Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Razzien in der Türkei: EU verurteilt Festnahme von Journalisten

Fotostrecke: Journalisten in der Türkei festgenommen Fotos
AFP

Dutzende Festnahmen, Razzien im ganzen Land: Türkische Sicherheitskräfte haben eine groß angelegte Aktion gegen Journalisten und Regierungskritiker gestartet. Die Europäische Union kritisiert das Vorgehen jetzt scharf.

Brüssel - Als "unvereinbar mit der Freiheit der Medien" hat die EU die Festnahme Dutzender Journalisten in der Türkei verurteilt. So äußerten sich die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und EU-Nachbarschaftskommissar Johannes Hahn in Brüssel. Sie mahnten die Achtung der Unschuldsvermutung und anderer Verfahrensrechte an.

Sicherheitskräfte hatten bei einer landesweiten Großrazzia in der Türkei Dutzende Journalisten und Regierungskritiker festgenommen. Insgesamt seien 32 Haftbefehle erlassen und 24 der Verdächtigen festgenommen worden, meldete der Sender CNN Türk.

"Diese Operation steht im Gegensatz zu europäischen Werten und Standards", heißt es in der EU-Mitteilung. "Wir erinnern daran, dass alle weiteren Schritte zum Beitritt für jedes Kandidatenland vom vollen Respekt für die Rechtsstaatlichkeit und die Grundrechte abhängen." Die EU-Außen- und Europaminister beraten am Dienstag über die Erweiterungspolitik und damit auch über die Beziehungen zur Türkei.

Der deutsche Grünen-Parteichef Cem Özdemir teilte mit, die Durchsuchungen seien ein "weiteres Alarmsignal" dafür, dass sich die Türkei von Europa und der Demokratie entferne.

Unter den Festgenommenen seien unter anderem der Chefredakteur der Zeitung "Zaman", Ekrem Dumanli, und der ehemalige Leiter der Istanbuler Anti-Terror-Einheit, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Die Zeitung "Zaman" und der Medienkonzern Samanyolu stehen dem mit Präsident Recep Tayyip Erdogan mittlerweile verfeindeten islamischen Prediger Fethullah Gülen nahe, der im Exil in den USA lebt.

Nach Angaben von Dumanlis Anwalt wird dem Chefredakteur vorgeworfen, eine "Organisationsstruktur" mit dem Ziel aufgebaut zu haben, die Souveränität der türkischen Regierung auszuhebeln. Sicherheitskräfte hatten am Morgen das Redaktionsgebäude der Zeitung in Istanbul durchsucht. Demonstranten verhinderten jedoch die Festnahme Dumanlis.

Nachmittags rückte die Polizei erneut an und führte Dumanli unter lautstarkem Protest ab, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. "Man kann die freie Presse nicht zum Schweigen bringen", skandierten die Unterstützer.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sprach später von einem "Tag der Prüfung". Jeder werde für sein Verhalten zahlen, sagte Davutoglu. Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu kritisierte die Verhaftungen und bezeichnete sie als "Putsch".

isa/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Könnt sogar so ungefähr stimmen
HeisseLuft 14.12.2014
Hm, "Nach Angaben von Dumanlis Anwalt wird dem Chefredakteur vorgeworfen, eine "Organisationsstruktur" mit dem Ziel aufgebaut zu haben, die Souveränität der türkischen Regierung auszuhebeln." Ob damit die Zeitung gemeint ist, deren Chefredakteur er ist? Theoretisch könnte es ja passen, der Vorwurf passt mit ein bisschen schlechtem Willen auf jede freie Presse... /Ironie Ende
2. Returkutsche
winkler00 14.12.2014
Wer versucht, einen Autokraten ans Bein pin....., muss sich deren Reaktion bewust sein. Wer sich nun kuenstlich aufregt und sich der Hilflosigkeit bewust wird, soll doch einmal vorher die moeglichen Risiken bedenken
3.
arrache-coeur 14.12.2014
"Jeder werde für sein Verhalten zahlen, sagte Davutoglu." - Ob sich Davutoglu an seinen Spruch erinnert, wenn er selbst mal dran ist?
4. ZAMAN-SAMAYOLU-TV etc. sind ...
Wichtig-Tuer1960 14.12.2014
... der verlängerte Arm von Fetullah Gülen in der Türkei. Wer die Fäden von Hrn. Gülen und seiner Bewegung zieht, ist unbekannt aber leicht nachvollziehbar. Der Spiegel setzt sich interessanterweise nicht mit dieser äußerst suspekten Bewegung auseinader , sondern mit dem Vorgehen der Justiz. Wenn diese Leute keinen Dreck am Stecken haben, haben sie nichts zu befürchten, es deutet aber vieles daraufhin, dass sie nicht gerade eine weiße Weste haben. Die "heilige" Medienfreiheit sollte nicht ein Schutzschild für div. illegale Handlungen sein. Sehr viele Leser glauben nicht mehr daran, dass die Medien unabhängig , objektiv ,ehrlich und vor allem ethisch sind. Die westlichen Medien verurteilen einersits die islamischen Hassprädiger , ignorieren aber die Hasspredigten von Hrn. Gülen. Warum ?!
5. erdogan
thg 14.12.2014
ist machtgeil, ängstlich und paranoid. ein schwächling. ein starker politiker muss die presse nicht verhaften. da reichen argumente. aber erdogan verhaftet.....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: