen und der Umverteilung von unten nach oben die normalen Bürger geradezu in die Hände radikaler Gruppen treiben. Es hilft da auch nicht einfach nur gegen rechtsnationalistische Gruppen zu wettern.
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Ungarische Parteien
Fidesz
Bund Junger Demokraten: Konservative Partei, geführt von Viktor Orbán, 46, der von 1998 bis 2002 bereits Ministerpräsident von Ungarn war. Der Spitzenkandidat hat ein Programm zur Erneuerung der Wirtschaft angekündigt und will innerhalb von zehn Jahren eine Million neue Arbeitsplätze schaffen. Dabei setzt Fidesz auf eine Politik der Steuerkürzungen.

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MSZP
Ungarische Sozialistische Partei: Sozialdemokratische Politik, waren seit 2002 an der Macht - seit April 2008 in einer Minderheitsregierung. Spitzenkandidat bei den Parlamentswahlen war Attila Mesterházy, 36, der MSZP-Fraktionsvorsitzende. Ihr von 2004 an regierender Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány musste vor einem Jahr wegen des Verlusts seiner Glaubwürdigkeit zurücktreten.

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Jobbik
Bewegung für ein besseres Ungarn: Rechtsextreme Partei, die im Wahlkampf unter anderem mit Hetze gegen die Roma-Minderheit zu punkten versucht hatte. Ihr Vorsitzender Gábor Vona, 31, ist Mitbegründer der im vergangenen Jahr aufgelösten Organisation Magyar Garda, die sich in ihren Uniformen an das Erscheinungsbild der ungarischen NS-Organisation der Pfeilkreuzler anlehnte.

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LMP
Politik kann anders sein: Die links-ökologische Partei wurde mit dem Ziel gegründet, die Vormacht der etablierten Kräfte in der Volksvertretung zu durchbrechen. Sie zieht nun erstmals ins Parlament ein. Als Spitzenkandidat trat der Budapester Anwalt András Schiffer, 38, an. Im Wahlkampf forderte die LMP eine "grüne Wende" in der Wirtschaftspolitik mit Investitionen in ökologische Technologien und Wachstum, das auf Innovation basiert.

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