Selbstmordattentäter in Kabul: Racheanschlag mit vielen Toten
Bei einem Selbstmordanschlag am Morgen sind nahe des Kabuler Flughafens mindestens zwölf Menschen getötet worden, darunter neun Ausländer. Die radikalislamische Hisb-i-Islami erklärte, die Tat sei ein Racheakt für das antiislamische Hassvideo aus den USA.
Kabul - Augenzeugen berichteten von einer gewaltigen Explosion. Ein Selbstmordattentäter habe sein mit Sprengstoff beladenes Auto in einen Minibus gerammt, der auf dem Weg zum Flughafen von Kabul war. In dem Bus befanden sich demnach Ausländer und Afghanen.
Den Berichten zufolge lagen zwölf Leichen neben dem Fahrzeug. Neun der Getöteten waren ausländische Mitarbeiter eines internationalen Kurierunternehmens, hieß es in Polizeikreisen. General Mohammad Dawood Amin, stellvertretender Polizeichef in Kabul, sagte SPIEGEL ONLINE, dass die meisten der Opfer Russen und Südafrikaner seien. Die "New York Times" berichtet dagegen unter Berufung auf Polizeikreise von französischen Opfern. Die Ermittlungen der Polizei dauerten an.
Drei Afghanen, darunter afghanischer Übersetzer sowie der Fahrer, sind nach Angaben der Polizei ums Leben gekommen. Neun Afghanen seien verletzt worden. Der Anschlag ereignete sich auf der Autobahn, die zum Kabuler Flughafen führt.
Die radikalislamische Organisation Hisb-i-Islami von Afghanistans Ex-Premierminister Gulbuddin Hekmatjar bekannte sich zu der Tat. Ob sie tatsächlich hinter dem Anschlag steckt, war zunächst unklar.
Ein Sprecher der Militanten sagte, eine junge Frau mit einer Sprengstoffweste habe die Tat ausgeführt. "Der Anschlag ist die Antwort auf den antiislamischen Film, der in Amerika produziert wurde", sagte Zubair Sidiqi, Sprecher der Hisb-i-Islami, SPIEGEL ONLINE. Das Video hatte bereits in anderen muslimischen Ländern zu einer Welle gewaltsamer Proteste geführt hat.
Der Anschlag ist ein weiterer Gewaltakt in Folge der Proteste gegen den Film "Die Unschuld der Muslime", der bereits im Sommer auf YouTube veröffentlicht wurde und der erst jetzt, in arabischer Übersetzung, in der islamischen Welt die Runde macht. Sicherheitskräfte in Afghanistan rechnen mit einer weiteren Zunahme der gewalttätigen Proteste. Ein neuer Höhepunkt wird am kommenden Freitag, nach dem traditionellen Freitagsgebet, erwartet.
kaz/Reuters/dpa; Mitarbeit: Shoib Najafizada
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