Rassistischer Doppelmord Kind war "zur falschen Zeit am falschen Ort"

Nach dem rassistischen Doppelmord in Antwerpen will Belgien sein Waffengesetz umgehend verschärfen. Der Todesschütze sagte aus, das zweijährige Mädchen heller Hautfarbe habe einfach Pech gehabt: Er habe das Kind erschossen, weil es "zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen sei.


Brüssel - Er empfinde "tiefe Abscheu" angesichts der Morde, sagte der Präsident des EU-Parlaments, Josep Borrell. Die barbarische Tat müsse nicht nur für alle Belgier, sondern für die Europäer insgesamt Anlass zum Nachdenken sein. "Die Banalisierung der Rechtsextremen und ihrer rassistischen Vorstellungen ist eine ernste Gefahr für unsere Demokratien", betonte der sozialistische Parlamentspräsident. Ähnlich hatten sich zuvor auch Premierminister Guy Verhofstadt und andere belgische Politiker geäußert.

Polizeieinsatz in Antwerpen: Waffengesetze werden verschärft
DPA

Polizeieinsatz in Antwerpen: Waffengesetze werden verschärft

Verhofstadt hatte den Parlamentspräsidenten und die Ausschussvorsitzende, die beide seiner liberalen Partei angehören, zu einer schnellen Änderung des Waffengesetzes aufgefordert. Am Dienstag werde der Justizausschuss des Parlaments die vor Jahren begonnenen Beratungen mit höchster Dringlichkeit wieder aufnehmen, berichteten belgische Zeitungen heute.

Der 18 Jahre alte Todesschütze von Antwerpen hatte am Donnerstag ein Jagdgewehr und 20 Schuss Munition gekauft, bevor er gezielt auf Menschen fremder Herkunft schoss. Eine junge Frau aus Afrika wurde ebenso getötet wie ein zweijähriges hellhäutiges Mädchen in ihrer Obhut. Eine Türkin erlitt schwere Verletzungen.

Bei seiner ersten Vernehmung sagte der Täter nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus, das zweijährige Mädchen heller Hautfarbe habe einfach Pech gehabt: Er habe das Kind erschossen, weil es "zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen sei. Die zweijährige Luna war mit ihrem ebenfalls getöteten Kindermädchen, das eine sechsjährige Tochter hinterlässt, im Zentrum von Antwerpen unterwegs gewesen.

Eine Tante des Todesschützen sitzt für die ausländerfeindliche Flamen-Partei Vlaams Belang im belgischen Parlament. Auch sein Vater gehört nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga seit den Anfängen zu deren Mitgliedern. Der Großvater des 18-Jährigen habe im Zweiten Weltkrieg für Nazi-Deutschland an der Ostfront gekämpft.

Vorstandsmitglieder der Partei wiesen jede Verbindung mit der Tat von sich. "Der Vlaams Belang ist hierfür weder moralisch noch politisch verantwortlich", sagte Parteichef Frank Vanhecke der Zeitung "De Standaard". Kommentatoren, liberale Politiker und Muslime warfen der Partei hingegen vor, den Nährboden für rassistische Gewalt bereitet zu haben.

Ein Haftrichter in Brügge verlängerte unterdessen die Untersuchungshaft für drei Skinheads, die vor einer Woche zwei Menschen brutal zusammengeschlagen hatten. Eines der Opfer, ein Franzose afrikanischer Herkunft, liegt noch im Koma. Ein Gericht in Antwerpen verurteilte heute zwei Polizisten zu einem und drei Jahren Gefängnis, weil sie zwei Algerier nach einer Drogenkontrolle gefoltert und bestohlen hatten.

als/dpa



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