Berichte über Rassismus in den USA "Ich hatte nie so viel Angst"

Donald Trumps Wahlkampf war von Hass und Ressentiments geprägt - machen sich jetzt die Folgen bemerkbar? In den sozialen Netzwerken mehren sich die Berichte von rassistischen Übergriffen.

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Er wetterte gegen Ausländer, forderte eine Mauer an der Grenze zu Mexiko und betonte, illegale Einwanderer konsequent abschieben zu wollen: Donald Trump hat einen beispiellos hasserfüllten US-Wahlkampf geführt - und damit die Gesellschaft polarisiert. Die Sorge vieler Liberaler: Der Republikaner könnte nach seinem Einzug ins Weiße Haus die politische Kultur in den Vereinigten Staaten nachhaltig verändern.

Schon jetzt mehren sich in den sozialen Netzwerken die Berichte von rassistischen Übergriffen mit Bezug auf den Wahltriumph des Milliardärs.

In dieser Nachricht einer Twitter-Nutzerin vom Tag nach der Wahl heißt es: "Als ich an diesem Morgen an einer Tankstelle gestoppt habe, rief mir eine Gruppe von Typen zu: 'Es ist an der Zeit, dass du aus diesem Land verschwindest, Apu!'" Apu ist der Name einer Figur aus der Zeichentrickserie Simpsons und gilt als ausländerfeindliche Beleidigung.

Eine andere Nutzerin schreibt: "Keine 24 Stunden nach der Wahl hielt ein Trump-Unterstützer der muslimischen Freundin meiner Schwester ein Messer an den Hals, als sie gerade im Bus zum Campus unterwegs war."

Im folgenden Tweet berichtet eine Muslimin, ihre Mutter habe ihr davon abgeraten, Kopfbedeckung zu tragen - offenbar aus Angst vor Anfeindungen.

Auf große Resonanz in den sozialen Netzwerken stieß der Bericht einer jungen Frau auf Facebook: Ein älterer weißer Mann habe sie für eine Mexikanerin gehalten, berichtet sie. Daraufhin habe er sie wüst beschimpft. Die Nutzerin zitiert den Mann mit den Worten: "Ich kann es nicht erwarten, bis Trump uns auffordert, deine Leute zu vergewaltigen und euch über die größte verdammte Mauer, die wir bauen werden, zurückzuschicken." Anschließend soll er ihr Wasser ins Gesicht geschüttet haben. "Ich hatte nie Angst, weil ich eine Frau und Mitglied einer Minderheit bin", schreibt die Frau, "bis heute".

Doch nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund machen sich offenbar Sorgen. In einem Tweet schreibt ein Nutzer, seine Familie habe ihm aus Sicherheitsgründen dazu geraten, seine "sexuelle Orientierung nicht zu verraten".

Sie habe ein Kopftuch getragen, berichtet eine Frau. Als jemand am Bahnsteig an ihr vorbeigegangen sei, habe er zu ihr gesagt: "Deine Zeit ist vorbei, Mädel."

Über tausendmal wurde das Foto geteilt, dass ein junger Nutzer auf Twitter veröffentlicht hat. Es soll die Tür zum Gebetsraum der muslimischen Studentenvereinigung der New York Universität zeigen. Quer über das Holz hat jemand ein Wort geschrieben: "Trump!"

Alle die Berichte, die derzeit von Aktivisten gesammelt werden, liefern nur einen Eindruck von der Stimmung in den USA liefern, repräsentativ können sie aber nicht sein. Viele Betroffene und Zeugen nutzen öffentliche Plattformen wie Twitter oder Facebook gar nicht, um ihre Erfahrungen zu teilen. Hinzu kommt, dass es einige Überwindung kosten dürfte, öffentlich von rassistischen Erfahrungen zu berichten.

kev/mho

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