Kuba-Reise des US-Präsidenten "Kuba wird von Kubanern bestimmt - von niemandem sonst"

Historischer Handschlag in Havanna: Kubas Staatschef Castro empfing US-Präsident Obama - und warb für Lockerungen der Blockaden. Bei aller Harmonie machte er aber auch klar, dass es unüberwindliche Differenzen gebe.

AFP

Es ist ein ungewohntes Bild im Revolutionspalast. Erstmals seit 88 Jahren stehen die Präsidenten Kubas und der Vereinigten Staaten in Havanna wieder nebeneinander. Der Handschlag zwischen Kubas Präsident Raúl Castro und Barack Obama kann als historisch bezeichnet werden.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz lobte Castro anschließend bereits gemachte Schritte: "In den vergangenen 15 Monaten haben wir konkrete Resultate erreicht." Zwei Vereinbarungen seien unterzeichnet worden, eine dritte stehe an.

Weitere Kooperationen seien geplant, etwa in Bezug auf die Sicherheit von Handel oder Reisenden. "Das ist nicht nur für Kuba und die USA hilfreich." Er sprach auch weitere mögliche wirtschaftliche Zusammenarbeit an, etwa in der medizinischen Zusammenarbeit: "Hier könnte viel mehr getan werden, wenn die amerikanischen Blockaden gelockert würden", so Castro. Gleichzeitig sagte Castro jedoch auch, beide Länder hätten "erhebliche Differenzen", die niemals verschwinden würden.

"Un nuevo día"

US-Präsident Obama bedankte sich für die herzlichen Willkommensgesten seiner Gastgeber. Sein Besuch sei vor Kurzem noch "unvorstellbar" gewesen. Es sei ein "neuer Tag angebrochen", "un nuevo día" - wie er auf Spanisch anfügte.

Obama lobte die Kultur des südlichen Nachbarn. Kuba sei selbstständig und stolz. Wichtig sei, dass nicht die USA über die Zukunft des Inselstaates entscheiden solle, so Obama. "Die Zukunft von Kuba wird von Kubanern bestimmt - und von niemandem sonst", so der US-Präsident als Reaktion auf Befürchtungen, der Einfluss der USA auf Kuba könnte künftig zu groß werden.

Der US-Präsident bedankte sich für Castros Offenheit. Es habe jedoch auch Unstimmigkeiten bei den Themen Demokratie und Menschenrechte gegeben. Um die Beziehung zwischen beiden Ländern zu normalisieren, wolle er weiter konkrete Gespräche führen. "Auch wenn wir diese Differenzen besprechen, glauben wir, dass wir gleichzeitig Fortschritte in anderen Bereichen machen können", so Obama.

So solle den Kubanern etwa der Zugang zu US-Dollars für internationale Transaktionen erleichtert werden. Auch in anderen Bereichen könne die USA sich Kooperationen vorstellen, so Obama, etwa im Bildungsbereich, im medizinischen Bereich oder beim Klimaschutz. Obama sagte, er werde den Kongress weiter ermahnen, die Blockaden zu lockern. Aber auch Kuba müsse den USA weiter entgegenkommen.

"Das ist ein historischer Besuch"

Zum Auftakt des offiziellen Teils seiner in den USA umstrittenen Kuba-Visite hatte Obama am Denkmal des Freiheitshelden Jose Marti am Platz der Revolution einem Kranz niedergelegt. Anschließend schritten Obama und Castro die mit aufgepflanzten Bajonetten angetretene Ehrengarde ab. Dann starteten sie im Palast der Revolution ihre Gespräche.

An Tag eins des Staatsbesuchs war Obama bereits mit seiner Familie durch die Hauptstadt Havanna spaziert: "Wir hatten eine große Tour gestern", sagt er. "Hat uns Spaß gemacht". Entlang der Straßen auf der Fahrt zu seinen Programmpunkten jubelten Kubaner ihm zu und riefen "Obama, Obama".

"Das ist ein historischer Besuch", so Obama. "Und es ist eine historische Möglichkeit, sich direkt mit den kubanischen Menschen auszutauschen." Er will einen Wandel durch Annäherung bewirken.

Obama und Castro stehen vor schwierigen Aufgaben. Der US-Präsident will auf wirtschaftliche und demokratische Reformen dringen, um damit den Schwenk in der Kuba-Politik vor Kritikern in den USA zu rechtfertigen. Castro hat aber bereits erklärt, an den Errungenschaften der 57 Jahre alten Revolution werde nicht gerüttelt. Zudem verlangt er die Rückgabe des US-Stützpunkts Guantanamo auf Kuba, was Obama kategorisch ablehnt.

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US-kubanische Geschichte: Vom Feind zum Freund
Zusammengefasst: Mit seinem Besuch in Kuba setzt US-Präsident Obama ein wichtiges Zeichen: Ihm geht es um die Annäherung der einst verfeindeten Länder. Kritiker werfen ihm allerdings vor, auf die Kubaner zuzugehen, ohne Gegenleistungen eingefordert zu haben. Tatsächlich wurden am Tag von Obamas Ankunft in Havanna zahlreiche Dissidenten festgenommen.

vek/Reuters/dpa

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insgesamt 51 Beiträge
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Sangit raju 21.03.2016
1. Natürlich...
... müssen alle Blockaden fallen ohne dass Cuba der 51te Staat der USA wird... Was sagt Herr Trump dazu...??? Weiß er überhaupt, wo Cuba liegt...???
Stäffelesrutscher 21.03.2016
2.
»"Hier könnte viel mehr getan werden, wenn die amerikanischen Blockaden gelockert würden", so Castro. ... US-Präsident Obama bedankte sich für die herzlichen Willkommens-Gesten seiner Gastgeber. Sein Besuch sei vor kurzem noch "unvorstellbar gewesen. Es sei ein "neuer Tag angebrochen", a nueva dia - wie er auf spanisch anfügte. ... Zum Auftakt des offiziellen Teils seiner in den USA umstrittenen Kuba-Visite hatte Obama am Denkmal des Freiheitshelden Jose Marti am Platz der Revolution einem Kranz niedergelegt. ... Zudem verlangt er die Rückgabe des US-Stützpunkts Guantanamo auf Kuba,« *Seufz* Raúl Castro hat nicht von »amerikanischen Blockaden« gesprochen, sondern von der »Blockade der USA«. »a nueva dia« ist alles, nur kein Spanisch. Korrekt wäre »un nuevo día«. Der Freiheitsheld - und Dichter - hieß José Martí. Der Stützpunkt heißt Guantánamo. Die kubanische Nachrichtenagentur ACN meldet übrigens, dass Obama nach der Ehrenbekundung für José Martí vom Protokoll abgewichen ist und sich vor den Bildern der Revolutionshelden Che Guevara und Camilo Cienfuegos hat fotografieren lassen.
brotherandrew 21.03.2016
3. Eigentlich ...
... ein schlauer Schachzug von Obama. Indem Touristen und Investoren aus den USA nach Kuba kommen, wird dort über kurz oder lang der american way of Life installiert werden. Kuba kann sich nicht mehr abschotten und wird dafür einen entsprechenden Preis bezahlen.
tailspin 21.03.2016
4. Gerade noch mal gut gegangen
Die Kuba Krise waere um ein Haar in einen haarstraeubenden Atomkrieg ausgeartet. In den 70'ern habe ich beilaeufig erfahren, dass ich deswegen 1962 fast gestorben were. Besten Dank, ihr Psychopathen aller Laender.
jj2005 21.03.2016
5. Eine neue Ära
Es sei ein "neuer Tag angebrochen", a nueva dia - wie er auf spanisch anfügte. Na, das kommt dem Spanier sicher sehr spanisch vor. Aber Scherz beiseite, man sollte Obama viel Glück wünschen bei dem Versuch, sich seinen Friedensnobelpreis nachträglich zu verdienen. Und den Kubanern wünsche ich, dass sie nicht auf die neuen Batistas reinfallen, die sicher schon auf der Lauer liegen.
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