Raumfahrtprogramm Iran schießt ersten eigenen Satelliten ins All

Durchbruch im iranischen Raumfahrtprogramm: Iran hat erstmals mit einer eigenen Rakete einen Satelliten ins All geschossen. Offiziell will Teheran Satelliten zu wissenschaftlichen Zwecken nutzen - Experten befürchten jedoch, dass die Technik auch zur Spionage eingesetzt wird.


Teheran - Als einen "besonderen Erfolg für Irans Wissenschaftler" pries das Staatsfernsehen den Start des ersten eigenen Satelliten. Iran brachte "Omid" (Hoffnung) nach eigenen Angaben am Dienstag in eine Erdumlaufbahn - ein Großereignis, das Fernsehen übertrug live.

Iranischer Präsident Ahmadinedschad: "Besonderer Erfolg für die Wissenschaftler"
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Iranischer Präsident Ahmadinedschad: "Besonderer Erfolg für die Wissenschaftler"

Iran habe den Satelliten aus Anlass des 30. Jahrestags der islamischen Revolution abgeschossen, hieß es. Wie die amtliche iranische Nachrichtenagentur Irna weiter berichtete, hatte Präsident Mahmud Ahmadinedschad selbst den Start des Satelliten mit einer in Iran gebauten Trägerrakete vom Typ "Safir 2" ("Botschafter") befohlen.

Unabhängige US-Quellen haben inzwischen bestätigt, dass der Satellit und die letzte Stufe der Trägerrakete auf der Erdumlaufbahn geortet worden sind. Als Startzeit wird allerdings bereits der Montagabend genannt.

Im vergangenen Jahr hatte Iran zweimal gemeldet, einen Satelliten ins All geschossen zu haben. Später war dann jedoch "präzisiert" worden, dass es sich lediglich um den Flug einer Forschungsrakete auf einer ballistischen Bahn gehandelt habe.

Der relativ leichte Satellit sei vollständig von iranischen Wissenschaftlern hergestellt worden und werde künftig innerhalb von 24 Stunden 15 Mal die Erde umkreisen, hieß es aus Iran. Von seiner Umlaufbahn aus werde "Omid" Messungen vornehmen.

Die Fähigkeit, Satelliten ins All zu bringen, ist ein erheblichen Fortschritt im iranischen Raketen- und Raumfahrtprogramm. 2005 war der erste iranische Satellit noch mit russischer Technik ins All gebracht worden. Iran wäre der neunte Staat der Welt, der mit einer eigenen Trägerrakete einen selbst gebauten künstlichen Erdsatelliten ins All gebracht hat. Bisher war das nur der Sowjetunion, den USA, Frankreich, Japan, China, Großbritannien, Indien und Israel gelungen.

Iran steht allerdings wegen seiner Atom- und Raketenpolitik international heftig in der Kritik. Vor allem Israel sieht sich durch Teheran bedroht. Die EU und die USA verdächtigen Iran, mit einem Atomprogramm Waffen zur Bedrohung Israels herstellen zu wollen. Sie haben deshalb Sanktionen gegen das Land verhängt. Iran spricht lediglich von einem zivilen Programm zur Stromerzeugung.

Raketenprogramm schürt Ängste

Bereits im vergangenen Frühjahr hatte Iran sein erstes Raumfahrtzentrum eingeweiht und damit weitere Ängste bei der internationalen Gemeinschaft geschürt. Im August 2008 wurden dann iranische Tests zur Vorbereitung eines ersten eigenen Satelliten-Transports in den Weltraum bekannt. Den westlichen Staaten zufolge könnte die Technologie zum Transport von Satelliten auch dazu verwendet werden, Atomwaffen abzufeuern. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.

Nach Angaben der Führung in Teheran soll sich das Raketenprogramm vor allem auf wissenschaftliche Bereiche konzentrieren. Innerhalb von zwei Jahren sollen vier Satelliten ins All gebracht werden, die den Angaben zufolge in der Telekommunikation sowie zur Beobachtung von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hochwasser eingesetzt werden sollen. Es wird jedoch erwartet, dass die Satelliten auch zur Spionage, vor allem zur Beobachtung der Lage im Nachbarland Irak und in Afghanistan, wo umfangreich ausländische Truppen stationiert sind, genutzt werden können.

Offiziell ist davon freilich keine Rede: "Omid" werde nach einem bis drei Monaten aus dem Orbit auf die Erde zurückkehren, hieß es aus dem Staatsfernsehen. "Er wird unseren Experten Datenmaterial liefern, um einen weiteren Satelliten ins All zu senden".

amz/dpa/Reuters

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