Uno-Tribunal Ratko Mladic wegen Völkermords verurteilt

Lebenslange Haft für Ratko Mladic: Der Ex-Militärführer der bosnischen Serben ist vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal des Völkermords für schuldig erklärt worden.


Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter des Uno-Kriegsverbrechertribunals zum früheren Jugoslawien sprachen ihn in Den Haag unter anderem für den Völkermord in Srebrenica 1995 schuldig. Die Richter erklärten Mladic in zehn der elf Anklagepunkte für schuldig und folgten mit dem Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Kurz zuvor war Mladic wegen störender Zwischenrufe aus dem Gerichtssaal geführt worden. "Sie lügen", schrie der 74-Jährige den Vorsitzenden Richter Alphons Orie an, während dieser das Urteil verlas. Orie ließ den Angeklagten aus dem Saal bringen. Zuvor hatte er einen Antrag der Verteidigung abgelehnt, das Verfahren wegen Mladics hohem Blutdruck zu unterbrechen.

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Mladic-Urteil: Jubel und Tränen

Bosnische Serben hatten im Sommer 1995 die Stadt Srebrenica eingenommen. Kurze Zeit darauf wurden über 8000 muslimische Männer und Jungen verschleppt und in der Umgebung des Ortes getötet. Das Massaker wurde vom Uno-Tribunal als Völkermord eingestuft und gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa sei dem Zweiten Weltkrieg.

Mladic will in Berufung gehen

Verantworten musste sich Mladic auch für die 44-monatige Belagerung von Sarajevo ab Mai 1992, bei der nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 10.000 Menschen getötet wurden.

Mladic will in Berufung gehen. "Dieses Urteil ist ungerecht und widerspricht den Tatsachen", sagte sein Sohn Darko. Sein Vater werde in Berufung gehen, "um zu beweisen, dass dieses Urteil falsch ist". "Heute wurde Gerechtigkeit durch Kriegspropaganda ersetzt", fügte er hinzu.

Mladic war erst 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht verhaftet und dem Uno-Tribunal übergeben worden. Der Prozess dauerte rund fünf Jahre. Es ist das letzte Völkermordurteil des Gerichts, das nach 24 Jahren zum Jahresende seine Arbeit abschließt.

cte/apr/AFP/dpa

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